Mangelnde notärztliche Versorgung im Flachgau: Drei Varianten werden geprüft

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In Salzburg sei die notärztliche Versorgung flächendeckend gewährleistet, sagt Gesundheits- und Spitalsreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl.
In Salzburg sei die notärztliche Versorgung flächendeckend gewährleistet, sagt Gesundheits- und Spitalsreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl. - © APA/DPA/Marc Müller

Durch die Neuorganisation des Bereitschaftsdienstes durch die Salzburger Ärztekammer und die Salzburger Gebietskrankenkasse musste seit November 2015 in Teilen Salzburgs die notärztliche Versorgung neu strukturiert werden. Dies sei nun flächendeckend gelungen, informiert am Mittwoch Gesundheits- und Spitalsreferent Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl. Für Verbesserungen der notärztlichen Versorgung im Raum Straßwalchen (Flachgau) werden aktuell drei konkrete Varianten geprüft, heißt es.

“Betroffen von den Änderungen waren vor allem die peripheren Regionen wie der Oberpinzgau, das Gasteinertal, das Saalachtal oder das Lammertal. In vielen Gesprächen mit der Ärztekammer, der Gebietskrankenkasse und dem Roten Kreuz konnten überall Lösungen gefunden werden, sodass eine flächendeckende notärztliche Versorgung im Bundesland gewährleistet ist und Verbesserungen für die Bevölkerung erreicht werden konnten. Der letzte Lückenschluss erfolgte mit 1. Juni dieses Jahres im Lammertal, wo sich der nächtliche Bereitschaftsdienst für die Sonderkrankenanstalt Abtenau an der notärztlichen Versorgung beteiligt”, so Stöckl bei einem Informationsgespräch zur notärztlichen Versorgung im Bundesland Salzburg.

otärztliche Versorgung in Salzburg flächendeckend gewährleistet LAbg. Theresia Neuhofer, Anton Holzer (Landesrettungskommandant), LH-Stv. Christian Stöckl und Bgm. Adi Rieger./Land Salzburg/Manuel Gruber Beratungen über die Notärztliche Versorgung in Salzburg. Im Bild: LAbg. Theresia Neuhofer, Anton Holzer (Landesrettungskommandant), LH-Stv. Christian Stöckl und Bgm. Adi Rieger./Land Salzburg/Manuel Gruber ©

Drei konkrete Varianten in Straßwalchen geprüft

“In den vergangenen Wochen wurde in der Öffentlichkeit auch immer wieder die notärztliche Versorgung im Raum Straßwalchen thematisiert. Die Argumente lagen auf der Entfernung dieser Region zur Stadt Salzburg und der stark frequentierten Wiener Bundesstraße B1. Wir haben die Wünsche sehr ernst genommen und in mehreren Gesprächen verschiedene Varianten für eine mögliche Verbesserung der notärztlichen Versorgung im Raum Straßwalchen sowie in den Grenzgebieten zu Oberösterreich überlegt und erarbeitet. Dabei waren das Land Salzburg, die Landtagsabgeordnete Theresia Neuhofer, das Land Oberösterreich, das Rote Kreuz, Ärztinnen und Ärzte sowie Bürgermeister der betroffenen Gemeinden eingebunden. Aktuell werden drei konkrete Varianten geprüft. Eines ist uns aber allen klar: Die Möglichkeiten zur Verbesserung der notfallmedizinischen Erstversorgung stehen und fallen mit einer ausreichenden Anzahl an Ärztinnen und Ärzten, die sich daran beteiligen”, so Stöckl.

1) First-Responder-System

“Im Moment haben sich leider noch nicht genügend Ärztinnen und Ärzte für eine notfallmedizinische Erstversorgung gemeldet. Alle Beteiligten sind aber in intensiven Gesprächen, und sobald sich eine ausreichende Zahl von Ärztinnen und Ärzten gemeldet hat, kann auch im Raum Straßwalchen die notärztliche Versorgung durch ein First-Responder-System aufgerüstet werden. Dass das eine Verbesserung mit sich bringt und funktioniert, zeigt das Modell Saalachtal, wo wir ebenfalls auf First-Responder-Ärzte setzen. Im Saalachtal übernimmt ein Pool an niedergelassenen praktischen Ärzten diese ärztliche First-Responder-Tätigkeit. Wird ein Notfall aus der Region gemeldet, rückt der Bereitschaftsdienst habende Mediziner als mobiler Ersthelfer aus”, erläuterte Stöckl.

2) Bereitschaftsdienst durch Mediziner aus benachbarten Regionen

Vorstellbar ist auch ein Mixmodell aus dem Saalachtaler Modell und zusätzlichen Honorarärzten aus anderen Regionen des Landes oder aus dem benachbarten Oberösterreich, die ihren Dienst an der Rot-Kreuz-Dienststelle Straßwalchen versehen sollen. “In diesem Fall wäre das Rote Kreuz Salzburg bereit, am Rot-Kreuz-Stützpunkt in Straßwalchen ein entsprechendes Dienstzimmer zur Verfügung zu stellen. Am Rot-Kreuz-Stützpunkt in Straßwalchen ist es durchaus möglich, ein Dienstzimmer zu integrieren. Das heißt, wenn sich vor Ort nicht genügend niedergelassene Ärztinnen oder Ärzte finden, die sich an der notfallmedizinischen Erstversorgung beteiligen, können auch Ärztinnen und Ärzte aus anderen Regionen des Landes oder aus dem benachbarten Oberösterreich Bereitschaftsdienst im Flachgau versehen. Und für diesen Fall würden wir ein Zimmer bereitstellen”, so Landesrettungskommandant Anton Holzer.

3) Notärztlichen Versorgung durch Notfallsanitäter

Die Möglichkeit einer Verbesserung der notärztlichen Versorgung durch Notfallsanitäter kann sich der Neumarkter Bürgermeister Adi Rieger vorstellen: “Zuerst muss einmal gesagt werden, dass unsere niedergelassenen Ärzte und das Rote Kreuz jeden Tag hervorragende Arbeit leisten. Laut Aussage unserer niedergelassenen Ärzte und dem Roten Kreuz besteht für unsere Gemeinden in Salzburg kein akuter Handlungsbedarf im Hinblick auf die qualitative und quantitative ärztliche Versorgung. Durch die Neuorganisation des Bereitschaftsdienstes geht es uns Bürgermeister jedoch darum, die notärztliche Versorgung insbesondere in der Nacht zu optimieren. Und aufgrund der Unterversorgung der angrenzenden Regionen in Oberösterreich haben sich die betroffenen Bürgermeister beider Bundesländer für die Errichtung eines Notarztstützpunktes im Neubau der Rot-Kreuz-Dienststelle Straßwalchen ausgesprochen – natürlich auch zum Vorteil der Gemeinden auf Salzburger Seite. Eine Umsetzung dieses Wunsches kann und soll jedoch nur im Einvernehmen beider Länder erfolgen. Um die notärztliche Versorgung im Raum Straßwalchen zu optimieren, schlage ich in einem ersten Schritt und als zusätzliche Maßnahme vor, Notfallsanitäter rund um die Uhr neben den ehrenamtlichen Rettungssanitätern einzusetzen. Die Ausbildung zum Notfallsanitäter erfolgt aufbauend zur Ausbildung zum Rettungssanitäter. Die Ausbildung zum Notfallsanitäter ist wesentlich intensiver und aufwendiger. Vor allem in Notfallsituationen kommt es auf die schnelle und erfahrene Hilfe an. Das spricht für den Einsatz zusätzlicher Notfallsanitäter. Und oft sind die Sanitäter vor dem Notarzt vor Ort.”

Für die Straßwalchener Landtagsabgeordnete Theresia Neuhofer hat die Problematik der notärztlichen Versorgung mit der im Herbst 2015 in Kraft getretenen Neuorganisation des Bereitschaftsdienstes begonnen. “Das neue System ist nicht auf alle Regionen des Landes gleich anwendbar und hat besonders die abgelegenen Regionen des Landes vor Probleme gestellt. Dazu zählt aus meiner Sicht und bezogen darauf, dass die notärztliche Versorgung von der Landeshauptstadt aus erfolgt, auch der Raum Straßwalchen. Aufgrund dieser Entfernung gibt es in Teilen der Bevölkerung in der Nacht wegen der Tatsache, dass der Rettungshubschrauber nicht fliegen kann, ein Unsicherheitsgefühl – obwohl die notärztliche Versorgung in der Praxis funktioniert und abgesichert ist. Als Abgeordnete aus der betroffenen Region möchte ich klar festhalten, dass ein System nicht von heute auf morgen auf neue Beine gestellt werden kann. Dafür sind viele Gespräche und Verhandlungen notwendig, und es sind die verschiedenen Möglichkeiten und deren Umsetzbarkeit zu prüfen. Dabei bringe ich mich auch persönlich ein und stehe diesbezüglich laufend in Kontakt mit den Bürgermeistern der Region. Besondere Situationen brauchen besondere Lösungen. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch im Raum Straßwalchen Verbesserungen in der notfallmedizinischen Versorgung während der Nachtstunden erreichen können. Die größte Herausforderung dabei wird es aber zweifelsohne sein, die notwendige Anzahl an Ärztinnen und Ärzten, die sich daran beteiligen, zu finden”, so Neuhofer.

In den kommenden Wochen werden die verschiedenen Varianten dezidiert für den Raum Straßwalchen auf ihre Umsetzbarkeit geprüft.

SPÖ kritisiert Stöckl für First-Responder-System

Der SPÖ-Chef wundert sich auch über die Aussage Stöckls, es hätten sich noch nicht genügend Ärzte gemeldet und man könne erst mit einem First-Responder-System im Raum Straßwalchen starten, wenn eine ausreichende Zahl vorhanden ist.

„Wenn sich noch immer nicht genug Mediziner gemeldet haben, wird das Angebot seitens des für die Notfallversorgung zuständigen Landes wohl nicht besonders gut gewesen sein. Der Finanzreferent wird wohl mehr Geld für die medizinische Versorgung der Bevölkerung in die Hände nehmen müssen“, teilte Landes-SPÖ-Chef Walter Steidl in einer Aussendung mit. „Viele der heute präsentierten Schritte hätte Gesundheitslandesrat Stöckl längst in Angriff nehmen und umsetzen können. Christian Stöckl soll nicht auf Zeit spielen, sondern seinen Verpflichtungen gegenüber der Bevölkerung in den peripheren Regionen nachkommen“, forderte Walter Steidl.

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