Mehr Unfälle bei Tempo 80 an gewissen “Hotspots”

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Die Unfallzahlen haben sich im Bereich des IG-L 80ers erhöht (Archivbild).
Die Unfallzahlen haben sich im Bereich des IG-L 80ers erhöht (Archivbild). - © FMT-Pictures/MW
Seit Einführung des zeitweisen 80ers auf der Salzburger Stadtautobahn am 4. März 2015 wird die Umweltschutzmaßnahme heiß diskutiert. Immer wieder wurde auch darauf hingewiesen, dass sich das Unfallrisiko dadurch erhöhe. Das Land Salzburg veröffentlichte am Dienstag die Unfallzahlen für das Jahr 2017. Diese bestätigen, dass an bestimmten Stellen mehr Unfälle bei Tempo 80 passieren, als bei Tempo 100.

Im Bereich des flexiblen 80er haben sich bis Ende 2017 139 Unfälle mit Verletzten ereignet. 26 davon fanden im Tunnelbereich statt, in dem permanent nur 80 km/h erlaubt sind. Von den restlichen 113 Unfällen fanden 70 bei Tempo 80 statt, 43 bei Tempo 100. “Das Gefühl in der Bevölkerung ist objektiviert durch die Zahlen: Es ist evident, dass es zu mehr Unfällen kommt. Wir haben aber keine eindeutige Unfallhäufungsstelle”, erklärt Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) gegenüber S24.

Risiko bei Tempo 80 höher

Das Risiko bei Tempo 80 war daher umgerechnet auf das Verkehrsaufkommen höher, wobei dies insbesondere auf einige wenige “Hotspots” zurückgeführt werden kann. Das ergab eine von der Landesstatistik durchgeführte Auswertung der Unfallzahlen von der Statistik Austria, berichtet das Land Salzburg in einer Aussendung.

Ein schwerer Unfall pro Woche

Tempo 80 war insgesamt zu 44,8 Prozent der Zeit aktiv, zwischen 6 und 12 Uhr sowie zwischen 17 und 21 Uhr deutlich häufiger als Tempo 100. Bei den Unfällen handelte es sich meistens um Auffahrunfälle, teilweise krachte es auch beim Wechseln der Fahrstreifen. Gemessen am Verkehrsaufkommen ist es in den vergangenen beiden Jahren – wie auch 2012 – umgerechnet zu etwa einem schweren Unfall pro Woche gekommen. In den vergangenen fünf Jahren stieg der Anteil an beteiligten Schwerfahrzeugen von einem Fünftel auf ein Drittel.

Hotspot Knoten Salzburg

In Fahrtrichtung Wien passierten 13 der 31 Unfälle bei Tempo 80 auf den ersten 700 Metern bei der Zusammenführung von A1 Westautobahn und A10 Tauernautobahn, um zehn mehr als bei Tempo 100. In diesem Bereich geschahen zumeist Unfälle durch Fahrstreifenwechsel aufgrund des Hotspots Knoten Salzburg. Bei acht der 13 Unfälle waren Schwerfahrzeuge beteiligt. Auf der restlichen Strecke wurden hingegen großteils Auffahrunfälle registriert. In Richtung Deutschland treten Unfälle verstärkt beim Knoten und nach der Auffahrt Nord bis vor der Abfahrt Mitte auf. Das Muster der Unfallart ist dabei gleich wie in der Gegenrichtung.

Schnöll fordert Maßnahmen von Asfinag

Schnöll sieht Handlungsbedarf insbesondere dadurch, dass die Unfälle mit Schwerverkehrsbeteiligung durch Tempo 80 zugenommen haben. “Für die Sicherheit der Autofahrer müssen nun geeignete Maßnahmen getroffen werden. Wir werden das Verkehrsministerium ersuchen, sich zu überlegen, was man mit Markierungen und Überkopfwegweisern noch für die Sicherheit tun kann”, erklärt Schnöll. Es kann natürlich auch zu einer Differenzgeschwindigkeit zwischen Lkw und Pkw kommen, dass sei aber keinesfalls fix und das wolle man auch nicht: “Mit einem 60er für Lkw hätte der Umweltlandesrat (Heinrich Schellhorn, Anm.) keine Freude, da der Ausstoß höher wäre als bei 80.” Schnöll ist zuversichtlich, dass man eine Lösung finden werde, die der Umwelt und der Verkehrssicherheit dient

“Luft-80er” bleibt weiterhin

Am flexiblen Luft-80er auf der Salzburger Stadtautobahn führt derzeit kein Weg vorbei. Die ÖVP hatte kurz vor der Landtagswahl im April angekündigt, das von Autofahrern ungeliebte Tempolimit noch einmal evaluieren zu wollen. Am Dienstag legte Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP) aktuelle Unfallzahlen vor. Ein Aus für die umstrittene Regelung ist aber aus Luftschutzgründen vorerst vom Tisch.

“Wir sind nach derzeitigem Stand an das flexibles Tempo-80-Limit gebunden”, sagte Schnöll zur APA. “Die Grenzwerte für Luftschadstoffe werden überschritten. Das erfordert Maßnahmen, sonst drohen ein Vertragsverletzungsverfahren der EU und Strafzahlungen.” Die Geschwindigkeitsbegrenzung werde dennoch laufend begutachtet und bewertet werden. “Weil sich durch neue Technologien die Luftwerte verbessern können.”

Belastung um fünf bis sechs Prozent gesunken

Wie das Büro des zuständigen Umweltlandesrats Heinrich Schellhorn (Grüne) sagte, konnte laut dem aktuellen Luftgütebericht durch das flexible Tempolimit die Belastung durch Stickstoffdioxid (NO2) um fünf bis sechs Prozent reduziert werden. 2017 lag die Belastung auf der Stadtautobahn bei 45,5 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter, vor dem Luft-80er waren es noch 50,8 Mikrogramm gewesen. Der EU-Grenzwert für die Stickstoffdioxidkonzentration in der Außenluft liegt bei 40 Mikrogramm.

Unfalldaten aus 2017 Grundlage für Auswertung

Grundlage der Auswertung sind die Unfalldaten des Jahres 2017 der Statistik Austria. Die Landesstatistik Salzburg hat darauf aufbauend die Verkehrsunfälle für den Autobahnabschnitt der A1 von Kilometer 297,710 bis 285,814 (Richtung Wien) beziehungsweise 287,034 bis 297,710 (Richtung München und Villach) analysiert.

(SALZBURG24/APA)

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