Leiche in Mattsee: Freundin weist Schuld vor Gericht von sich

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Eine Krankenschwester aus Deutschland hat sich am Freitag bei einem Prozess in Salzburg zum Vorwurf der Körperverletzung mit tödlichem Ausgang nicht schuldig bekannt. Die 61-Jährige erklärte, sie habe dem 73-jährigen Salzburger fünf bis sechs Schlaftabletten gegeben, weil ihr die Sexspiele mit ihm zu viel geworden seien. An dem Tod des Mannes trage sie aber keine Schuld. Die bereits stark verweste Leiche des Salzburgers wurde am 27. Juni 2017 in einem Müllcontainer in seiner Garage entdeckt.

Der Vorfall soll sich Anfang Juni 2017 in dem Haus des geschiedenen Pensionisten in Mattsee zugetragen haben. Staatsanwalt Michael Schindlauer: “Sie hat die Leiche dort drei Wochen verwesen lassen.” Der Tote wurde am 27. Juni 2017 in dem Container entdeckt. Noch am selben Tag wurde die Deutsche festgenommen.

Zunächst Ermittlungen wegen Mordverdachts

Wegen der fortschrittenen Verwesung konnte die Todesursache nicht mehr festgestellt werden. Zunächst wurde wegen Mordverdachts gegen die Lebensgefährtin des Flachgauers ermittelt, sie wohnte seit Mai bei dem Pensionisten. Kennengelernt hatte sie ihn im Internet. Ein ergänzendes Gutachten der Gerichtsmedizin entkräftete schließlich den Mordverdacht. Die in Deutschland 15 mal verurteilte Frau blieb aber wegen des dringenden Tatverdachtes von Vermögensdelikten in U-Haft. Behörden in Deutschland hatten einen Auslieferungsantrag gestellt.

Angeklagte erscheint ganz in schwarz

In leisen Tönen schilderte die gänzlich in Schwarz gekleidete Angeklagte heute dem Vorsitzenden des Schöffensenates am Landesgericht Salzburg, Richter Christoph Rother, dass sie sich an jenem Abend im Haus mit dem Pensionisten “einen schönen Abend machen wollte, ich habe wie immer gekocht”. Der 73-Jährige habe eine Weinflasche aus dem Keller geholt und sie hätten zum Essen um 17.30 Uhr ein Glas Wein getrunken. Später gab es noch einen “Cocktail ohne Hochprozentigem”.

Kein Streit, aber Sexspiele wurden zu viel

So harmonisch ist der Abend doch nicht verlaufen. Streit habe es zwar keinen gegeben, sagte die Angeklagte, sie sei schließlich aber verärgert gewesen, weil ihr die von ihrem Freund verlangten sexuellen Handlungen zu viel geworden seien. Sie selbst habe deshalb zwischen 23.00 und 24.00 Uhr zwei Schlaftabletten genommen und dem Pensionisten fünf oder sechs Schlaftabletten “mit Nachdruck” in die Hand gedrückt. Er habe nicht nachgefragt und die Pillen mit Wasser zu sich genommen. “Ich sagte, ‘Schatzi bitte nimm das, damit endlich Ruhe ist’. Er war schon stänkerlich.”

Angeklagte arbeitete als Krankenschwester

Der vorsitzende Richter und auch der gerichtsmedizinische Gutachter Harald Meyer hakten nach: Ob sie, die angeblich 32 Jahre in Deutschland als ausgebildete Krankenschwester und auch auf einer Intensivstation einer neurologischen Abteilung tätig war, nicht Bedenken wegen einer möglichen Gesundheitsbeeinträchtigungen bei einer so hohen Dosis an Schlaftabletten des Medikaments “Halcion” gehabt habe? Zuvor sei ja auch noch Alkohol getrunken worden. Zudem soll der Pensionist ein Potenzmittel eingenommen haben. Auch habe ihr eine Hausärztin am 22. Mai wegen ihrer geschilderten Schlafstörungen nur eine halbe Tablette verschrieben.

Frau wusste nichts von Herzerkrankung

“Mir ist die Wirkung solcher Präparate bekannt. In dem Augenblick damals habe ich nicht an das gedacht, sondern nur daran, er möge bitte schlafen. Er hat gemotzelt, weil er immer noch wollte”, antwortete die Angeklagte. “Ich habe mit keiner Silbe daran gedacht, dass ich ihm etwas antun oder ihn schädigen will.” Sie habe auch nichts von einer Herzerkrankung des Mannes gewusst. “Wir sind dann eingeschlafen. Irgendwann hat er so geschnarcht, dann bin ich runter”, erzählte sie. Nachdem sie am nächsten Morgen aufgewacht sei, habe sie nach dem Freund geschaut und gemerkt, dass er “mit Unterbrechungen schnarcht”. “Ich habe keine Sekunde daran gedacht, dass etwas nicht in Ordnung ist.” Als sie ihn später nach dem Mittagessen frage wollte, “war kein Lebenszeichen mehr da, ich war ganz sicher, dass er tot ist.”

Angeklagte: “Ich hatte einen Toten im Haus”

“Warum sind in der Medikamentenschachtel nur zehn Stück Tabletten, was glauben sie?”, wollte Richter Rother wissen. “Damit man sich nicht umbringen kann”, lautete die Antwort der Beschuldigten. Dass Medikamente die Atmung beeinträchtigen und Krämpfe entstehen können, habe sie vor dem Vorfall gewusst, sagte die 61-Jährige zum Gerichtsmediziner. Und warum sie nach dem Tod des Mannes keine Schlaftabletten mehr genommen hat? “Ich hatte ohnehin schlaflose Nächte, weil ich einen Toten im Haus hatte. Ich wusste nicht, was ich machen sollte”, antwortete die Frau.

Kein Beweis, dass Handlungen zum Tod führten

Verteidiger Johann Eder betonte, es gebe keinen Beweis dafür, dass die Menge der Schlaftabletten und der Alkohol zum Tod des Pensionisten geführt hätten. Die Frau habe damals deshalb nicht die Polizei verständigt, weil sie wegen der in Deutschland anhängigen Verfahren Angst gehabt hatte, sie werde sofort verhaftet. Zu anderen Vorwürfen in dem Salzburger Strafverfahren zeige sich die Frau zum Teil geständig, so Eder.

Weitere Vorwürfe gegen Freundin

Der Staatsanwalt hatte der Frau noch Delikte wie schwerer Diebstahl, gewerbsmäßiger schwerer Betrug, Urkundenfälschung, Urkundenunterdrückung und Störung der Totenruhe vorgeworfen. Der Verdächtige soll das Auto des verstorbenen Pensionisten verkauft, seine Kreditkarte verwendet und zahlreiche Bestellbetrügereien begangen haben, auch zulasten von Ex-Freunden. Für den Prozess wurde noch ein zweiter Termin festgesetzt, und zwar am 25. Mai. Der Strafrahmen beträgt bis zu zehn Jahren Haft.

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