Medizinisches Marihuana: Cannabis Social Club Salzburg klagt Kriminalisierung an

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Der Cannabis Social Club baut rein für medizinische Zwecke an.
Der Cannabis Social Club baut rein für medizinische Zwecke an. - © CSCS
Der Staat lasse schwer kranke Menschen im Stich, klagt der Cannabis Social Club Salzburg (CSCS) die Kriminalisierung des Marihuana-Anbaus für medizinische Zwecke massiv an. Diese Patienten mit Cannabisprodukten zu versorgen, werde immer noch als Verbrechen geahndet. Eineinhalb Jahre nach Gründung des Vereins habe der CSCS noch keine Reaktion auf ein behördliches Ansuchen erhalten.




Erst Ende November habe die Polizei im Garten eines eingetragenen Clubmitglieds eine Hausdurchsuchung durchgeführt und dabei sämtliche Cannabispflanzen samt Stiel, Blatt- sowie Wurzelabfällen konfisziert, berichtet Mario Danne, stellvertretender Obmann des Cannabis Social Clubs Salzburg gegenüber SALZBURG24. Er klagt dieses Vorgehen der Exekutive massiv an. „Ein Teil dieser Ernte sollte schnell einem schwer kranken Patienten mit Krebs im Endstadium zur Verfügung gestellt werden, welchem die Ärzte noch sechs Monate zu leben geben. Der Staat lässt diese Menschen im Stich, wir nicht“, empört sich Danne. „Wir haben nicht mehr lange zu leben, jetzt wehren wir uns!“, zeigt er sich im Namen des Vereins kämpferisch.

Cannabis Social Club im März 2014 in Salzburg gegründet

Bereits im März 2014 wurde dieser in Salzburg gegründet. Der CSCS ist dem Dachverband der Cannabis Social Clubs in Österreich angeschlossen. Der Großteil der vom Verein gezüchteten Pflanzen sei ausschließlich für die Trocknung bestimmt, um daraus medizinische Produkte herzustellen, berichtet Danne. Dabei handle es sich um Hanfbutter, Cannabis-Öl, Cannabis-Cookies und Cannabis-Kekse. Der kleinere Anteil werde zu Tees und Tinkturen verarbeitet. Jeder Patient brauche dabei seine eigene Dosierung und Art der Anwendung.

Aus den Pflanzen werden medizinische Produkte hergestellt./CSCS Aus den Pflanzen werden medizinische Produkte hergestellt./CSCS ©

Vielseitige medizinische Wirkung von Cannabis

CSCS-Obmann Willi Wallner weist ausdrücklich darauf hin, dass der gemeinnützige Verein ausnahmslos Cannabis-Patienten sowie Menschen in medizinischem Notstand unterstützt. Dabei handle es sich um Asthmatiker, Schmerz-, Rheuma- und Schlaganfall-Patienten sowie Menschen mit Nervenleiden. Wie Wallner von vielen Vereinsmitgliedern bestätigt wird, sei die medizinische Wirkung von Cannabis äußerst vielseitig. Von Schmerzlinderung über Besserung bei Entzündungen sowie Abhilfe bei Schlafstörungen ist hier unter anderem die Rede. Beide Obmänner berichten, dass mittlerweile viele Ärzte und Therapeuten ihre Patienten zu den Clubs – es gibt mittlerweile vier in Österreich – schicken würden, obwohl sich diese Art der Behandlung immer noch im illegalen Bereich befindet.

Der Verein habe für den Anbau von Cannabispflanzen und die Cannabis-Blütenbearbeitung bei mehreren staatlichen Behörden um eine Genehmigung angesucht. „Die Anträge auf Ausnahmegenehmigungen werden von zuständigen Ämtern nicht beantwortet oder ignoriert“, klagt Danne weiter an.

Legalisierung bald auch in Österreich Thema?

Die Zeiten, medizinisches Cannabis als illegal und kriminell zu brandmarken, seien längst vorbei, ist Danne überzeugt. Cannabismedizin sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Auch von Seiten der Politik ist derzeit ein Umschwung spürbar. In Österreich deuten viele Zeichen auf ein Umdenken hin. Mit der Strafrechtsreform, die ab 1. Jänner 2016 in Kraft tritt, führt der Kauf und Besitz von Kleinstmengen nicht mehr automatisch zur Strafanzeige. Auf internationaler Ebene ist man hier schon einen Schritt weiter. Anfang Dezember kündigte beispielsweise der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau die vollständige Legalisierung an, das Parlament in Mexiko berät derzeit über ein Gesetz, mit dem die Einfuhr und die Nutzung von Marihuana zu medizinischen Zwecken erlaubt werden soll.

Der Cannabis Social Club Salzburg sei aber bei der momentanen gesetzlichen Lage in Österreich an seinen Grenzen angelangt. Aufgeben und “in den Untergrund abtauchen”, wolle man aber nicht, so Danne abschließend.

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