17. Mai 2012 08:54; Akt.: 17.05.2012 08:54

Mobbing-Vorwürfe gegen Salzburger EU-Abgeordnete Werthmann

Angelika Werhtmann bestreitet die Mobbing-Vorwürfe. Angelika Werhtmann bestreitet die Mobbing-Vorwürfe. - © APA
Mehrere Ex-Mitarbeiterinnen werfen der fraktionslosen Salzburger Europaabgeordneten Angelika Werthmann Mobbing vor, was diese bestreitet.
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SALZBURG24.at

Fünf Ex-Assistentinnen, die in den vergangenen Monaten bei ihr beschäftigt waren, beschwerten sich bei der Assistentenvereinigung des Europaparlaments (EP) über “tägliche Schikanen und Mobbingattacken”, “exzessive Arbeitszeiten” und “mangelnden Respekt der Privatsphäre”. Auf die Vorwürfe angesprochen sagte Werthmann am Mittwoch gegenüber der APA: “Natürlich ist das unrichtig.”

Gemobbte Frauen bleiben anonym

Vier von den Frauen, die anonym bleiben wollen und deren Namen und Schilderungen der APA vorliegen, klagen über gesundheitliche Probleme wie starke Abmagerung, Gastritis, Schlaf- und Sehstörungen und Migräne, die sie auf die psychische Belastung in der Arbeit zurückführen. “Ich verstehe das nicht. Wir haben ein gutes Arbeitsklima gehabt”, sagte Werthmann, die sich “erstaunt und überrascht” von den “rufschädigenden Vorwürfen” zeigte, welche sie unverzüglich ihrem Anwalt weitergeben werde. “Gar nichts ist da dran”, betonte sie.

Werthmann engagierte sich gegen Mobbing am Arbeitsplatz

Frank Puskarev, Mitglied des Personalrates der Abgeordneten-Assistenten und Mitarbeiter des deutschen Europaabgeordneten Thomas Händel (Die Linke), erklärte gegenüber der APA: “Sollten die Vorwürfe gegen Frau Werthmann zutreffen, und ich habe vor dem Hintergrund der Aussagen mehrerer ehemaliger Kolleginnen keinen Anlass daran zu zweifeln, dann ist dieses Verhalten einer Abgeordneten und Arbeitgeberin unwürdig. Man kann nach den Angaben der Beschäftigten durchaus von Psychoterror und Mobbing sprechen. Pikant dabei ist, dass Frau Werthmann sich im EP als Kämpferin gegen Mobbing am Arbeitsplatz engagiert, für sie selbst scheinen diese Maßstäbe aber nicht zu gelten.”

Wissenschaftliche Arbeit innerhalb acht Stunden

Eine für allgemeine Sekretariatstätigkeiten eingestellte Mitarbeiterin beklagte, sie habe innerhalb von acht Stunden eine nach wissenschaftlichen Kriterien zitierte Arbeit verfassen müssen, “in der ich einen detaillierten Gesetzesvergleich von fünf bis sechs Mitgliedsstaaten anstellen sollte” und auch internationales und EU-Recht behandelt werden sollte. Von einem Tag auf den anderen habe Werthmann von ihr verlangt, rund 20 Berichte für die nächste Plenartagung des EU-Parlaments mit Hintergrundrecherchen, Konfliktpunkten und Stimmempfehlung auszuarbeiten. “Die wöchentlichen Arbeitszeiten haben die vertraglich geregelten Zeiten bei weitem überschritten. Täglicher Arbeitsbeginn war um 8 Uhr und mehrmals wöchentlich hat das gesamte Büroteam mindestens elf Stunden (täglich) gearbeitet”, schilderte eine andere Frau. Werthmann hielt dem entgegen, sie habe ihren Mitarbeitern freie Zeiteinteilung bei der Arbeit gelassen. “Nicht für jeden ist das Arbeitsumfeld des Europaparlaments geeignet”, sagte sie.

 

Kopien am Arbeitsplatz: „Größter Vertrauensbruch“

Eine andere Ex-Mitarbeiterin beklagte, nachdem sie Werthmann über ihre Kündigungsabsicht unterrichtet habe, habe die Abgeordnete den Antrag für die pauschale Kostenrückerstattung von 480 Euro für einen Straßburg-Aufenthalt nicht bei der Parlamentsverwaltung eingereicht. Eine weitere Mitarbeiterin schilderte, dass Werthmann die Assistentinnen daran hindern wollte, private Kopien ihrer Reisekostenabrechnung anzufertigen, weil sie dies als “größten Vertrauensbruch” gewertet habe.

Eine andere Ex-Assistentin erklärte, sie sei von Werthmann wegen ihrem “Arbeitsverhalten” “plötzlich” und “ungerechtfertigt” gekündigt worden. Zuvor habe die Abgeordnete unter anderem kritisiert, dass ihr die Assistentin bei einer Konferenz zugewunken habe, um ihr einen freien Platz anzuzeigen. Später habe Werthmann die Kündigung als Fehler und Missverständnis bezeichnet, und vorgeschlagen, doch über eine mögliche Weiterbeschäftigung zu sprechen, aber dies schließlich davon abhängig gemacht, dass die Frau noch etwas über eine andere Assistentenkollegin erzähle.

Werthmann soll reges Interesse am Privatleben der Mitarbeiten haben

Mitarbeiter würden “auf hinterhältigste Art und Weise gegeneinander ausgespielt und schikaniert”, schilderte eine Frau. Eine andere Ex-Assistentin erklärte, Werthmann habe “ein reges, über die menschliche Neugierde hinaus reichendes Interesse am Privatleben ihrer Mitarbeiter an den Tag gelegt, vorzugsweise nicht direkt, sondern über die anderen Mitarbeiter”. Werthmann sagte dazu, sie habe in regelmäßigen Meetings und in Kaffeepausen mit ihren Assistenten gesprochen, dabei wollte sie lediglich “Anteil nehmen am Leben” der Mitarbeiter. Eine Ex-Mitarbeiterin schilderte, Werthmann habe unter dem Vorwand, das Büro aufzuräumen, den Schreibtisch einer damaligen Kollegin durchsucht und in privaten Unterlagen gestöbert.

Werthmann bestreitet Mobbing-Vorwürfe

“Ich durchsuche keinen Schreibtisch. Ich habe dafür gar nicht die Zeit”, so Werthmann. Aus Angst davor, dass bürointerne Daten in falsche Hände gelangen könnten, habe Wertmann in ihrem Büro ein USB-Stick-Verbot verhängt, erklärte die Ex-Assistentin. Die Abgeordnete habe auch das Schloss der Bürotür auswechseln lassen, ohne die Mitarbeiterin zu informieren und ihr einen neuen Schlüssel auszuhändigen, schilderte die Frau. Sie habe sich dann die Tür stets vom Sicherheitspersonal des Parlaments auf- und zusperren lassen müssen. “Das Schloss wurde ausgetauscht, weil eine Mitarbeiterin den Schlüssel nicht zurückgegeben hat”, sagte Werthmann. Das Arbeitsverhältnis sei dann beendet worden.

Puskarev kritisierte, das EU-Beamten-Statut und Paragrafen zum Schutz vor Belästigung, Mobbing und ungerechtfertigten Entscheidungen des Arbeitgebers würden in der Praxis kaum greifen. “Die Freiheit des Mandats wird in diesen Fällen über den Schutz der Arbeitnehmer gestellt und diesen bleibt häufig nur der äußerst beschwerliche und teure Weg zum EuGH. Dieser Zustand ist mit den Zielen und Ansprüchen der Union von sozialen Schutz und Gleichbehandlung nach meiner Ansicht nicht vereinbar”, sagte Puskarev. Mit der anstehenden Änderung des Statuts könnte dieser Missstand behoben werden. (APA)



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