Laura Feiersinger im Sonntags-Talk: “Man darf sich einfach nichts scheißen”

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Laura Feiersinger stellt sich als Österreichs Aushängeschild der Fußball-Frauen die Fragen im Sonntags-Talk.
Laura Feiersinger stellt sich als Österreichs Aushängeschild der Fußball-Frauen die Fragen im Sonntags-Talk. - © APA/HANS PUNZ
Als heimlicher Star der Frauenfußball-Europameisterschaft (EM) hat Laura Feiersinger die Herzen der österreichischen Fans für sich erobert. Die 24-jährige Alleskönnerin aus Saalfelden (Pinzgau) holte mit der Nationalmannschaft den dritten EM-Rang und hat uns in der SALZBURG24-Redaktion besucht. Im Sonntags-Talk spricht sie über den derzeitigen Hype, ihr Popstar-Image und ihre Zukunft.




Bereits ihr Vater Wolfgang sorgte während seiner Karriere für sportliche Schlagzeilen: Laura Feiersinger hält im österreichischen Frauen-Nationalteam ebenso eine Schlüsselfigur inne und ist vom EM-Erfolgsteam nicht wegzudenken. Die Alleskönnerin ist der Inbegriff des ÖFB-Erfolgsrezepts und derzeit in aller Munde.

SALZBURG24: Wie sehr genießt du momentan den Hype um deine Person und die Frauen-Nationalmannschaft?

LAURA FEIERSINGER: Das ist schon sehr cool. Für uns hätte es besser nicht laufen können. Sicherlich hätten wir beim Elfmeterschießen gegen Dänemark auch ins Finale kommen können, aber wenn uns wer vor dem Turnier diesen Ausgang prophezeit hätte, hätten wir ihn sofort unterschrieben.

Was genau muss passieren, um den Hype im Frauenfußball positiv zu nützen und den Stellenwert anzuheben?

Das hängt nun vom österreichischen Fußballverband ab. Die Frage ist, wie sie reagieren, diesen Erfolg unterstützen und fördern. Ich hoffe, dass dadurch viele Mädels mit dem Fußballspielen anfangen.

Was hältst du von dem Vorschlag, dass jeder große Klub eine Frauen-Mannschaft stellen “muss”?

Solch ein Schritt würde dem Frauen-Fußball auf jeden Fall weiterhelfen. Aber das “muss” stößt mir sauer auf. Wenn man nicht mit Herz bei der Sache ist, kann auch vieles schiefgehen. Bei Bayern München zum Beispiel funktioniert das super. Vor allem, wenn die Rahmenbedingungen gegeben sind – da kann schon einiges entstehen.

Der Name Feiersinger steht im Fußball für Erfolg. Was machst du anders als dein Papa bzw. was ist heute anders als damals?

Generell hat sich der komplette Fußball weiterentwickelt. Ich spiele eine ganz andere Position als der Papa (Libero, Anm.), daher kann man das nicht so sehr vergleichen. Von vielen Seiten höre ich, dass wir in unserem Spielstil viele Gemeinsamkeiten haben.

Welche Tipps von deinem Vater haben dir am meisten geholfen?

Er hat mir immer gesagt, dass man sich nichts scheißen darf. Vor allem sollte man vor dem Gegner nicht in Erfurcht erstarren und nicht zu viel Respekt zeigen. Außerdem predigte er immer, dass jeder Gegner schlagbar ist. Diese Einstellung hat man meiner Meinung nach auch bei der EM gesehen.

Mit deinen Leistungen und dem professionellen Social-Media-Auftritt hast du die Herzen Österreichs erobert. Weißt du auswendig, um wie viele Fans bzw. Follower deine Accounts dazugewonnen haben?

Bei Instagram haben sie sich von 12.000 auf aktuell 27.000 Follower mehr als verdoppelt. Und bei Facebook ergibt sich ein ähnliches Bild, da sind es momentan 38.000 Fans.

Da kann ich mir vorstellen, dass es über solche Plattformen auch „Angebote“ von heimlichen Verehrern gibt, oder?

(lacht) Ja da waren einige dubiose Nachrichten dabei, vor allem nach den Spielen war es extrem. Da sind Tausende eingetrudelt.

An welche skurrilen Nachrichten kannst du dich noch erinnern?

Oft kommen von Ausländern im gebrochenen Englisch lustige Texte zustande. Einer hat mir mal ein Gedicht geschrieben, das war sehr amüsant und zugleich etwas verstörend. Was jedoch genau drinnen stand, weiß ich nicht mehr. Ich habe mich nur gefragt, ob das wirklich ernst gemeint war.

Moderierst du die Kanäle selber oder steckt da eine Agentur dahinter?

Nein, den Großteil mache ich eigentlich selber. Meine Schwester Denise, die in München in der Modebranche arbeitet, unterstützt und berät mich immer dabei. Früher, als ich noch bei Bayern spielte, funktionierte der Austausch noch leichter. Jetzt gibt sie mir das OK per Handy. Wenn wir uns dann wieder sehen, werden Fotos geschossen. Ansonsten übernimmt das die Verena Aschauer, meine Teamkollegin in der Nationalmannschaft und bei Sand.

Der Frauenfußball ist medial angekommen, hinkt den Männern immer noch deutlich nach. Was genau stört dich an dieser Tatsache am meisten?

Was ich gar nicht mag sind die klassischen Vorurteile. Besonders stören mich Leute, die sich im Frauenfußball nicht auskennen aber trotzdem schlecht darüber reden. Wenn einem unser Sport nicht gefällt, oder sie ihn nicht verfolgen wollen, brauchen sie ihn auch nicht kommentieren.

Warum gibt es diesen Vergleich zwischen Männern und Frauen nur im Fußball? Beim Volleyball etc. wird dieser nicht getätigt.

Das weiß ich leider selber nicht so genau. Aber es stimmt, dass nirgendwo anders so viel verglichen wird wie im Fußball. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es in naher Zukunft eine Wende in diesem Thema geben wird. Das dauert sicher noch einige Zeit, auch wenn es nach meinem Geschmack schon schneller passieren könnte.

Kann eine Frau als Fußball-Profi in Österreich oder Deutschland davon leben?

Also in Deutschland auf jeden Fall, aber in Österreich ist das extrem schwierig. Ich kenne eigentlich keine, die davon leben kann.

Das jährliche Salär ist laut Vereinigung der Fußballer bei den Legionärinnen auf 30.000 Euro Brutto geschätzt worden. Stimmt diese Einschätzung?

Abhängig von den individuellen Verträgen und Vereinen gibt es da sicherlich Abweichungen. Ich weiß nicht, wie es bei den anderen Frauen ausschaut, denke aber, dass es auf jeden Fall höher ist.

Ihr habt eine fantastische EM gespielt. Hast du schon Angebote von anderen Vereinen erhalten?

Das macht alles mein Management, aber ich denke schon, dass es bereits Anfragen gibt. Beim SC Sand habe ich ja noch ein Jahr Vertrag, deswegen mache ich mir da nicht wirklich Gedanken darüber.

Ist eine Rückkehr zum FC Bayern München ein Traum von dir?

Aktuell eigentlich nicht, aber man weiß ja nie was passiert. In Sand fühle ich mich wohl, momentan kann ich es mir nicht so richtig vorstellen. Ein Traum wäre schon noch in einer anderen großen Liga zu spielen. England oder Spanien wäre fantastisch, da wachsen die Ligen stetig.

Es gibt nach wie vor kein Berufssportgesetz in Österreich. Wäre es wichtig, die gesetzlichen Gegebenheiten an die Besonderheiten des Profisports anzupassen?

Davon habe ich bislang noch nichts gehört. Aber der Vorschlag die Besonderheiten des Profisports anzupassen und ihn als Beruf anzuerkennen, finde ich sehr gut.

Du bist sehr heimatverbunden, gehst oft im Pinzgau wandern. Welche anderen Hobbys hast du noch?

Früher hat mir der Vorschlag meiner Mama Irmgard auf dem Berg zu gehen nicht immer gefallen, doch jetzt liebe ich es oben abzuschalten und mich vom Alltag abzulenken. Unter dem Jahr bin ich wenig daheim, da genieße ich die gemeinsame Zeit mit der Familie und Freunden. Letztens war eine ehemalige Fußball-Kollegin aus Schottland zu Gast – ihr habe ich dann in meine Welt der Berge gezeigt. Zu viel darf ich leider aufgrund der Trainingssteuerung eh nicht gehen. Ansonsten gehe ich gerne ins Kino und spiele Tennis. Im Winter unternehme ich auch oft ein paar Skitouren.

o n t o p // ⛰ #austria #home

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Was gefällt dir an Salzburg besonders gut?

Dass alles so vertraut ist. Der Mix aus den Bergen und der Stadt, auch wenn sie ein bisschen zu klein ist, mag ich sehr gerne. 

Planst du eine Rückkehr in die Heimat?

Planen kann man die Zukunft sowieso nie, aber irgendwann würde ich schon gern wieder nach Salzburg. 

Auf deine Social-Media-Kanälen giltst du als Mode-Queen. Was ist für dich der heurige Sommer-Trend?

Gibt es für mich eigentlich nicht, aber da müsste ich die Denise fragen. 

Welche Mode-Tipps magst du unseren Leserinnen geben?

In Mode-Zeitschriften kann man sich immer wieder inspirieren lassen. Das wichtigste ist jedoch, dass man sich selber treu bleibt und wohl fühlt.

Kannst du dir vorstellen nach der Karriere in die Mode-Branche zu wechseln?

Eigentlich nicht, damit setzte ich mich derzeit nicht so auseinander. Mal sehen was die Zukunft so mit sich bringt, die Türe halte ich mir auf jeden Fall noch offen.

Derzeit studierst du in München Sportwissenschaften. Hast du in den Niederlanden tatsächlich an deiner Arbeit schreiben können?

Leider nicht, die habe ich ein wenig schleifen lassen. Aber in naher Zukunft soll sie fertig werden.

Wie lautet dein Thema?

Ich untersuche die Berichterstattung über deutsche Frauen und -Herrenmannschaften. Interessant ist für mich dabei, welche Unterschiede auf Facebook diesbezüglich gemacht worden sind.

Wo siehst du dich persönlich in fünf bis acht Jahren?

Also in acht Jahren werde ich wohl meine Karriere beendet haben. Bis dahin will ich noch einmal in einer anderen großen Liga Erfahrung sammeln. Als zweites Standbein habe ich den hoffentlich bald abgeschlossenen Bachelor in Sportwissenschaften.

Liebe Laura, alles Gute für deine Zukunft und vielen Dank für das Interview. Zum Abschluss noch ein flottes Entweder-Oder:

Schnitzel oder Schweinsbraten? Schnitzel

Imbiss oder Fünf-Sterne-Lokal? (überlegt lange) Da nehme ich das Fünf-Sterne-Lokal.

Disko-Musik oder Ballermann? Auf jeden Fall Party-Musik.

Bierzelt oder Disco-Party? Schwierig, aber eher Bierzelt.

Lederhose oder Dirndl? Ganz klar Dirndl.

Strand oder Berg? Berg, ist doch klar.

Bar oder mit Karte zahlen? Bar

Bayern München oder Sand? (lacht) Ist gemein, aber ich entscheide mich für Bayern.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

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