Plastikmüll: Leben ohne Plastik in Salzburg

Akt.:
2Kommentare
Plastikmüll verschwindet nicht so schnell. (Archivbild)
Plastikmüll verschwindet nicht so schnell. (Archivbild) - © APA/dpa-Zentralbild/Stefan Sauer
Ein Alltag ohne Plastik ist für die meisten nicht mehr vorstellbar. Von Lebensmitteln über Kleidung bis zu Kosmetika: Überall begegnet uns Kunststoff in verschiedensten Formen. Nur ein geringer Teil der Verpackungen kann wirklich wiederverwendet werden. Wir haben uns angesehen, wie viel Plastikmüll jährlich in Salzburg anfällt und, welche Alternativen es gibt.




Plastik in Supermärkten, an Stränden, sogar in der Arktis. 1,25 Millionen Partikel sogenannten Mikroplastiks schwimmen pro Quadratkilometer im Mittelmeer. Kunststoffe sind überall und es werden mehr statt weniger, da Plastik nicht abbaubar ist, sondern sich nur in immer kleinere Teile zersetzt. Dem Plastiksackerl wird schon länger der Kampf angesagt, die EU will aber noch breiter gegen die Plastikflut vorgehen.

Salzburger verursachen fast 11.000 Tonnen Plastikmüll

Allein 2016 produzierten die 28 EU Staaten gemeinsam mit Norwegen und der Schweiz 60 Millionen Tonnen Plastik, 27 davon landeten im Müll. Nur 31 Prozent werden recycelt, während fast 50 Prozent verbrannt wurden. 900.000 Tonnen Plastikabfall waren es in ganz Österreich 2015, 71 Prozent landeten im Feuer. Die Salzburger haben 2017 pro Kopf 20 Kilogramm Plastikmüll verursacht. Gerechnet auf das ganze Bundesland ergibt das 10.985 Tonnen. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede im Vergleich zwischen Stadt und Land, weiß Wilfried Mayr vom Referat für Abfallwirtschaft und Umweltrecht des Landes Salzburg.

Plastik bleibt jahrhundertelang im Meer. Foto: Screenshot/Bundesumweltamt

Trennmoral am Land höher als in der Stadt

Zum einen liegt das an den unterschiedlichen Sammelsystemen. Mayr: “Während in der Stadt Salzburg das System ‘Flaschensammlung’ zur Anwendung kommt, sind in den anderen Bezirken Systeme der ‘gemischten Leichtverpackungssammlung’ im Einsatz.” Das heißt: Alle Plastikverpackungen kommen in den gleichen Container, auch Flaschen. Das bringt verschiedene Ergebnisse. In der Stadt Salzburg wurden rund 5,3 Kilogramm pro Einwohner gesammelt, in den Gauen zwischen 22 und 40 Kilogramm. Müllanalysen ergeben außerdem, dass 40 Prozent des Plastiks weiterhin im Restmüll landet. “Grundsätzlich sind die Leute in der Stadt aber weniger motiviert als jene am Land, was die Mülltrennung betrifft. Nicht einmal die Hälfte der PET-Flaschen landen hier in der getrennten Sammlung”, erklärt Mayr.

Maximal 40 Prozent werden recycelt

Dabei lassen sich gerade PET-Flaschen gut wiederverwerten, denn sie bestehen meist aus einer Sorte Kunststoff. Im Idealfall sind es 40 Prozent, die zu Plastikgranulat weiterverarbeitet werden. “Wir reden jetzt über jenen Plastikmüll, der über das ‘System Gelber Sack’ im Haushalt gesammelt wird. Hier habe ich ein unglaubliches Gemisch von ganz unterschiedlichen Kunststoffen, Produkten, Kunstoffgemischen und Additiven. Dadurch haben die Kunststoffe alle verschiedene Eigenschaften, die zwar dem Produkt nutzen, die stoffliche Verwertung aber extrem schwierig machen”, erläutert der Experte. 60 Prozent des anfallenden Plastikmülls werden allerdings verbrannt: “Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass alles, was im gelben Sack landet, wieder zu einem neuen Produkt wird.”

Einzige Alternative: Weniger Abfall

Eine weitere Wunschvorstellung sei, dass Plastikalternativen wirklich Müll reduzieren würden. Mayr erläutert das an zwei Beispielen: Einmal den sogenannten “Bio-Plastiksackerln” und Glasbehältern. Auch bei den Bio-Sackerln ist die Mischung ausschlaggebend. Manche sind wirklich komplett abbaubar, andere bestehen etwa aus Maisstärke und Kunststoff – sie zerfallen lediglich schneller. Derzeit gebe es dafür auch noch keine Normierung, schildert Mayr: “Solange es so viele unterschiedliche Bio-Sackerl gibt: Bitte nicht in den Biomüll geben, weil man sich nicht sicher sein kann, ob nicht doch Kunststoff dabei ist.” Deshalb lieber in die Kunststoffsammlung oder den Restmüll damit. Ausgenommen sind jene Biomüll-Sackerl, die etwa von der Stadt extra dafür ausgegeben werden.

Ist Glas eine gute Alternative? Kommt drauf an, sagt der Experte. Und zwar nicht auf das Material, sondern auf Ein- oder Mehrweg. “Ein Einweg-Glas ist ökologisch betrachtet genauso schlecht oder sogar schlechter als ein Einweg-Kunststoff. Je öfter ich Verpackungen verwende, umso besser. Abfallvermeidung ist aber immer die bessere Variante”, betont Mayr abschließend.

Plastikfrei leben in Salzburg

Wer jedoch nach dem Einkauf seine Lebensmittel zuhause auspackt, weiß: Müll zu vermeiden ist nicht einfach. Damit der Verzicht einfacher wird, haben wir für euch ein paar Tipps parat und nach Alternativen in Salzburg gesucht.

Tipps:

  • Mit Stoffsackerl und Einkaufskorb in den Supermarkt und sich das Plastiksackerl sparen
  • Obst und Gemüse möglichst unverpackt kaufen, auf das Obstsackerl verzichten
  • Trinkflaschen aus Edelstahl, Glas oder Alu ersetzen die PET-Flasche
  • Einweg- zu Mehrweggläsern machen und zur Aufbewahrung von Müsli, Nudeln und Co. verwenden
  • Kinderspielzeug aus Holz und Textil ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch oft mit weniger Schadstoffen belastet
  • Einwegbecher vermeiden: Zum Kaffeetrinken lieber gemütlich hinsetzen oder eigenen Becher mitbringen
  • Duschgel, Shampoo oder auch Putzmittel gibt es bereits zum Wiederbefüllen. Seifen für Haut und Haare kommen völlig ohne Plastik ins Bad
  • Wenn Plastik anfällt: Richtig entsorgen und recyceln

Alternativen beim Einkauf:

  • Regional und plastikfrei einkaufen auf Salzburgs Bauernmärkten und in Hofläden: Eine Übersicht gibt’s HIER.
  • Unverpacktes im Laden “Frau von Grün” im Andräviertel
  • Unverpackte Lebensmittel und Großpackungen in diversen asiatischen, indischen oder nahöstlichen Läden z.B. HIER und HIER
  • Kosmetik ohne Plastik vom “Seifenkontor
  • Putzmittel zum Selbstabfüllen im Reformhaus Martin in der Linzergasse
  • Zahnbürsten und Zahnpasta ohne Plastik bei ‘s Fachl in der Kaigasse

Leserreporter
Feedback


Aktuelle News

- Bauarbeiten starten in Salzbur... +++ - Haustiere abgeben statt ausset... +++ - Anwalt stellt neuen Asylantrag... +++ - Salzburg droht Stauwochenende +++ - Essen in den Öffis: So ist die... +++ - 13-Jährige stundenlang gequält... +++ - Ein Schwerverletzter bei Unfal... +++ - Nettozuwachs von 4,5 Prozent: ... +++ - Raubüberfall im Mirabellgarten... +++ - Volksschule Gnigl: Abriss schr... +++ - 14-Jähriger verletzt sich bei ... +++ - Zell am See: Hecke fängt Feuer... +++ - 83-Jähriger bei Arbeitsunfall ... +++ - Forstarbeiter in Golling schwe... +++ - Kinderwagen rollte im Pongau ü... +++
2Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel

Lungau.
SALZBURG24.AT

Suche

Suche filtern


Trauerfälle aus dem Lungau