Sechs Tote bei Brand in London bestätigt

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Sechs Tote bei Brand in London bestätigt
Bei dem verheerenden Hochhausbrand in London ist die Zahl der Todesopfer auf zwölf gestiegen, wie Scotland Yard am Mittwoch bestätigte. Befürchtet wurde, dass noch weitere Menschen ums Leben gekommen sind. Mehrere Bewohner würden noch vermisst, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch.

Zuvor waren die Behörden von mindestens sechs Toten ausgegangen. Bis zum frühen Abend waren nach Angaben der Rettungskräfte mindestens 79 Patienten in Spitälern behandelt worden, 18 von ihnen seien in einem kritischen Zustand.

London: Rettungseinsatz soll mehrere Tage dauern

Der Rettungseinsatz wird nach Angaben der Polizei mehrere Tage dauern. Die Ursache des Brands war zunächst unklar. Das Feuer war in der Nacht ausgebrochen, am frühen Morgen stand das Gebäude mit 24 Stockwerken im Stadtteil Kensington noch lichterloh in Flammen. Bis zum Abend blieb das Gebäude stabil genug, um darin nach eingeschlossenen Menschen zu suchen.

Baufirma: Alle Bestimmungen eingehalten

Die Baufirma Rydon hat schockiert auf die Feuerkatastrophe reagiert. Sie war für die Sanierung des Grenfell Towers zuständig. Alle erforderlichen Kontrollen, Bestimmungen im Brandschutz und sonstigen Sicherheitsstandards seien eingehalten worden, teilte die Firma am Mittwoch mit. Das Gebäude wurde 1974 erbaut und war von 2014 bis 2016 saniert worden. Bewohner und Nachbarn des Hauses hatten unzureichende Sicherheitsmaßnahmen im Grenfell Tower kritisiert.

Menschen konnten wegen Rauch nicht ins Freie laufen

Der Augenzeuge Jody Martin schilderte in der BBC, er habe einen Menschen aus dem Gebäude stürzen sehen. Eine Frau habe hinter einem Fenster ihr Baby im Arm gehalten, er habe Schreie gehört. “Ich habe den Leuten zugerufen, sie sollten ins Freie laufen”, sagte Martin, “aber sie kamen nicht aus ihren Wohnungen, weil es in den Gängen zu viel Rauch gab.” Feuerwehrleute mit Beatmungsgeräten seien im Einsatz, sagte Brigadeführer Dan Daly. “Die Einsatzbedingungen sind sehr hart.” Dutzende Einwohner, viele von ihnen im Pyjama, standen im Freien und versuchten, mit Angehörigen Kontakt aufzunehmen. In einem nahegelegenen Restaurant wurden Verletzte versorgt.

Mehr als 20 Stockwerke in Flammen

Das Feuer war in der Nacht auf Mittwoch ausgebrochen, am frühen Morgen stand das Gebäude mit mehr als 20 Stockwerken noch immer lichterloh in Flammen, eine Rauchsäule war weithin zu sehen. Rettungskräfte kämpften unermüdlich gegen das Feuer und brachten zahlreiche Bewohner des Grenfell Towers in Sicherheit. Die Ursache des Brands war zunächst unklar. Zunächst war ein Einsturz des Hauses befürchtet worden. Später hieß es, die Statik werde als “vorerst sicher” eingestuft.

Karte London, Lokalisierung GRAFIK 0616-17, Format 88 x 55 mm

Jamie Oliver bietet Gratisessen an

Der britische Fernsehkoch Jamie Oliver hat den Opfern des Hochhaus-Brandes in London Gratisessen in seinem nahe gelegenen Restaurant angeboten. “Essen und Trinken gibt es umsonst. Sprechen Sie einfach meinen Manager Juan an und wir werden Sie umsorgen”, sagte der 42-Jährige am Mittwoch auf Instagram. Die Jamie’s-Italian-Kette von Oliver hat ein Restaurant im Westfield-Einkaufszentrum in Shepherd’s Bush in der Nähe des Unglücksorts.

Dany Cotton: “Noch nie etwas in solchem Ausmaß gesehen”

“In meinen 29 Jahren als Feuerwehrfrau habe ich noch nie etwas von solchem Ausmaß gesehen”, sagte Dany Cotton von der Londoner Feuerwehr. Nach Angaben der Rettungskräfte waren mehr als 200 Feuerwehrleute und 40 Löschfahrzeuge im Einsatz. Die Einsatzkräfte waren nach eigenen Angaben innerhalb von sechs Minuten am Ort des Geschehens. Der erste Notruf sei um 00.54 Uhr (Ortszeit) eingegangen. Die Crews arbeiteten “unter extrem schwierigen Bedingungen, um Menschen zu retten und den Großbrand unter Kontrolle zu bekommen”.

Menschen sprangen aus Hochhaus

Die Polizei twitterte, dass zahlreiche Verletzte behandelt würden. In dem Apartmenthaus sollen viele Familien mit Kindern gelebt haben. Einwohner wurden gebeten, die Gegend nordwestlich vom Hyde Park zu meiden. Eine Schule in der Nähe des brennenden Gebäudes blieb geschlossen.

Augenzeugen berichteten in der Nacht auf Twitter von Schreien. Menschen seien aus dem brennenden Gebäude gesprungen. Trümmerteile flogen aus dem Gebäude. Hin und wieder knallte es in dem Hochhaus. Die Polizei hat alle Wege hermetisch und weiträumig abgeriegelt.

Eltern werfen ihre Kinder aus Hochaus

Eltern haben Augenzeugen zufolge in ihrer Verzweiflung Kinder aus dem brennenden Hochhaus in London geworfen, darunter auch ein Baby. Eine Mutter habe ihren Säugling aus dem “neunten oder zehnten Stock” geworfen, sagte Samira Lamrani der britischen Nachrichtenagentur PA am Mittwoch.

Die Frau habe von einem halb geöffneten Fenster aus mit Gesten angedeutet, dass sie das Kind herunterwerfen wolle. Daraufhin sei ein Mann in Richtung des Fensters gerannt und habe das Baby aufgefangen. Was später aus der Familie wurde, war zunächst nicht bekannt.

Der 17-jährige Tiago Etienne sagte der PA, er habe gesehen, wie Eltern drei Kinder ungefähr aus dem 15. Stock geworfen hätten. “Sie waren jung, vielleicht zwischen vier und acht Jahre alt.” Er habe aber nicht sehen können, ob die Kinder von der Polizei oder der Feuerwehr aufgefangen worden seien.

Auch andere Eltern nahmen das Wagnis in Kauf, um ihre Kinder zu retten. “Sie haben erst länger mit ihren Kindern an den Fenstern gestanden und sie dann in die Tiefe geworfen”, sagte eine 30-jährige Frau. Über das Schicksal der Kinder war zunächst nichts bekannt.

Khan: Brandschutz muss untersucht werden

Londons Bürgermeister Sadiq Khan sprach von einem “bedeutenden Vorfall” – eine Bezeichnung der britischen Behörden für eine Lage, die besondere Vorkehrungen durch einen oder mehrere Rettungsdienste erfordert. Khan sagte später auch, die Frage des Brandschutzes in Londoner Hochhäusern werde untersucht werden müssen. Einige Bewohner hatten berichtet, sie seien angewiesen worden, sie sollten im Fall eines Feuers in ihren Wohnungen bleiben. Das ist übrigens auch in Österreich in solchen Fällen – bei regelkonformen Brandschutzvorrichtungen des betreffenden Gebäudes – die Empfehlung der Feuerwehr.

“Diese Fragen sind wirklich wichtig und müssen beantwortet werden”, sagte Khan dem BBC Radio. In London gebe es sehr viele Hochhäuser, “und wir können nicht dulden, dass die Sicherheit von Menschen durch fragwürdige Anweisungen gefährdet wird, oder, falls wirklich zutrifft, was angedeutet wurde, dass Hochhäuser nicht ordnungsgemäß gewartet und betreut werden”.

Anrainer wiesen auf unzureichenden Brandschutz hin

In dem Hochhaus soll es laut Anrainern Beschwerden über unzureichenden Brandschutz gegeben haben. Ein Anrainer-Kollektiv hatte laut Medienberichten vor einem Jahr vor der Gefahr eines Brandes im Grenfell Tower gewarnt. Während Umbauarbeiten gebe es nur einen Zugang zu dem Gebäude, heißt es auf einem Blog-Eintrag der Grenfell Action Group. “Die Möglichkeit, dass in der Eingangshalle ein Feuer ausbricht, ist fast unvorstellbar”, heißt es in dem Blog-Eintrag. “Die Einwohner würden in dem Gebäude in der Falle sitzen, ohne jede Fluchtmöglichkeit.”

Grenfell Tower: 24 Stockwerke und 120 Wohnungen

Der Grenfell Tower wurde im Jahr 1974 fertiggebaut. In dem 24-stöckigen Betonbau befinden sich 120 Wohnungen. In den Jahren 2015 und 2016 wurde das Gebäude in North Kensington im Westen der britischen Hauptstadt renoviert. Es wurden neue Fenster eingesetzt, und die Fassade wurde thermisch saniert. An der Ausführung dieser Maßnahme soll es unterschiedlichen englischen Medienberichten zufolge damals und seither Kritik von Bewohnern gegeben haben.

Das Hochhaus liegt in der Latimer Road zweieinhalb bis drei Kilometer oder gut eine halbe Stunde Fußmarsch nördlich des berühmten Hyde Park. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich u.a. eine Mittelschule und eine Kampfsportschule.

Wegen des Brandes war eine angrenzende Fernstraße gesperrt, die durch zahlreiche Vororte Londons führt. Nach Angaben des Stadtbezirks Royal Borough of Kensington and Chelsea befinden sich in dem Hochhaus 120 Wohnungen.

(APA/dpa/Reuters)

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