Die 1.000. “Wald-Matura”: Lokalaugenschein in der Landwirtschaftsschule in Tamsweg

Der Unterricht findet im schuleigenen Wald statt.
Der Unterricht findet im schuleigenen Wald statt. - © LMZ/Melanie Hutter
Der Blick von Christoph Gruber aus Unternberg (Lungau) ist konzentriert. Die Sägespäne fliegen. Jeder Handgriff sitzt. Der Fallkeil ist perfekt. Christoph macht gerade mit 65 Kollegen die Ausbildung zum Forstfacharbeiter in der Landwirtschaftlichen Fachschule Tamsweg. Seit heuer eines der Pflichtwahlmodule, aber schon vorher war der Andrang auf den “Unterricht” mit Motorsäge, Axt und Keil im Lungau begehrt. “Holz ist der Baustoff der Zukunft, der Rohstoff muss professionell ‘abgebaut’ werden. Diese Ausbildung an der LFS Tamsweg einer der Schlüssel dazu”, ist Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) überzeugt.

Unterricht im Wald, in voller Schutzausrüstung, mit schwerem Gerät, kein Zuckerschlecken. Die achtwöchige Ausbildung zum Forstfacharbeiter ist anspruchsvoll, trotzdem oder gerade deswegen gefragt im ganzen Land. In Tamsweg kommen alle Schüler der vier Landwirtschaftlichen Fachschulen, die dieses Modul gewählt haben, zusammen, heuer wird der 1.000 Forstfacharbeiter die Prüfungen am 5. und 6. Juli absolvieren. “Land- und Forstwirtschaft gehören zusammen. Im Holzland Salzburg werden jährlich etwa 1,3 Millionen Festmeter geerntet, es gibt 8.000 Waldbesitzer sowie fast 200 Holzunternehmen. Deshalb ist gerade für die gefährliche Waldarbeit eine fundierte Ausbildung von größter Bedeutung”, betont Schwaiger.

“Testbaum” fiel in 17 Minuten

Exakt 17 Minuten. So lange dauert es bis Christoph Gruber seine “Testfichte” gefällt hat. Eine Art Generalprobe für die tatsächliche Praxisprüfung. “Es wäre in diesem Fall ein ‘Sehr gut’ geworden. Christoph hat alle Sicherheitsvorschriften beachtet, der Baum ist nur 40 Zentimeter neben den Zielpflock gefallen, das nenne ich eine Punktlandung”, loben Georg Kleinferchner und Wolfgang Kocher, beide Lehrer und Ausbildner an der LFS. Kein Wunder, bei Christoph saß jeder Handgriff, die perfekte Schnittfläche belegt die professionelle Arbeit. “Die Qualität der Ausbildung und das Engagement der Landwirtschaftsschüler ist enorm hoch. Darüber hinaus bestätigen laufend gute Platzierungen bei Wettbewerben, dass Holz eine Kernkompetenz Salzburgs ist. Auch im internationalen Vergleich sind Salzburger Landwirtschaftsschüler bei den Besten”, so Schwaiger.

Ein Zusatzmodul im neuen Lehrplan seit heuer Pflicht

Die Kommission wird streng sein bei der Praxisprüfung, die einige auch salopp “Wald-Matura” nennen. Aber die insgesamt 66 angehenden Forstfacharbeiter sind bestens vorbereitet. “Wir bekommen viel Lob für die Qualität unserer Ausbildung, die in unserem Schulwald und in Kooperation mit den Österreichischen Bundesforsten stattfindet. Im neuen Lehrplan steht, dass ein Modul in der dritten Klasse Pflicht ist, aber schon vorher war der Andrang groß”, versichert LFS-Direktor Peter Rotschopf während Christoph Gruber und seine Schulkollegen Lukas Dullnig, Matthias Karner und Michael Rohrmoser den gefällten Baum “putzen”, also als eingespieltes Team die Äste entfernen und den mächtigen Stamm in vier Teile zersägen.

Einblicke ins Sägewerk und wie man einen Hochsitz baut

“Am liebsten schneide ich um, den Rest mag ich nicht so gerne”, gibt Matthias aus Mariapfarr zu. Er kommt von einer Landwirtschaft, will in diesen acht Wochen alles lernen, was er braucht. Dabei besteht die achtwöchige Ausbildung noch aus viel mehr als Bäume fällen. “Es gibt einen Theorie- und Praxisteil. Maschinen- und Baukunde sind dabei, die Schüler – und ganz selten auch Schülerinnen – erfahren alles, von der Aufforstung bis hin zur Veredelung des Holzes”, erklärt Forstwirt Georg Kleinferchner. Einblicke in Zimmereibetriebe und Tischlereien gehören dazu, heuer werden in der schuleigenen Werkstatt Hochsitze gebaut. “Uns ist wichtig, dass die Schüler sehen, was man mit dem Holz alles anfangen kann. In Salzburg haben wir Einsatzmöglichkeiten vom alten Bauernhaus bis hin zum modernen Gebäude”, erklärt Wolfgang Kocher.

66 LFS-Schüler aus ganz Salzburg treten zur Prüfung an

Zur Ausbildung zum Forstfacharbeiter in Tamsweg kommen alle Schüler der vier Landwirtschaftlichen Fachschulen zusammen, sofern sie dieses Modul gewählt haben. 1.000 Festmeter Holz werden in den acht Wochen geschlagen, eine beeindruckende Menge. Am 5. und 6. Juli treten die 66 Teilnehmer zur Prüfung an. Für einen perfekt gefällten Baum gibt es zum Beispiel 200 Punkte. Abzüge gibt es vor allem, wenn die Sicherheitsvorschriften nicht voll und ganz befolgt werden. Nicht zuletzt deshalb war das “Aaaaaaaaaaachtung” von Christoph Gruber besonders laut als die Fichte mit einem großen Krachen zu Boden ging.

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