ÖSV-Pleite bei Worley-Sieg im Killington-RTL vor Löseth

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Neunter Weltcup-Sieg der Französin
Neunter Weltcup-Sieg der Französin - © APA (AFP)
Den Überraschungseinlauf mit der Französin Tessa Worley als Riesentorlauf-Siegerin vor Nina Löseth (NOR) sowie Sofia Goggia (ITA) hat am Samstag die alpine Weltcuppremiere in Killington im US-Bundesstaat Vermont gebracht. Bei grenzwertigen Pisten- und Wetterbedingungen, aber vor US-Rekordkulisse mit 16.000 Zuschauern kassierten die ÖSV-Damen eine Schlappe. Beste war Michaela Kirchgasser als 16.

Das schlechteste Riesentorlauf-Ergebnis seit Maribor 2002 (17. Renate Götschl) hätte nicht sein müssen. Denn Österreichs Hoffnung Stephanie Brunner wurde den Vorschuss-Lorberen zunächst gerecht und verschaffte sich trotz Startnummer 18 und widriger Pistenbedingungen als Halbzeit-Vierte eine hervorragende Ausgangsposition. Mit überlegener Bestzeit schied die 22-jährige Tirolerin aber in der Entscheidung aus, statt wenige Wochen nach Platz vier in Sölden erstmals auf das Podest zu fahren.

Das mit einem Riesenaufwand an Geld, Technik und Personal sichergestellte, erste Weltcuprennen an der US-Ostküste seit 25 Jahren hatte neben der größten Zuschauerkulisse bei einem US-Weltcuprennen einiges zu bieten. Wochenlang hatte man mit bis zu 140 Schneekanonen um die Rennpiste gekämpft, am Renntag stellten vorangegangener Regen und zeitweise dicker Nebel Piste und Läuferin vor eine echte Kraft- und Geduldsprobe. Zudem begann Lauf eins wegen eines Problems mit der Satellitenleitung mit 40 Minuten Verspätung.

Die 16.000 vor allem wegen Lokalfavoritin Mikaela Shiffrin gekommenen Fans nahmen es ohne Murren hin. Letztlich blickte man von der “Superstar”-Strecke auf ein wahres Menschenmeer. Nicht nur der Platzsprecher fühlte eine “Hahnenkammstimmung”. Typisch amerikanisch: Selbst vom überfüllten Parkplatz aus verfolgten Hunderte Fans beim “Tailgaten” das Rennen.

Das auf einer Kunstschnee-Piste stattfand, die trotz Salzbehandlung schnell brach und tiefe Rillen und Löcher aufwies. Prominentestes Opfer war in Lauf eins Lara Gut. Die Sölden-Siegerin schied mit klarer Zwischenbestzeit aus, blieb aber fair. “Es ist niemals der Fehler der Piste. Ich muss schauen, dass mir das nicht mehr passiert”, enthielt sich die Schweizerin jeder Kritik. Wohl auch, weil sie in Killington Athletenvertreterin war.

So bleib Shiffrin einen Tag vor dem Slalom als Tages-Fünfte problemlos an der Spitze der Gesamtwertung. Neue Zweite ist Worley, sie führt nun die RTL-Wertung an.

Die Schladming-Weltmeisterin hatte im Dezember 2013 unmittelbar nach ihrem achten Weltcupsieg einen Kreuzbandriss erlitten und kämpfte seitdem um ihr Comeback. Nun ist die 27-Jährige mit Sieg Nummer neun endgültig zurück. “Ein großartiges Gefühl. Ich war immer eine der schnellsten in der Welt”, jubelte Worley und lobte die emsigen Veranstalter. “Die Piste war perfekt.”

In der Tat war die Piste im Finale deutlich besser. Dafür forderte der in Neuengland um diese Jahreszeit häufige, dicke Nebel sowie Schneefall die Läuferinnen auf dem nur 1.200 Meter hohen Killington Mountain. In Lauf eins hatte es 13 Ausfälle gegeben, darunter mit Ricarda Haaser, Rosina Schneeberger und Elisabeth Kappaurer auch drei ÖSV-Damen. Bernadette Schild verpasste die Qualifikation knapp.

Goggia hingegen gelang, was Brunner vorenthalten blieb, nämlich der erste Weltcup-Podestplatz. Dank Laufbestzeit führte sie als Dritte das wiederum enorm starke Team von gleich fünf Italienerinnen in den Top-Neun an.

Davon kann man beim ÖSV derzeit nur träumen. Mit Kirchgasser (31) war in Killington die Älteste die Beste. Katharina Truppe (20) vermurkste mit zwei kapitalen Fahrfehlern eine bessere Platzierung als 25.

“Die Piste war im zweiten Lauf um einiges besser”, sagte Kirchgasser, gab aber auch zu: “Bei mir war nicht der Pfeffer vom Training dahinter.” Auch die Salzburgerin war von den Besuchermassen begeistert. “Ganz untypisch für Rennen in Amerika.” Wie grenzwertig die Piste gewesen sei, wollte sie nicht kommentieren. “Es war an der Grenze. Aber es waren viele Leute da. Schön, dass wir gestartet sind.”

Brunner war in Sölden als Halbzeit-Sechste noch Vierte geworden. Diesmal gelang der angriffslustigen Zillertalerin, die im Vorjahr schon Fünfte in Flachau gewesen war, der Sprung nach vorne nicht.

Dabei hatte sie in Lauf eins wieder mal ihr Riesen-Talent aufblitzen lassen. Trotz der schlechten Pistenverhältnisse kämpfte sie sich mit hoher Nummer auf Platz vier. “Mit sauberer Mittellage geht das schon”, meinte sie da noch schulterzuckend.

In der Entscheidung fuhr die junge Tuxerin dann sogar um den Sieg, denn oben baute sie ihren Vorsprung sogar noch weiter aus. Nach einem leichten Fahrfehler rutschte sie aber auf dem Skischuh aus, rammte ein Tor und nach einem “Highsider” rutschte sie dann fast den gesamten Zielhang auf dem Rücken hinunter.

Brunner bezahlte ihre Angriffslust mit Hüft- und Kopfschmerzen. “Aber das gehört dazu”, gab sie sich dennoch unbekümmert. Auch der Ärger über das verpasste Podium war schnell verflogen. “Für so etwas brauche ich gerade mal zehn Minuten.”

Natürlich sei sie enttäuscht, so Brunner. “Vielleicht habe ich zu viel riskiert. Aber man muss hundert Prozent geben, um vorne dabei zu sein. Nur muss ich es halt auch ins Ziel bringen.” Ihre überlegene Bestzeit registrierte sie nur am Rande. “Ausrechnen kann man sich viel. Kaufen kann ich mir davon nichts.”

(APA)

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