Kunsthaus Bregenz zeigt Fotoarbeiten von Jeff Wall

Akt.:
Kanadischer Künstler Jeff Wall vor seinen Werken
Kanadischer Künstler Jeff Wall vor seinen Werken
Seine Bilder sehen aus wie “Schnappschüsse”. Tatsächlich sind die Fotoarbeiten von Jeff Wall aber alles andere als zufällig entstanden. Bis zu zwei Jahre braucht er für ein Objekt. Ein Motiv wird bis ins Detail inszeniert. Am Ende bleibt so etwas wie die Wahrheit – oft deutlicher als in einem “echten Foto”. Ab 18. Oktober zeigt das Kunstmuseum Bregenz (KUB) Werke des kanadischen Künstlers.


“Tablaux Pictures Photographs 1996 – 2013” heißt die Ausstellung im KUB, die in enger Zusammenarbeit mit dem international gefeierten Fotokünstler sowie in Kooperation mit dem Stedelijk Museum in Amsterdam und dem Louisiana Museum of Modern Art in Humlebaek (USA) konzipiert wurde. Zu sehen sind bis 11. Jänner 2015 40 Arbeiten, deren Fokus auf den vergangenen zwanzig Schaffensjahren von Wall liegt. Dabei sind dennoch alle wichtigen und auch wiederkehrenden Themen seiner künstlerischen Arbeit präsent wie auch eine Auswahl seiner bekannten Leuchtkästen.

Genau mit diesen an Leuchtreklamen erinnernden Fotografien hat sich der aus Vancouver stammende Wall einen Namen gemacht. Seine neue Art der Präsentation revolutionierte in den 1970er-Jahren die Kunstszene. Als ernsthafte Exponate im Museumskontext waren zuvor – wenn überhaupt – nur Schwarz-Weiß-Fotografien zu sehen. Seit Mitte der 1990er-Jahre konzentriert sich Wall wieder verstärkt auf den klassischen Papierabzug – vorzugsweise sehr großformatige Aufnahmen. Seine Sammler suchen aber nach wie vor nach den Dia-Leuchtkästen und zahlen dafür bis zu 500.000 Dollar (fast 400.000 Euro).

Wall ist Perfektionist. Zwar zeigen seine Motive real erlebte Szenen aus dem Leben des Künstlers, werden von Büchern, Filmen oder bekannten Skulpturen inspiriert, der Zeitpunkt des Entstehens steht mit dem Erleben aber in keinerlei Zusammenhang. Ähnlich wie bei einer Filmproduktion werden mit aufwendig konstruierten Kulissen und in Zusammenarbeit mit ganzen Projektteams detailreiche Aufnahmen inszeniert und anschließend digital bearbeitet. Dabei hinterfragt Wall kritisch die traditionelle Ästhetik der Fotografie und entwickelt gleichzeitig eindrucksvolle Bilder oder “Tableaux”, in denen sich mitunter komplexe Geschichten komprimieren.

Die Themen seiner Werke reichen von menschlichen Beziehungen und zeitgenössischen gesellschaftlichen Fragen bis hin zur fantasievollen Künstlichkeit einer Inszenierung. Die Aufnahmen selbst erinnern an Film-Stills (Fotos, die während der Dreharbeiten von Filmen entstehen), an Historienbilder oder Sozialstudien. Wer nach der Geschichte in diesen von Wall selbst als “kinematografisch” bezeichneten Fotografien sucht, scheint auf der richtigen Spur. Allein: Erzählt wird sie nicht, denn es gibt nur diese einmalige Komposition. Der Rest passiert im Kopf des Betrachters.

Wall selbst bezeichnet seine Ausstellung im KUB als Beziehung zwischen den verschiedenen Formen und Techniken seiner Arbeit. “Ich versuche, mich nicht zu wiederholen. Meine Arbeit ist immer sehr singulär”, betonte der Künstler bei der Presseführung. So seien sowohl Leuchtkästen zu sehen, “die ich bereits seit 2007 nicht mehr mache”, als auch Schwarz-Weiß- und Farbfotografien. Auch die Art der Entstehung der Werke sei komplett unterschiedlich. Sie reiche vom “documentary” Foto, wie sie jeder Fotograf macht, bis hin zu Arbeiten, deren Vorbereitung zwei Jahre in Anspruch genommen hätten. Walls Werke kämen “stets sehr leicht daher”, sagte KUB-Direktor Yilmaz Dziewior. Wenn man sich aber darauf einlasse, seien tiefe Emotionen erkennbar. Für Kurator Rudolf Sagmeister ist die Ausstellung “der perfekte Ort um Jeff Walls kennenzulernen”. “Hier erklärt sich, warum dieser Künstler so bekannt ist und etwa schon viermal auf der documenta vertreten war”, so Sagmeister.

(S E R V I C E – “Jeff Wall: Tableaux Pictures Photographs 1996 – 2013”, Ausstellung im Kunsthaus Bregenz, 18. Oktober bis 11. Jänner 2015, Eröffnung: Freitag, 17. Oktober, 19 Uhr; Di bis So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr, 24. bis 25. und 31. Dezember geschlossen, 1. Jänner 14-21 Uhr;)

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