Wolf in Salzburg: Land stellt Fünf-Punkte-Aktionsplan auf

Akt.:
20Kommentare
Nach mehr als zehn Wolf-Verdachtsfällen in Salzburg sieht sich das Land zum Handeln gezwungen. Mit Hubert Stock wurde ein eigener Wolfsbeauftragter installiert. Der selbst betroffene Landwirt soll alle Beteiligten an einen Tisch bringen und mit an einer gemeinsamen Lösung arbeiten.




Das Land Salzburg stellt sich mit einem Fünf-Punkte-Aktionsplan zum Thema Wolf auf. Das wohl Wichtigste ist die Installation des Wolfsbeauftragten Stock, dessen Hof selbst von einem Wolf heimgesucht wurde. “Ich will diese emotionale Diskussion wieder auf eine Sachebene bringen und gemeinsam mit den Beteiligten eine vernünftige Lösung erarbeiten”, sagte der Pongauer bei einem Pressegespräch am Freitagvormittag, der laut Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) eine hohe Akzeptanz im Land habe.

Stehen Problemwölfe vor Abschuss?

Weiterhin wird das Land einen zweistufigen Managementplan aufstellen. Auf der einen Seite gehe es darum, Schutzmaßnahmen für Tiere auszuarbeiten und Möglichkeiten zu finden, Wölfe zu vergrämen. Im zweiten Teil werden Schritte der “Entnahme” diskutiert – das Wort Abschuss wurde beim Pressegespräch offenbar bewusst nicht in den Mund genommen.

Das Land wolle Herden-Schutzmaßnahmen intensivieren und Landwirte informieren sowie beraten. Außerdem soll es bei gerissenen Tieren schnelle und unbürokratische finanzielle Entschädigung geben, heißt es weiter im Aktionsplan. Derzeit zahlt das Land für ein totes Schaf 220 Euro, für ein totes Lamm 110 Euro – Beträge, die in Zukunft auch aufgestockt werden könnten. Dennoch stellt Landesrat Schwaiger klar: “Ein Problemwolf ist ein Problemwolf und da gibt es für mich nur die Möglichkeit zu entnehmen.”

Wolfsbeautragter Stock (li.) mit Landesrat Schwaiger. /Land Salzburg/Melanie Hutter Wolfsbeautragter Stock (li.) mit Landesrat Schwaiger. /Land Salzburg/Melanie Hutter ©

Verhandlungen über EU-Schutzstatus

Außerdem will das Land Salzburg mit der Europäischen Union über den besonderen Schutzstatus verhandeln. “Wenn wir nichts tun, wir die Problematik größer werden”, warnt Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP). “Das Gesicht des Landes würde sich durch den Wolf verändern.”

Wie gehabt werden alle Verdachtsfälle auf einer eigens eingerichteten Landes-Homepage gesammelt.

Das 5-Punkte-Aktionsprogramm im Detail

  • Intensivierung der Herden-Schutzmaßnahmen: Das Land Salzburg wird den Ausbau und die Intensivierung der Herden-Schutzmaßnahmen unterstützen. Diese Hilfe besteht aus Information und Beratung, welche zielgerichtete und zumutbare Maßnahmen sowohl für Heim- als auch Almweideflächen vorsieht.
  • Schnelle, effiziente, unbürokratische Entschädigungen: Erlittene Schäden werden effizient, schnell und unbürokratisch entschädigt. Dazu gehört auch finanzielle Unterstützung von Schutzmaßnahmen. Die Fäden laufen beim Amt der Salzburger Landesregierung (Abteilung 4) zusammen. Das Land Salzburg wird dementsprechend budgetär vorsorgen.
  • Managementplan für Problemwölfe: Aufgrund des regelmäßigen Vorkommens von Wölfen wird für das Bundesland Salzburg ein landesweit abgestimmter Managementplan entwickelt, darin wird unter anderem der Umgang mit Problemwölfen festlegt. Konkret wird ein zweistufiger Notfallplan für Problemwölfe entwickelt werden. Im ersten Teil wird es um mögliche Schutzmaßnahmen für Tiere gehen und um die Möglichkeit des Vergrämens. In der zweiten Stufe geht es auch um Schritte für die Entnahme von Problemwölfen. Der Schutz für auf Weideflächen gehaltene Tiere und insbesondere der Schutz für Leib und Leben der Menschen hat dabei oberste Priorität.
  • Wolfsbeaufragter des Landes Salzburg: Zur Beurteilung der notwenigen (Sofort)maßnahmen wird ein Koordinierungsgremium eingerichtet. Das für die Landwirtschaft zuständige Mitglied der Landesregierung hat den Vorsitz, wobei für das operative Geschäft ein „Wolfsbeauftragter“ für das Land Salzburg umgehend installiert wird. Aufgabe des Gremiums: Grundsätzliche Vorgehensweisen und Entscheidungen im Umgang mit dem Wolf entwickeln sowie die jeweiligen, notwendigen Schritte abzustimmen. Der Wolfsbeauftragte ist erster Ansprechpartner für alle diesbezüglichen Fragen.
  • Verhandlungen Schutzstatus: Gegenüber der Europäischen Union und einzelnen Mitgliedsländern sowie staatenübergreifende Institutionen wie Beispielsweise die “ARGE Alp” sind Verhandlungen und Abstimmungen ausschließlich dem Landeshauptmann vorbehalten. Jedenfalls wird dabei eine Herabstufung des Schutzstatus in der FFH Richtlinie angestrebt. Überdies bedarf es einer Klarstellung der Definition des guten Erhaltungszustandes.

LIVETICKER-Nachlese zum Wolf in Salzburg

Leserreporter
Feedback


Aktuelle News

- FCG warnt vor Arbeitszeit und ... +++ - So packt ihr euren Festivalruc... +++ - Einigung auf Gratis-Mundhygien... +++ - Land Salzburg warnt mit Schock... +++ - Neues Gesetz sorgt für Verunsi... +++ - Salzburger Krankenkasse kontro... +++ - Nur wenige Insektengiftallergi... +++ - Tipps für's Autofahren bei Hit... +++ - Hohes Unfallrisiko im Urlaub +++ - LHStv. Heinrich Schellhorn LIV... +++ - Bauarbeiten für Kreisverkehr i... +++ - Fall Roland K.: Urteil im Proz... +++ - Salzburger Forscher arbeiten a... +++ - Konsumentenberatung der AK Sal... +++ - Historische Bücher aus Salzbur... +++
20Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel