Kurden bedrängen Jihadisten in Kobane

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Flugzeug der Alliierten über Kobane
Flugzeug der Alliierten über Kobane
Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verliert in der umkämpften syrischen Kurdenstadt Kobane weiter an Boden. Koordinierte Angriffe der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) und der internationalen Allianz gegen den IS würden die IS-Kämpfer zurückdrängen, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag.

“Es gab in der letzten Woche enge Absprachen zwischen beiden Seiten”, sagte Rami Abdel Rahman, der Leiter der Beobachtungsstelle, der dpa. “Die Allianz war so in der Lage, mehr direkte Treffer gegen IS-Stellungen in Kobane zu landen.” So habe das von den USA geführte Bündnis anhand von YPG-Informationen in der Nacht zwei gezielte Luftschläge gegen den IS im Osten von Kobane geflogen. YPG-Einheiten hätten sich zugleich schwere Gefechte im Nordosten nahe des Grenzübergangs zur Türkei sowie im Süden der umzingelten Stadt geliefert. Acht Jihadisten seien getötet worden.

Schlüsselposition erobert

Nach Angaben des kurdischen Aktivisten Farhad Shami, der sich in Kobane aufhält, hat die YPG in beiden Gefechtszonen “Schlüsselpositionen” zurückerobert. “Ohne Zweifel war das durch die Luftschläge möglich”, sagte Shami der dpa.

Bei den jüngsten Luftangriffen der US-geführten Allianz wurden unterdessen offenbar zehn Zivilisten getötet. Sieben von ihnen seien ums Leben gekommen, als am Freitag eine Gasanlage in der Nähe der Stadt Al-Chasham in der östlichen Provinz Deir al-Sor getroffen worden sei, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit.

Zivilisten getötet

Weitere drei Zivilisten seien Donnerstagnacht in der nordöstlichen Provinz Al-Hassakah ums Leben gekommen. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle verfügt über ein Netz von Informanten in Syrien und steht der gegen Präsident Bashar al-Assad kämpfenden Opposition nahe. Die Informationen über zivile Opfer konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden.

Die Jihadistengruppe Islamischer Staat richtete unterdessen nach Angaben von Aktivisten im Norden Syriens einen Mann hin, weil dieser das Hauptquartier der Extremisten gefilmt haben soll. Die Tat habe sich in der Stadt Al-Bab in der Provinz Aleppo ereignet, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit. Der Mann sei getötet und die Leiche an ein Metallkreuz gebunden worden.

An seinem Hals hätten die Jihadisten ein Schild mit der Botschaft “Hinrichtung und Kreuzigung für drei Tage” befestigt, berichtete die Beobachtungsstelle unter Berufung auf Zeugen vor Ort. IS-Kämpfer richten in ihren Einflussgebiet in Syrien und im Irak regelmäßig angebliche Spione oder Andersgläubige hin.

Kurden richten IS-Kämpfer hin

Zwei IS-Kämpfer, unter ihnen ein 15-Jähriger, wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle inzwischen hingerichtet, nachdem sie im Kampf um die Kurdenstadt Kobane im Norden Syriens in Gefangenschaft gerieten. Eine mit den kurdischen Kämpfern verbündete Rebellengruppe habe die beiden Jihadisten erschossen.

Kobane wird seit über einem Monat von IS-Kämpfern belagert. Der Ort an der Grenze zur Türkei wird von einer unabhängigen kurdischen Regierung verwaltet; YPG-Einheiten verteidigen die Stadt. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle hat die IS-Miliz am Samstag Truppen aus dem ostsyrischen Al-Rakka und dem umkämpften Aleppo im Westen abgezogen, um Kobane weiter unter Druck zu setzen. Jihadisten würden den Grenzübergang zur Türkei immer wieder mit Mörsergranaten beschießen.

Augenzeugen zufolge soll der IS Piloten an erbeuteten Kampfflugzeugen ausbilden. Aktivisten berichteten, Augenzeugen hätten mindestens ein Flugzeug im Tiefflug gesehen. Das US-Außenministerium erklärte dazu: “Uns ist nicht bekannt, dass IS irgendwelche Kampfjets aus dem Irak erbeutet hat.”

Allerdings waren dem IS in Syrien mehrere Kampfflugzeuge sowjetischer Bauart – MiG 21 und MiG 23 – in die Hand gefallen. Im August hatte der IS den Fliegerhorst bei Al-Rakka nach heftigen Kämpfen gegen die Truppen des Präsidenten Bashar al-Assad erobert. Danach zeigten die Jihadisten im Internet ihre Kriegsbeute – darunter Kampfjets. Experten bezweifelten damals, dass die Maschinen flugtauglich seien. Die defekten oder wegen Wartungsarbeiten nicht flugfähigen MiGs könnten von ehemaligen irakischen Offizieren und Technikern in den Reihen der Sunnitenmiliz instand gesetzt worden sein.

Die Familien von zwei von der IS-Miliz ermordeten britischen Geiseln riefen unterdessen zu Einigkeit im Kampf gegen die Terroristen auf. In einem im “Guardian” (Samstag) abgedruckten offenen Brief hieß es: “Gemeinsam haben wir die Kraft, diese hasserfüllten Aktionen zu bekämpfen.”

Es dürfe nicht zugelassen werden, dass die Taten Weniger den Zusammenhalt von “Menschen aller Religionen in unserer Gesellschaft” untergrabe. Die Autoren riefen dazu auf, Kirchen, Moscheen und Synagogen für Gläubige aller Religionen – und Ungläubige – zu öffnen.

Der Entwicklungshelfer David Haines (44) und der Taxifahrer Alan Henning (47) waren in Syrien verschleppt und von dem IS enthauptet worden. Henning hatte als Fahrer Hilfsgüter nach Syrien gebracht. Bei einer Trauerfeier für Haines in der schottischen Stadt Perth waren die Gäste am Samstag gebeten, statt in Schwarz in hellen Farben zu erscheinen, um das Leben der beiden Opfer zu würdigen. (APA)

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