Life Ball: Gediegene Show, wenig Starrummel

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Life-Ball-Bühne am Ende der Eröffnung
Life-Ball-Bühne am Ende der Eröffnung - © APA
Gediegener, aber fokussierter ist der 24. Life Ball am Samstag über die Bühne gegangen. Unter dem Motto “Recognize the Danger” wollte das Team rund um Gery Keszler weg vom Presserummel rund um die Promis und hin zum eigentlichen Thema, nämlich die Ausrottung von HIV und Aids. Es ist ihnen gelungen. Nur der Heiratsantrag eines homosexuellen Pärchens mitten auf der Bühne stahl dem die Show.

Es war eine glamouröse Zeitreise in die 1930er-Jahre, die bei der diesjährigen Eröffnungsshow geboten wurde. Absichtlich wurden diese schwierigen, mitunter gefährlichen, aber bis zu einem gewissen Grad ausgelassen gelebten Jahre und deren Zeitgeist als Show-Motto verwendet.

Life Ball will sich für die Schwächsten einsetzen

In einer auch heutzutage immer extremer werdenden Gesellschaft werde sich der Life Ball weiterhin für die Schwächsten einsetzen, hielt Ball-Organisator Keszler sichtlich gerührt in seiner Eröffnungsansprache fest. Das Ball-Motto “Recognize the Danger” solle “viele schöne Eindrücke und besinnliche Momente hinterlassen”, aber auch daran erinnern, ein “wachsames Auge” zu haben.

Conchita Wurst führte durch den Abend

Durch den Abend führten ORF-Moderatorin Verena Scheitz und Song-Contest-Gewinnerin Conchita Wurst. Sie wurden mit zahlreichen prunkvollen Kreationen von Jean-Paul Gaultier ausgestattet, die sie in mehreren Outfit-Wechseln präsentierten. Das charmante Moderatorenpaar, das sich selbst nicht immer ganz ernst nahm, sang und tanzte ausgelassen während der revueartigen Eröffnungsfeier, u. a. zu Klassikern aus dem Musical “Cabaret”.

25-Meter-Figur vor Rathaus

Die Bühne vor dem Rathaus dominierte eine 25 Meter hohe Figur, die einen Conferencier darstellte und mit eindrucksvollen Lichteffekten “zum Leben erweckt” wurde. Verantwortlich dafür zeichnete Bühnenbildnerin Amra Bergman. “Wir verbinden die alte Art des Bühnenbaus mit den modernsten Technologien”, sagte Bergman, die bereits das Bühnenbild vieler Open-Air-Events gestaltet hat.

Dirndl und Uniform auf dem roten Teppich

Während das Outfit der Debütanten und Debütantinnen auf dem roten Teppich an Dirndln und Uniformen erinnerte – allerdings zum Teil aus Pappe – sah man auf der Bühne immer wieder knappe Fransenkleider und opulenten Federschmuck. Auch dies verdeutlichte den Effekt zwischen starren Regeln und freiem Feiern, Swing und Marschmusik, Frieden und Kriegsbedrohung. Stimmungsvoll sang die deutsche Sängerin Ute Lemper zur Choreografie der Debütanten das Lied “Sag mir, wo die Blumen sind”. Weitere schöne Effekte: die von Oskar Schlemmer inspirierten, tanzenden “Schachfiguren”, die mit riesenhaftem Teufel und Engel an ihrer Seite ein Spiel zwischen Leben und Tod darstellten.

Life+-Award für englische Organisationen

Zum ersten Mal wurde während der Show der Life+-Award vergeben. Dieser ging an zwei englische Organisationen, die sich der Information von Betroffenen verschrieben haben, vor allem, was das Wissen rund um ein Medikament zur HIV-Prophylaxe betrifft. Die Preisträger Greg Owen von der Plattform “I want PrEP now” und Will Nutland von “Prepster” haben es durch Aufklärung geschafft, dass die Zahl der HIV-Diagnosen in London um 40 Prozent gesenkt werden konnte.

Als Anerkennung wurde ihnen der Award auf der Bühne überreicht, der im Kleinen eine Skulptur auf der Bühne symbolisierte, in die im Laufe der Show sechs “Bausteine” eingesetzt wurden – Bewusstsein, Akzeptanz, Wissen, Solidarität, Gesundheit und Liebe.

Für den Teil “Liebe” der Bühnenskulptur kam der rührende Heiratsantrag eines Schweizers an seinen Freund direkt auf der Bühne gerade recht. Musikalische Darbietungen folgten von Song-Contest-Teilnehmer Nathan Trent und Alice Merton.

Der Baustein “Wissen” wurde zum Auftritt von Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern in die Skulptur eingefügt. Kern sprach auch als Schirmherr der Kampagne “Know your Status”. Er erinnerte daran, dass seine Generation die erste war, die mit Aids aufgewachsen ist. “Damals hat noch kein Mensch gewusst , was der Unterschied zwischen HIV und Aids ist”, so Kern, und es gab “unglaubliche Schauergeschichten” darüber zu hören. Auch er trug, als Symbol der Immunstatus-Kampagne, das weiße Pflaster am Finger.

Aids: Medizin weit fortgschritten

Der medizinische Fortschritt sei im Fall von HIV und Aids inzwischen soweit fortgeschritten, dass man mit der Krankheit leben kann, sagte der Kanzler – damit reiße aber auch ein gewisser Schlendrian ein. “Es gibt aber keine Ausrede, sich nicht zu informieren.” Das Allerwichtigste sei, dass jeder seinen Status kennt. Mit einer Einstellung wie jener von Gery Keszler werde man die Krankheit besiegen: “Mit der Entschlossenheit, mit der Gery Keszler den Life Ball von einem ‘Wiener Gschnas’ in die wichtigste Charity-Veranstaltung verwandelt hat.” Was die Gesellschaft betrifft, so würde man inzwischen in einer leben, “in der es völlig egal sein muss, wer wen liebt”.

Sängerin Joss Stone im roten Designerkleid und mit rose-blonder Mähne stellte die Charity-Organisation “Sentebale”, die von Prinz Harry im Jahr 2006 gegründet wurde, vor. Sie sprach über das südafrikanische Königreich Lesotho, das die zweithöchste HIV-Infektionsrate weltweit hat und wo “Sentebale” tätig ist. Dort war die Soul-Popperin im Jahr 2014 und lernte das Schicksal der Aids-Waisen kennen, erzählte sie. “Was wir brauchen, ist Unterstützung”, betonte sie in ihrer eindringlichen Rede. Die Organisation habe das Leben vieler junger Menschen verbessert. Den Life Ball lobte sie als “ganz tolle Veranstaltung” und bedankte sich beim Publikum, “dafür, dass ihr so frei denkt”.

Pamela Rendi-Wagner besuchte Life Ball

Gesundheits- und Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) kam in langer, bunt gestreifter Bluse und Hose auf die Bühne, die kurzen Haare in elegante Wellen gelegt. Sie sei vom Life Ball fasziniert und “vom Leben, das hier gefeiert wird”. Als Ministerin habe sie zwei zentrale Anliegen für die Menschen – ein langes, gesundes Leben sowie die Gleichstellung in allen Lebensbereichen, “auch in der Ehe”. Diese Aussage brachte ihr zusätzlichen Jubel aus dem Publikum ein.

Der Life Ball sei ein Verbündeter für diese zwei Anliegen, denn das Thema HIV/Aids sollte nicht nur auf der politischen Agenda, sondern auch auf der gesellschaftlichen stehen. Rendi-Wagner, dann mit einem HIV-Schnelltest in der Hand, kündigte an, dass es diese Möglichkeit bald auch in Österreich geben solle. “Und feiert verdammt noch mal das Leben”, rief sie abschließend ins Publikum. Da war auch Conchita begeistert: “So eine tolle Frau”, kommentierte sie danach beeindruckt.

Naomi Campbell vertrat Elton John

Supermodel Naomi Campbell vertrat heuer in Wien Elton John und dessen Aids Foundation. In ein funkelndes Kleid in Weiß und Silber gehüllt verlas sie eine Botschaft des britischen Sängers, der nicht anwesend sein konnte, und bedankte sich herzlich für die Unterstützung der Österreicher.

Alle Beteiligten der Zeremonie fanden sich am Ende noch einmal zu einer großen Revue-Darbietung auf der Bühne ein, bevor Soul-Diva Dionne Warwick gemeinsam mit ihrer Enkelin Cheyenne Elliott das Lied “What The World Needs Now” sang und die Gäste in die bunte Rathaus-Nacht entließen.

Erstmals seit 20 Jahren erschien Filmproduzent Norbert Blecha wieder am Life Ball. Begleitet wurde er von der im perfekten 1930er-Dresscode gekleideten Designerin Monika Zechner. “Das ist ein geniales Motto”, sagte sie und stellte fest, dass Wien generell mehr Farbe gebrauchen könnte. Unter den Gästen wurde etwa eine Josephine Baker, die von einem Al Capone begleitet wurde, gesichtet.

Namhafter Designer gesichtet

Mit Francesco Scognamiglio war auch ein namhafter Designer auf dem Weg über den Carpet auszumachen. Der Grund für sein Erscheinen war, dass der Italiener im Laufe des Abends einige seiner von den modischen Traditionen von Paris und seiner Heimat Neapel geprägten Kreationen präsentieren würde. Bevor er sich mit “Francesco Scognamiglio Maison” selbstständig machte, arbeitete er für große Modehäuser wie etwa Versace.

Nachdem die Show auf der Hauptbühne zu Ende war, ging das Feiern dann für die teilweise perfekt gestylten Gäste erst richtig los. Der Life Ball ist trotz seiner Neuausrichtung weiterhin auch eine ausgelassene und lebensbejahende Party geblieben.

(APA)

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