Literaturtage Spitz mit Vortrag von Sigrid Löffler

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Anlässlich der 6. Europäischen Literaturtage in Spitz an der Donau hat die Literaturkritikerin Sigrid Löffler am Samstag einen Vortrag zum Thema “Erzählen vom unerzählbaren Inferno. Der Krieg in der Weltliteratur von heute” gehalten und dabei der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur u.a. eine Neigung “zur Flucht in die Idylle” vorgehalten. Der Schweizer Autor Lukas Bärfuss replizierte vehement.


Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur tendiere in ihrer Weltwahrnehmung zum Rückzug ins Private, zur Glückssuche und zum “Familiengehege”, befand Löffler, und lasse generell einen starken Hang erkennen, sich um die Kernfragen der Gegenwart zu drücken und den Gegenwartsproblemen aus dem Weg zu gehen: “Sie beschreibt lieber die Wonnen der Ereignislosigkeit. Sie scheint von der unausgesprochenen Prämisse auszugehen, dass Gegenwartsdiagnostik schlechte Laune macht, und meidet sie daher weitgehend – zugunsten privater Selbstbespiegelungen in politikfreien, windstillen Zonen.”

Vor allem in der außereuropäischen Literatur demonstrierten Schriftsteller hingegen “ein empfindliches Frühwarnsystem für bedrängende Themen der Zeit und alarmierende globale Fehlentwicklungen”, so Löffler. Als Beispiele für aktuellere Kriegsliteratur nannte sie u.a. Bücher von Arkadi Babtschenko, Anthony Marra, Yoram Kaniuk, Ron Leshem, Chinua Achebe und Najem Wali. In diesem Genre sei es die Aufgabe von Literatur, “dem Menschen hinter der Kriegsmaschine” Aufmerksamkeit und imaginative Kraft zuzuwenden.

Dem wollte Bärfuss, der in seinem Roman “Hundert Tage” den Bürgerkrieg in Ruanda behandelt hat, nicht beipflichten: “Die deutschsprachige Literatur gibt es nicht, es gibt Autoren und ihre Werke”, entgegnete er Löfflers Pauschalkritik, um schließlich festzuhalten, dass Soldaten nicht Opfer, sondern in erster Linie Mörder seien: “Die wahren Opfer des Krieges sind die Deserteure. Verantwortung ist nicht delegierbar.” Viele deutschsprachige Autoren hätten explizite Kriegshandlungen zum Glück nicht erlebt, so Bärfuss: “Wenn der Preis dafür langweilige Literatur ist, bin ich bereit, diesen Preis zu zahlen.”

Löffler sah sich missverstanden und verwahrte sich dagegen, “menschliche Grunderfahrungen” wie Angst, Leid und Tod gegenüber Werten wie Solidarität und Nächstenliebe hintanstellen zu wollen. Schließlich einigte man sich doch auf eine prinzipielle Definition von Literatur als “Einladung zur Empathie”.

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