London-Terror – Khan: Terroristen hassen es, dass wir Wahlen haben

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London am Morgen danach.
London am Morgen danach. - © Daniel LEAL-OLIVAS / AFP
Der Terroranschlag von London ist nach Ansicht des Bürgermeisters der Metropole, Sadiq Khan, ein Angriff auf den westlichen Lebensstil. Über die Terroristen sagte Khan am Sonntag im Radio BBC 5: “Sie hassen, dass wir am Samstagabend ausgehen. (…) Sie hassen es, dass wir eine Parlamentswahl abhalten.”


Wenige Tage vor der britischen Unterhauswahl wurden bei Anschlägen in London nach aktuellen Angaben sieben Menschen getötet. Drei mutmaßliche Extremisten seien am Samstagabend auf der London Bridge mit einem Kleintransporter in Fußgänger gerast, sagte der Chef der Anti-Terror-Polizei, Mark Rowley, am Sonntagmorgen.

Dann hätten sie im nahe gelegenen Touristen- und Vergnügungsviertel Borough Market mit Messern auf Menschen eingestochen. Die Angreifer seien von Polizisten erschossen worden. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand.

Londons Bürgermeister lehnt Wahlverschiebung ab

Premierministerin Theresa May erklärte, die Vorfälle würden als potenzielle Terrorangriffe gewertet. Ihre konservative Partei setzte den Wahlkampf kurzfristig aus, werde diesen aber am Montag wiederaufnehmen, wie sie am Sonntag mitteilte. Londons Bürgermeister Sadiq Khan lehnte eine Verschiebung des Votums kategorisch ab.

Sadiq Khan on Twitter

We are all shocked and angry today – but this is our city. We will never let these cowards win and we will never be cowed by terrorism. https://t.co/kcosumkdCR

Am Donnerstag sollten die Briten wie geplant zur Wahl gehen, betonte Khan. So könnten sie zeigen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen. “Eines der Dinge, die diese Terroristen hassen, sind Wahlen. Sie hassen Demokratie.” Es habe sich um einen feigen Angriff auf unschuldige Bürger und Besucher gehandelt, die London an einem Samstagabend genießen wollten. Die Terrorwarnstufe bleibe auf dem Niveau, bei dem von einer hohen Wahrscheinlichkeit von Anschlägen ausgegangen wird.

May: Kein direkter Zusammenhang zwischen Anschlägen

Nach Angaben der Notarztdienste wurden 48 Verletzte in fünf Krankenhäuser der Stadt eingeliefert. Weitere Personen mit leichteren Blessuren seien vor Ort medizinisch versorgt worden. Laut Bürgermeister Khan schwebten einige der Verletzten am Sonntag noch in Lebensgefahr. Er forderte die Londoner auf, wachsam zu bleiben und weiter Ruhe zu bewahren. Die Attacke erschüttert das Land knapp zwei Wochen nach dem Selbstmordattentat in Manchester mit 22 Toten. Die drei jüngsten Anschläge in Großbritannien sind nach Einschätzung von May nicht direkt miteinander verknüpft. Es gebe aber einen neuen Trend, bei dem Terror noch mehr Terror hervorrufe. Man dürfe deshalb nicht länger so tun, als könne alles so weitergehen wie bisher.

Polizeigroßaufgebot in London: Tatort weiter abgeriegelt

Auch Stunden nach der Attacke blieb der Bereich im Herzen der britischen Hauptstadt abgesperrt und wurde von bewaffneten Beamten überwacht. Während der Angriffe riefen die Behörden die Bürger über Twitter auf, zu fliehen, sich zu verstecken und die Polizei zu alarmieren, wenn sie in Gefahr gerieten.

Ein Taxifahrer sagte der BBC, der weiße Kleintransporter habe auf der London Bridge zahlreiche Passanten umgefahren. “Dann sind drei Männer mit langen Messern ausgestiegen.” Sie hätten wahllos auf Menschen eingestochen. Augenzeugen zufolge suchten viele Menschen Schutz in den umliegenden Bars. BBC Radio berichtete, dass die Menschen mit Tischen und Stühlen nach den Angreifern geworfen hätten, um sich zu schützen.

Nach London-Terror: Trump wirbt für Einreiseverbot

US-Präsident Donald Trump sagte Großbritannien Unterstützung zu. Zugleich warb er per Twitter für sein umstrittenes Einreiseverbot für Muslime aus bestimmten Ländern. Die Vorfälle zeigten, dass dies als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme notwendig sei.

Die Ereignisse in London wecken Erinnerungen an einen islamistisch motivierten Anschlag im März. Dabei tötete ein 52-Jähriger auf der Westminister Bridge mit einem Auto zwei Menschen und verletzte weitere. Anschließend erstach er auf dem Parlamentsgelände einen unbewaffneten Polizisten und wurde schließlich erschossen.

Die Extremistenmiliz “Islamischer Staat” hatte am Samstag über den Nachrichtendienst Telegram seine Anhänger aufgerufen, während des muslimischen Fastenmonats Ramadan mit Lastwagen, Messern und Waffen gegen “Kreuzritter” vorzugehen. In den vergangenen Jahren hat es ähnliche Anschläge in Paris, Nizza, Berlin und Brüssel gegeben.

Terrorangst hält Europa in Atem

Nach dem Anschlag in Manchester am 22. Mai schrumpfte der Vorsprung der Konservativen von May in den Wahlumfragen. Bei dem Selbstmordattentat in der nordenglischen Stadt nach einem Pop-Konzert der US-Sängerin Ariana Grande wurden 22 Menschen getötet und 116 verletzt. Grande sollte am Sonntag ein Benefizkonzert zugunsten der Opfer geben. Bei der Veranstaltung “One Love Manchester” wurden auch Popgrößen wie Justin Bieber erwartet.

Schon der Anschlag von Manchester schürte Sicherheitsbedenken auch über die Grenzen von Großbritannien hinaus. In Deutschland wurde am Freitagabend das Musikfestival “Rock am Ring” wegen einer Terrorwarnung unterbrochen. Es konnte am Samstag nach Entwarnung durch die Polizei fortgesetzt werden.

Terror-Attacke in London

(APA)

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