Landtagswahl: Sepp Schellhorn im SALZBURG24-Interview

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Sepp Schellhorn - von der Gastronomie in die Politik.
Sepp Schellhorn - von der Gastronomie in die Politik. - © Wildbild
Zum ersten Mal treten die NEOS bei der Landtagswahl in Salzburg am 22. April ein. Die Chancen dafür, die Fünf-Prozent-Marke zu knacken und in den Landtag einzuziehen sind durchaus gegeben. Doch Sepp Schellhorn will in die Regierung, wie er im SALZBURG24-Interview verrät.




SALZBURG24: Warum will ein Sepp Schellhorn in den Salzburger Landtag?

SEPP SCHELLHORN: Ich glaube, dass die Arbeit in der Salzburger Landesregierung sehr wichtig und großartig wäre. Während die Schwarzen und die Blauen im gleichen Boot sitzen und nach rechts abdriften, rudern Grün und Rot eher nach links. Wir aber schauen nach vorne. Die NEOS haben schon im Bund bewiesen, dass sie Konstruktivität an den Tag legen und eine gestalterische Rolle übernehmen. Und genau ist es, was ein Land wie Salzburg braucht, um moderner zu werden.

Und was konkret reizt Sie daran, Landesrat zu werden?

Mich reizt genau das Gestalterische. Genau dafür gehe ich in die Politik. Wenn man die Chance bekommt, einen Beitrag zu leisten, dann ist das auch eine verdammte Bürgerpflicht das wahrzunehmen und anzunehmen. Ansonsten dürfte ich keine Zeitung mehr lesen und keinen Fernseher mehr einschalten. Ich müsste einfach alles zuklappen und auswandern und das will ich nicht.

Ich muss das nicht machen. Ich bin von der Politik überhaupt nicht abhängig. Ich kann morgen sofort wieder etwas anderes tun. Ich hau mich einfach rein, damit es besser wird.

Was sind Ihrer Meinung nach die Stärken und Schwächen der NEOS im Vergleich zu anderen Parteien? Wo gibt es Aufhol- und Verbesserungsbedarf?

Ganz klar in der Struktur. Und das meine ich insofern, dass wir nicht diese 40-jährige Vergangenheit wie die anderen großen Parteien haben. Es ist sicher eine der großen Schwächen, dass wir nicht so massiv wachsen. Die NEOS haben mit dem überraschenden Erfolg 2013 und dem Einzug in den Nationalrat in der Euphorie auch nicht immer alles richtig gemacht. Mit der Bestätigung 2017 haben wir dann vieles richtig gemacht und jetzt heißt es, es noch besser zu machen, damit wir die Struktur in den ländlichen Gebieten, in der Provinz auch ausbreiten. Die Adern fließen lassen.

Was könnte ein konkreter Weg dafür sein?

Das hängt von der Politik ab. Grundsätzlich müssen wir aber Vertrauen schaffen. Es gibt ja viele Eintagsfliegen wie das Team Stronach oder den Mayr, die das Vertrauen in die Politik nicht unbedingt fördern. Ich glaube aber, die NEOS haben bis jetzt immer bewiesen, dass sie seriös und konstruktiv sind.

Und die Stäken der NEOS?

Die liegen sicher in ihrer Konstruktivität und in der Manpower, die sie an den Tag legen. Wir haben ein großes junges Wählerpotential und wir haben keine Altlasten. Das heißt, wie haben weder Liederbücher, noch schaffen wir Abhängigkeiten oder sind jemandem verpflichtet. Wir sagen nicht, was alles schlecht ist, sondern wir sagen, was falsch gelaufen ist und wo man etwas besser machen kann.

Stichwort „Junge Wähler“: Sie wenden sich – genauso wie ihr Chef Matthias Strolz – sehr regelmäßig und häufig via Facebook an Ihre Fans. Warum scheint Ihnen dieser Kanal so wichtig?

Ich glaube, dass Fernsehen nicht mehr so für die jungen Leute wichtig ist. Jeder starrt auf sein Handy. Die Medienlandschaft ist eine andere geworden und da gehört Social Media eben dazu. Über Facebook verbreitet man stärker und ich erreiche 24 Stunden am Tag jemanden. Ältere Menschen kann man über andere Kanäle erreichen.

Sind die sozialen Medien Fluch oder Segen für die NEOS?

Weder noch. Das ist ein Teil der Kommunikation. Wenn ich etwas falsch mache, ist es ein Fluch, dann wenn ich etwas gut mache, ein Segen. Schauen Sie, wie das damals war mit der Germania und meinem Nazifinger. Da habe ich glaube ich rund 170.000 Leute erreicht und habe damit auch aufgerührt. Das ist auch eine Art Protestkultur. Man darf aber nicht vergessen, verantwortungsvoll mit den Postings umzugehen. So werden Sie bei den NEOS keine Fake- News mitbekommen.

Die letzten Facebook-Einträge von Ihnen und auch Matthias Strolz sind immer wieder mit Seitenhieben auf Innenminister Herbert Kickl. „Kickl, sattle die Pferde, wir wissen wo du zu Hause bist!“, ist etwa ein Zitat. Oder der Nazifinger. Ist das Politik?

Ja, das ist Politik. Wenn Kickl und die ÖVP jetzt auch den Bundestrojaner installieren und sagen, also wir müssen wissen, wo die Menschen zu Hause sind und was sie dort tun, wenn wir ein Überwachungsstaat werden, dann ist das darauf gemünzt. Wenn uns einer so kommt, dann kommen wir ihm auch so.

Wie einstudiert sind die Videos eigentlich?

Gar nicht.

Alle spontan?

Ja, bis auf das Nazifinger-Video. Das haben wir drei Mal abgedreht, aber drei Mal mit dem gleichen Text.

Wie gehen die NEOS mit Hasspostings und Hetze um oder gibt es das Problem nicht?

Natürlich gibt es das Problem. Wenn jemand in der Mitte steht und ganz vorne ist, dann wird er sowohl von links als auch von rechts angeschossen. Sie brauchen nicht glauben, dass uns die, die uns neoliberale Säcke schimpfen, uns sehr vornehm neoliberale Säcke schimpfen. Es hat mich am Anfang wahnsinnig aufgeregt, und jetzt lässt es mich eher kalt, ich lese es nicht mehr. Man muss damit umgehen lernen.

Aber natürlich besteht die Gefahr, dass die Kraft der sozialen Medien auch in einer Vernichtung enden kann. Und auch da werden Sie nie von den NEOS Hasspostings erfahren. Den Nazifinger strecke ich schon aus, aber nicht unbegründet.

Reagieren Sie auf Hass- oder Hetzpostings auf Ihrer Facebook-Seite oder löschen Sie sie?

Bei mir gibt es die Devise, dass ich gar nichts lösche. Es soll ja auch ersichtlich sein, wie unmenschlich Menschen werden können. Ich lese nicht mehr alles und man muss auch nicht alles kommentieren. Am Anfang habe ich auf alles reagiert, aber das pusht sich so auf und das wird dann noch extremer. Ich habe festgestellt, dass man durch Schweigen jemanden anderen mehr zum Nachdenken bringt als durch Reaktion.

Sie betreuen Ihren Facebook-Kanal selbst?

Ja. Bis jetzt. Ob ich im Wahlkampf dann alles mache, werden wir sehen.

Zurück zur den Landtagswahlen. Was könnten die NEOS gut in der Regierung und was könnten sie gut in der Opposition?

Was sie sicher gut könnten, ist, den Blick von Außen hineinzubringen und etwas Neues einzubringen. Die NEOS sind unkonventionell und können mit dem Knowhow sehr gut umgehen, das sie einsetzen. Wir haben für alles gute Fachexperten, wir haben großartige Mitarbeiter, ein großartiges Team, das Kompetenz mitbringt.

Und wenn wir eine gewisse Stärke zusammenbekommen, wären die NEOS bestimmt eine gute Kontrollpartei in der Opposition. Aber das ist wie beim Skifahren, keiner will der Vierte sein, jeder will aufs Podest.

Wurden bzw. werden die NEOS von den Parteien immer ernst genommen?

Mittlerweile behandeln uns die Traditionsparteien auf Augenhöhe. Das war nicht immer so und das haben wir uns hart erkämpft. Ich kann mich noch gut daran erinnern, das Minister Rupprechter (Andreas Rupprecher, ÖVP, von 2013 bis 2017 Minister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Anmk.) gemeint hat, „Ah die Neos, auch werden wir auch bald wieder schlucken“.

Wie schwierig ist es tatsächlich als kleine Partei zu bestehen?

Dass wir uns innerhalb der Partei aufgrund von Egozentrik auseinanderdividieren, das kann es nicht geben. Denn uns eint die Sache. Das ist auch unter den zehn Nationalratsabgeordneten so. Ein mahnendes Bild ist für uns schon auch das, was mit den Grünen passiert ist. Dahingehend sind wir auf der Hut und achten ganz besonders darauf, nicht an den Menschen vorbei, sondern mit den Menschen zu arbeiten. Die Grünen haben versucht, das Land zu erziehen. Das wollen wir nicht.

Zum Abschluss noch eine Frage unabhängig von der Landtagswahl. Wenn Sie drei Wünsche für Salzburg frei hätten, welche wären das?

Dass der Verkehr fließend geregelt ist und dass es eine öffentliche Infrastruktur gibt, die funktioniert. Das ist der erste Wunsch. Zweitens wünsche ich mir für Salzburg auch, dass es kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander gibt, so wie in einer Mannschaft. Und drittens, dass den Menschen mehr übrig bleibt. Das heißt, sie brauchen eine ordentliche Infrastruktur an Kinderbetreuungsplätzen, damit beide Elternteile auch arbeiten können und nicht die Frauen hinten für geringfügige Jobs angestellt werden. Und dass wir ein super Bildungssystem haben, hier könnte Salzburg ein Vorreiter sein, hier könnte man über den Schatten springen und es ein bisschen anders machen als der Bund.

Vielen Dank für das Gespräch.

Gerne.

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