Landtagswahl: Karl Schnell im SALZBURG24-Interview

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Nach dem Rauswurf bei der FPÖ gründete Karl Schnell mit der FPS seine eigene Partei.
Nach dem Rauswurf bei der FPÖ gründete Karl Schnell mit der FPS seine eigene Partei. - © Neumayr/APA/Archiv
Für Karl Schnell hat sich seit der letzten Landtagswahl viel verändert. Nach seinem Rausschmiss bei der Salzburger FPÖ im Jahr 2015 gründete er mit der FPS seine eigene Partei, für die er nun am 22. April als Spitzenkandidat ins Rennen geht. Im Interview mit SALZBURG24 erzählt der Arzt und langjährige Politiker von seinem Engagement im Pinzgau und wie er heute auf die FPÖ blickt.




SALZBURG24: Seit der letzten Wahl ist einiges passiert, Sie sind aus der FPÖ geworfen worden und haben eine eigene Partei gegründet. Wie blicken Sie auf die vergangenen fünf Jahre zurück?

KARL SCHNELL: Die letzten fünf Jahre waren schon eine sehr harte Sache. Wir haben vor etwa zweieinhalb Jahren an diesem ominösen Dienstag eine Sitzung gehabt, plötzlich taucht Herr Strache mit rund 20 Leuten auf, offenbar mit dem Ziel, uns hinaus zu schmeißen. Er hat dann gemerkt, dass er innerparteilich keine Mehrheit bekommt, um mich auf einem demokratischen Weg rauszuschmeißen. Also wurden ich und andere einfach abgesetzt.

Ich weiß bis heute nicht warum. Wir haben einen Zettel bekommen, worauf unterm Strich stand, dass wir disziplinlos waren. Das war schon eine bittere Geschichte. Man darf nicht vergessen, dass ich der am längsten dienende Obmann bei den Freiheitlichen war – immerhin 25 Jahre lang. Ich habe schon viel erlebt, so etwas aber bis dahin noch nicht. Da ist für mich eine Welt zusammengebrochen und ich habe mich gefragt, wofür ich 25 Jahre lang gekämpft habe.

Wie sehen Sie die aktuelle FPÖ?

Es hat mal jemand gesagt, “Strache ist als Tiger weggesprungen und als Bettvorleger geendet” (Zitat von Christian Kern, Anm.). Genauso sehe ich das. Strache ist ja nicht mehr wiederzuerkennen. Was ist beispielsweise mit CETA/TTIP? Hier muss ich aber schon auch den Journalismus in die Pflicht nehmen, da könnte man durchaus einmal nachfragen.

Als ich zu Zeiten Jörg Haiders der FPÖ beigetreten bin, war das noch etwas anderes. Der war ein richtiges Talent, hat es aber leider nie wirklich beweisen können.

Es war nicht immer klar, dass Sie 2018 auch bei der Landtagswahl antreten. Was hat Sie letztendlich doch dazu bewogen?

Wir haben vor der Abspaltung schon in allen Bezirken junge Leute vorbereitet gehabt, die nach mir übernehmen sollten. Ich wollte ursprünglich schon aufhören, aber jedes Mal, wenn ich sozusagen “meinen Hof übergeben wollte”, ist irgendetwas passiert, wo ich mir gedacht habe, dass ich doch noch dabei bleiben sollte. Zuletzt war das eben die Geschichte mit dem Rauswurf. Da haben meine eigenen Leute gesagt, dass ich sie nun nicht im Stich lassen könne. Auch ich selbst wollte das so nicht gelten lassen, also habe ich eben weitergemacht.

Im Oktober 2015 haben Sie dann einmal gesagt, dass sie mit der FPS zur zweitstärksten Kraft in Salzburg werden wollen. Wie gelingt das?

Ich glaube, dass wir es im Prinzip ja sind. Die Politik der FPÖ, die nun gewählt wird, habe ich ja 25 Jahre lang mit meinem Team aufgebaut. Marlene Svazek hat in Salzburg noch keine Politik gemacht. Aber ganz offen: Ein Haslauer kann einer Svazek alles vormachen, mir hingegen gar nichts. Ich vergesse die Dinge nicht, ich bin da ein Elefant.

Was ist nun Ihr Ziel für die Landtagswahl am 22. April?

Das ist schwierig zu sagen. Es wird nur darauf ankommen, wie wir es den Menschen klar machen, dass sie Karl Schnell wählen sollen. Dass Karl Schnell der ist, der die freiheitliche Politik in Salzburg 25 Jahre lang gestaltet hat. Das wird die Herausforderung sein.

Wie ist nun ihre eigene Einschätzung zum Ausgang der Salzburger Landtagswahl?

Ich denke, dass Wilfried Haslauer sicher unangefochten bleibt. Die absolute Mehrheit geht sich allerdings nicht aus. Die SPÖ wird nicht richtig vom Fleck kommen, dafür machen sie einen zu braven und zu biederen Wahlkampf. Die Grünen werden massiv verlieren, da ist einfach zu viel passiert.

Bei der Nationalratswahl vergangenen Herbst sind Sie mit Barbara Rosenkranz auch österreichweit in Erscheinung getreten. Ist für Sie die Bundespolitik weiterhin ein Thema?

Nein, eigentlich nicht. Was ich möchte, ist etwas Richtiges für die Leute zu tun. Ich habe in meinem Beruf als Arzt und auch als Politiker immer versucht, den Menschen zu helfen. Ich sehe das ähnlich, wie wenn sich jemand freiwillig bei der Rettung oder bei der Feuerwehr engagiert. Um auf die Frage zurückzukommen, ich bleibe in der lokalen Politik, da war ich ja auch immer tätig.

Nun sind Sie seit bald 30 Jahren politisch aktiv. Was waren damals Ihre Beweggründe, in die Politik zu gehen?

Die lokalen Probleme vor Ort haben mich in die Politik geführt. Ich bin damals als junger Arzt ins Glemmtal (Pinzgau) gekommen und habe gesehen, wie Patienten mit schweren Verletzungen mit dem Akja von der Piste abtransportiert wurden. Dann sind sie in einen Rettungswagen umgeladen und damit zu mir in die Praxis gefahren worden. Im Vollstress habe ich mir das angesehen und mitunter schnell festgestellt, dass der Patient schwer verletzt ist und somit sofort ins Spital muss. Daraufhin wurde der wieder von meiner Praxis in den Rettungswagen verladen und ins Spital eingeliefert.

Ich war immer flugbegeistert und bin auch Berufspilot. Ich habe festgestellt, dass in den Skiregionen im Pinzgau unbedingt ein Hubschrauber organisiert werden muss, was ich dann auch gemacht habe.

Politik und Wahlkampf finden zu einem großen Teil auch im Internet statt. Sind soziale Medien für Sie eher Fluch oder Segen?

Für mich sind sie ein Fluch, muss ich ganz ehrlich sagen.

Wieso das?

Zum einen bekomme ich mit, dass – vielleicht bin ich da auch schon zu alt – die jungen Leute nicht einmal mehr grüßen können. Sie sitzen nur da und starren auf ihr Handy. Selbst wenn sie über die Straße gehen schauen sie auf ihr “Kastl”. Das betrifft aber auch Erwachsene, nicht nur Junge.

Womit ich aber wirklich ein Problem habe, sind diese anonymen Anschuldigungen im Netz. Ich denke, wenn jemand etwas Schlimmes getan hat, ist das natürlich furchtbar. Noch furchtbarer ist es aber, wenn man für etwas bezichtigt wird, das man gar nicht getan hat. Und solche Anschuldigungen funktionieren in den sozialen Medien natürlich besser als im Fernsehen oder in einem Printmedium.

Wie Sie sehen, bin ich sehr skeptisch was die sozialen Medien angeht. Ich hoffe, dass der Umgang damit künftig besser wird.

Wie gehen Sie selbst mit Hass und Hetze im Internet um?

Ich mache das gar nicht, das machen meine Leute. Markus Steiner berichtet mir stets, was alles in den sozialen Medien passiert. Ich sage ihm dann aber meistens, dass mir das mehr oder weniger egal ist. Er regt sich aber natürlich auf, meine Leute wollen dann immer gleich antworten, da bin ich aber eher dagegen.

Nun noch eine etwas persönlichere Frage. Wenn Sie sich drei Dinge für Salzburg wünschen könnten, welche wären das?

Ich wünsche mir, dass die Leute sehen, dass Salzburg nicht die Insel der Glückseligen ist.

Zudem bin ich ein Tierfanatiker. Daher wünsche ich mir, grausames Tierleid komplett abzuschaffen. In Salzburg aber auch über unsere Grenzen hinaus. Hier muss ein entsprechendes Bewusstsein geschaffen werden.

Dann wünsche ich mir bei den Menschen noch etwas mehr Kritik beim Umgang mit den Medien. Wir brauchen die Medien und die Berichterstattung natürlich, aber die Menschen sollten nachdenken, warum etwas auf eine gewisse Art oder gar nicht gebracht wird.

 

Herr Schnell, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute.

Sehr gerne, vielen Dank.

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