Prozess um Loveparade-Katastrophe begann mit Antragsflut

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Gewaltiger Verhandlungssaal in Düsseldorf
Gewaltiger Verhandlungssaal in Düsseldorf - © APA (dpa)
Mit einer Flut von Anträgen hat in Düsseldorf der Prozess um die Loveparade-Katastrophe begonnen. Sechs Mitarbeitern der Stadt Duisburg und vier des Veranstalters Lopavent wird fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Bei dem Unglück am 24. Juli 2010 waren im Gedränge am einzigen Zu- und Abgang der Technoparade 21 Menschen erdrückt worden. Mindestens 652 wurden verletzt.

Zum Auftakt rügten die Verteidiger die Anwesenheit potenzieller Zeugen im Saal. Das Gericht unterbrach daraufhin die Verhandlung. Zwei Zuschauer verließen die Verhandlung, darunter die Sprecherin von Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller.

Daraufhin stellten Verteidiger Befangenheitsanträge gegen zwei Ergänzungsschöffen. So habe die Stieftochter eines Schöffen die Loveparade besucht – auch wenn sie dabei nicht Zeuge des tödlichen Gedränges geworden sei, reiche dies für eine Befangenheit aus. Weitere Verteidiger kündigten eine umfangreiche Besetzungsrüge gegen das Gericht an, die sie noch vor der Anklageverlesung stellen wollten.

Die Anklageschrift umfasst 556 Seiten. Die Staatsanwaltschaft Duisburg listet darin “schwerwiegende Fehler bei Planung und Genehmigung” auf. Zudem seien Sicherheitsauflagen nicht überwacht worden. Das Verfahren steht unter Zeitdruck: Ende Juli 2020 verjähren die Vorwürfe.

Der Weg zum Prozess war lang: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauerten mehr als dreieinhalb Jahre. 96 Polizisten vernahmen 3.409 Zeugen und sichteten Videomaterial in einer Gesamtlänge von rund 1.000 Stunden. Mehr als zwei Jahre lang prüfte dann eine Kammer des Landgerichts Duisburg die Anklage, ließ sie am Ende aber nicht zur Hauptverhandlung zu. Erst eine erfolgreiche Beschwerde der Staatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht ebnete den Weg für den Prozess.

“Das Landgericht hat versagt”, sagte Opferanwalt Gerhart Baum vor Prozessbeginn. Erst durch die Beschwerden sei das Verfahren in Gang gekommen.

Das Landgericht Duisburg hat die Hauptverhandlung aus Platzgründen in eine Kongresshalle nach Düsseldorf verlegt. Rund 500 Menschen finden darin Platz. Die Angeklagten werden von 32 Juristen verteidigt. Der Anklage haben sich 65 Nebenkläger angeschlossen. Sie werden von 38 Anwälten vertreten. 45 Besucher hatten sich am Freitag zu Beginn im Saal eingefunden, das Gericht hatte mit einem wesentlich größeren Andrang gerechnet. Ein vierköpfiges Notfallseelsorge-Team stand am ersten Tag als Beistand für Angehörige, Traumatisierte und Besucher bereit.

Der große Umfang des Verfahrens spiegelt sich auch in der Menge der Akten wider: Die sogenannte Hauptakte, die beim Prozess in Griffweite der Richter steht, umfasst derzeit 117 Bände mit 53.500 Seiten. Hinzu kommen rund 1.000 Ordner mit Beweismitteln und weiteren Unterlagen sowie rund 1.000 Stunden Videomaterial mit den Aufnahmen von Überwachungskameras und Handys.

Der Gründer der Loveparade, der Musiker Dr. Motte, erwartet vom Loveparade-Strafprozess eine “lückenlose Aufklärung” des Unglücks. “Das ist das, was die Eltern wollen, und das ist das Wichtigste”, sagte der 57-Jährige.

(APA/dpa)

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