Matthias Walkner im Sonntags-Talk: “Das Langeweile-Standard-Leben ist nicht meins”

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Motocross-Hero Matthias Walkner im Sonntags-Talk.
Motocross-Hero Matthias Walkner im Sonntags-Talk. - © ASSOCIATED PRESS/APA/Gindl/SALZBURG24/Andonov
Salzburgs Dakar-Hero Matthias Walkner schrieb beim härtesten Langstrecken-Rallye mit dem zweiten Platz österreichische Sportgeschichte. SALZBURG24 hat den Kuchler Extremsportler zum Sonntags-Talk getroffen und mit ihm über seine Anfänge, die emotionalsten Momente und seinem Auto-Husarenritt im zarten Alter von 13 Jahren gesprochen.




Hinter KTM-Teamkollege Sam Sunderland beendete der Ausnahmesportler aus Salzburg das Marathon-Rennen über 9.000 Kilometer auf Platz zwei und schaffte damit als erster Österreicher den Sprung auf das Podest.

SALZBURG24: Nach dem Motocross-MX3-Titel (2012) und Cross-Country-Rallye-Weltmeistertitel (2015) folgte nun der zweite Platz bei der Rallye Dakar. Schildere uns bitte einmal deine emotionalsten Momente nach diesem geschichtsträchtigen Erfolg.

MATTHIAS WALKNER: Der MX3-Weltmeistertitel in Teutschenthal war schon geil, aber nichts kommt an das Gefühl bei der Zieleinfahrt in La Paz heran. Ich hatte ein gutes Gefühl und habe gewusst, dass es für das Stockerl reichen wird. Auf einer Länge von 37,5 Kilometer waren eine halbe Million Fans auf der Straße. Ein unbeschreibliches Erlebnis, wie die Einheimischen ihre Begeisterung für das größte Motorsport-Event zelebrieren.

Das Roadbook von der Rallye Dakar 2017 bekommt bei Matthias Walkner einen besonderen Platz. /SALZBURG24/Andonov Das Roadbook von der Rallye Dakar 2017 bekommt bei Matthias Walkner einen besonderen Platz. /SALZBURG24/Andonov ©

Was bedeutet der zweite Platz für dich? Wo würdest du ihn einreihen?

Das ist ein gewaltig cooles Ergebnis, wenn man betrachtet, dass ich in den vergangenen zwei Jahren nicht die Ziellinie queren konnte. Nach der schweren Verletzung im Vorjahr und einem halben Jahr Reha ist es schon lässig ein solches Comeback feiern zu können.

Bist du nach deinen ganzen Medienauftritten überhaupt schon zum Feiern gekommen?

Bisher war ich mit Freunden nur in der Gaissau auf zwei Bier. Aber bis Mitte Februar habe ich jetzt ja Zeit um meine Festplatte zu formatieren.

Was sagt deine Freundin dazu, dass jedes Jahr durchschnittlich 1,6 Personen bei der Rallye Dakar ums Leben kommen?

Natürlich ist es ein bisschen was anderes als Golf oder Fußball zu spielen. Ihr ist es nur wichtig, dass ich schlussendlich wieder gesund und heil nach Hause komme. Von den 1,6 Verunglückten sind 0,6 Zuseher und 0,5 Fahrer, die sich überschätzt haben, dehydrieren bzw. an einem Hitzekollaps oder Herzinfarkt ums Leben kommen. Die restlichen 0,5 sind dann die klassischen Rennunfälle. Es gab auch heuer wieder Schrecksekunden. Ich bin mehrmals fast in einen Esel oder ein Lama gekracht.

Nach außen hin wirkst du relativ kühl und gelassen. Was müsste passieren, damit du Tränen vergießt?

Tränen sind bei der Überquerung der Ziellinie heuer schon geflossen, aber ich bin eher der Typ, der Emotionen nicht so nach außen zeigen will.

Wann hast du Blut am Motorsport geleckt? Wie waren deinen Anfänge?

Mein Papa hat mich 13 Jahren mal nach Schwanenstadt auf eine Teststrecke mitgenommen, da habe ich meinem entfernten Verwandten Rupert Walkner zugesehen. Seitdem habe ich ihm keine Ruhe mehr gelassen. Papa hat mir dann – ich war in dem Glauben es sei ausgeliehen – ein Motorrad gekauft. Meine Mama wusste die ersten drei Wochen nichts davon, wir haben uns immer versteckt und sind gemeinsam gefahren – seitdem hat mich das Motorrad-Fieber gepackt und nicht mehr losgelassen.

Zu Beginn warst du Testfahrer bei KTM. Wie bist du in das Werksteam gekommen?

Das hat lange gedauert. Seit 2004 bin ich nun Testfahrer und seit 2015 offiziell im Werksteam.

Du benötigst um die vier Motorräder pro Saison. Bei KTM hast du den Status “Verschleiß-König” inne. Bist du quasi der letzte Härtetest für die in Serie gehenden Zweiräder?

(lacht) Die Motorräder sind beim Testen schon sehr seriennahe. Wenn sie jedoch unter den härtesten Bedingungen bei mir halten, dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Deine Schwester Eva ist als Freeriderin sehr erfolgreich. Gibt es eine familiäre Vorbelastung für Extremsport?

Das, was die Eva macht, würde ich schon als Extremsport bezeichnen. Rallye fahren hingegen nicht – wobei es dann halt darauf ankommt, mit wem man sich darüber unterhält. Sicher ist es gefährlich mit durchschnittlich 130 km/h durch die Wüste an Eseln, Bäumen und sonstigen Hindernissen vorbeizujagen. Für mich ist es aber ein ganz normaler Sport.

Welche Personen sind für deinen Erfolg im Hintergrund verantwortlich?

In den Anfangsjahren natürlich die Familie, wobei mein großer Bruder erheblichen Anteil an meiner Karriere hatte. In diesem Atemzug muss ich auch meinen Mentor und Gönner Wolfgang Hillinger erwähnen. Er hat mir ein Team samt Campingbus zur Verfügung gestellt und ist mit uns quer durch das Land mitgefahren. 

Welchen Anteil am Erfolg hat die X-Bowl Arena als Motocross-Trainingsstrecke?

Die X-Bowl Arena trägt sicherlich ihr Puzzlestück zum Ganzen bei. Ich bin extrem froh, dass es hier in Salzburg so eine super Trainingsmöglichkeit gibt. Die Strecke wird extrem professionell betrieben und geleitet.

Wer waren/sind deine Idole, die dich zu solchen Leistungen angetrieben haben?

Früher bewunderte ich Michael Schuhmacher und Hermann Maier – nicht wegen ihres Charakters, sondern aufgrund der erbrachten Leistungen. Heutzutage imponiert mich, welche überirdischen Leistungen Marcel Hirscher über Jahre an den Tag legen kann.

Spielst du mit dem Gedanken beim Erzbergrodeo teilzunehmen?

Dafür habe ich keine Zeit. Wenn ich teilnehme, dann will ich mich auch professionell darauf vorbereiten. Jedoch will ich heuer beim Iron Road Prolog mit dem Rallye-Motorrad hochdüsen. Da es sehr nahe am richtigen Rallye ist, würde es als Trainingsfahrt und zu Testzwecken Sinn machen.

Welche persönlichen Ziele verfolgst du noch?

Ich will weiterhin Spaß haben und gesund bleiben. Ein weiterer Podestplatz bei der Dakar wäre schon extrem geil.

…und der Titel?

Natürlich will ich sie gewinnen, aber das wollen 160 andere auch – es ist eben kein Wunschkonzert. Aber ja, dafür trainiere ich!

Dein Freundeskreis beschriebt dich als extrem, wahnsinnig und ehrgeizig. Was genau ist da dran?

Ehrgeizig und extrem treffen schon zu, aber als wahnsinnig würde ich mich jetzt nicht bezeichnen.

Man hört, dass du mit 13 Jahren bereits mit dem Auto zum McDonald’s gefahren bist, reizt dich der schmale Grad zum “Verbotenen”?

Ok, das war schon wahnsinnig (lacht). Das Langweile-Standard-Leben ist halt nicht so meins. Aber es ist nicht der Reiz am “Verbotenen”, der dies ausmacht.

Wie kommst du zur Ruhe? Was machst du in der Freizeit?

Ich bin gerne in den Bergen unterwegs. Im Winter findet man mich vorwiegend bei einer Skitour am Wieserhörndl in der Gaissau. Im Sommer fahre ich oft mit dem Rad auf den Gaisberg oder besteige den Untersberg – das gibt mir enorm viel Kraft. Einen richtigen Urlaub benötige ich nicht, bin eh das ganze Jahr mit dem Koffer unterwegs.

Was schätzt du besonders an deiner Heimat Salzburg?

Wenn man soviel herumkommt , weiß mann die kleinen Dinge erst richtig zu schätzen. Sei es “nur” aus der Wasserleitung oder aus dem Bach zu trinken. Außerdem finde ich die Seen und wie bereits erwähnt die Berge richtig geil.

Wie steht es um die Salzburger Sportförderung in deiner Sportart? Wo hast du Unterstützung erhalten, wo siehst du Verbesserungsbedarf?

Ich habe bislang keine erhalten. Soweit ich weiß, gibt es keine und das finde ich extrem schade, dass in unserem Land so wenig Anerkennung für den Sport vorhanden ist. Viele sehen nur die schlechten Aspekte wie beispielsweise den Lärm. Ein Beispiel ist die X-Bowl Arena: Mitten im Nirgendwo gab es nur Hindernisse, anstatt unterstützend mitzuhelfen.

Arbeitest du neben dem Rennfahren schon an deinem zweiten Standbein?

Nein, gar nicht. Zur Zeit bin ich sehr glücklich mit dem was ich mache. Bei KTM in der Rallye-Abteilung, Entwicklung oder als Trainer in der Jugendabteilung könnte ich es mir aber schon vorstellen.

Wie sehen deine Zukunftspläne aus? Wo siehst du dich in fünf bis zehn Jahren Jahren?

Irgendwo auf einer Rennstrecke oder daheim in Kuchl in meinem Eigenheim am Pool und mit meinem Traumauto Corvette C7 Z06 vor der Haustüre.

Lieber Hiasi, alles Gute für deine Zukunft! Vielen Dank für das Interview. Zum Abschluss noch ein flottes Entweder-Oder:

Bierzelt oder Discoparty? Ganz klar Bierzelt.

Imbiss oder Fünf-Sterne-Lokal? Fünf-Sterne-Lokal.

Lederhose oder Anzug? Definitiv Lederhose.

Spontan oder durchgeplant? Eher spontan.

Frühaufsteher oder Langschläfer? Meine neun Stunden Schlaf brauche ich schon, bin aber immer vor 8 Uhr wach.

Rock oder Schlagermusik? Rock.

Bar oder mit Karte? (überlegt) Lieber Bar.

Buch oder E-Book? Keines von beiden (lacht).

Strand oder Berg? Schwierig. Aber ich tendiere zu den Bergen.

Fahrrad oder Auto? Ich bin ein Autofanatiker, aber von A nach B fahre ich Kurzstrecken mit dem Rad.

Bier oder Wein? Bier.

Blond oder brünett? Blond.

Sonntags-Talk auf SALZBURG24

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an nicole.schuchter@salzburg24.at.

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