“Meinzuhaus”: Eigene vier Wände für wohnungslose Salzburger in Riedenburg

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Die beiden Sozialarbeiter Isabella Gugg (rechts im Bild) und Robert Buggler (ehemaliger Sprecher der Salzburger Armutskonferenz) kümmern sich um die Bewohner.
Die beiden Sozialarbeiter Isabella Gugg (rechts im Bild) und Robert Buggler (ehemaliger Sprecher der Salzburger Armutskonferenz) kümmern sich um die Bewohner. - © SALZBURG24/Schuchter
Rund 1.400 Menschen in der Stadt Salzburg sind so arm, dass sie sich keine eigene Wohnung leisten können. Die Frauen und Männer leben oft unter teils menschenunwürdigen Umständen, sind nicht selten allein, krank und ohne Arbeit. Und genau diese Menschen sollen künftig in der Wohnanlage „Meinzuhaus“, die derzeit im Nobel-Stadtteil Riedenburg entsteht, ihre eigenen vier Wände bekommen. Wir haben uns das Projekt genauer angesehen.




Sie sind obdachlos, wohnen in prekären und unzumutbaren Verhältnissen, in Pensionszimmern oder werden mehr oder weniger von Verwandten oder Bekannten geduldet – Salzburgs Wohnungslose. Geht man nach den jüngsten Zahlen von 2017 haben rund 1.400 Erwachsene in der Landeshauptstadt kein eigenes Dach über dem Kopf, 300 davon leben sogar auf der Straße.

Für 55 Betroffene soll sich das jetzt ändern. „Meinzuhaus“ in der Hübnergasse 8 im Stadtteil Riedenburg öffnet im Oktober seine Pforten und ermöglicht jedem Bewohner seine eigenen vier Wände. Die 21 Quadratmeter großen Garçonnièren sind mit Küche, Küchenausrüstung, Fernseher und Bettwäsche voll ausgestattet und kosten brutto rund 335 Euro im Monat – eine Miete, die deutlich unter dem Marktpreis in der Stadt Salzburg liegt.

Bereits 150 Anmeldung

Dementsprechend groß ist der Andrang. Von den 1.400 Wohnungslosen kämen rund 1.000 potentiell in Frage. 150 Anmeldungen gibt es bereits, Tendenz steigend. Wer einziehen darf, das entscheidet Robert Buggler, ehemaliger Sprecher der Salzburger Armutskonferenz, gemeinsam mit seiner Kollegin Isabella Gugg. Beide werden ab Oktober auch stundenweise Betreuungsaufgaben in der Einrichtung übernehmen und erste Ansprechpartner für die Bewohner sein.

„Ab Donnerstag nehmen wir unsere Gespräche mit den Einrichtungen und den Menschen auf, die hier einziehen wollen“, so Buggler im Interview mit SALZBURG24. Anmelden können sich bedürftige Menschen über eine soziale Einrichtung wie beispielsweise dem Verein Neustart, der Caritas Salzburg oder dem Frauenhaus. Insgesamt besteht das vermittelnde Netzwerk aus zwölf verschiedenen Einrichtungen.

Wer darf einziehen?

Die richtige Mischung spiele bei der Auswahl der Bewohner eine entscheidende Rolle, sind sich Buggler und Gugg einig. „Die Leute, die einziehen, müssen sich selbstständig orientieren können und wohnfähig sein, denn es ist ein Wohnhaus und keine Pflege- oder Betreuungseinrichtung“, sagt Buggler. Zudem müssen die Bewohner Anspruch auf Mindestsicherung haben. Das heißt, Asylwerber oder Notreisende werden in „Meinzuhause“ nicht aufgenommen.

Ganz besonderen Bedarf hätten Frauen, weshalb der obere Bereich mit insgesamt zehn Einheiten nur für Frauen zugänglich sein wird. „Uns ist es wichtig, so auch gewaltbetroffenen Frauen einen Schutzraum bieten zu können“, sagt Buggler. Außerdem bestehe die Möglichkeit, Wohneinheiten zusammenzulegen, wenn beispielsweise eine Frau mit Kind einziehen möchte.

Lokalaugenschein am Dienstag in der Hübnergasse laufen./SALZBURG24/Schuchter Lokalaugenschein am Dienstagvormittag in der Hübnergasse./SALZBURG24/Schuchter ©

Wohnen auf Zeit

„Meinzuhaus“ bietet aber keine dauerhafte Wohnmöglichkeit, sondern ist ein Wohnen auf Zeit und an klare Regeln gekoppelt. „Zunächst sollen die Menschen hier einfach einmal ankommen und durchatmen können, aber sie müssen schon auch etwas dafür tun“. Neben der Einhaltung der Hausordnung wird etwa auch vorausgesetzt, dass Psychotherapien, Existenzsicherungsmaßnahmen, Sozialberatungen, usw. fortgesetzt werden. „Und es ist auch wichtig, dass sich die Leute um eine Nachfolgewohnung bemühen“. Denn nach spätestens drei Jahren sollen die Bewohner wieder in ein geregeltes, „normales“ Leben mit eigener Wohnung zurückkehren. Die freien Wohnungen werden dann an andere bedürftige Salzburger vergeben.

Buggler und Gugg sind also nicht nur für die Betreuung der Bewohner in ganz alltäglichen Fragen oder der Vermittlung von Geborgenheit zuständig, sondern tragen auch dafür Sorge, dass die Menschen aktiv an ihrer persönlichen Weiterentwicklung arbeiten. „Die persönlichen Schicksale sind oft ein großes Thema in der sozialen Arbeit. Man muss sich gut abgrenzen und man darf nicht erwarten, dass die Menschen, für die man hier eintritt, immer nur dankbar sind“, so Buggler. Egal ob Frust, Aggression oder Dankbarkeit – „mit all dem muss man professionell umgehen“. Beschäftigen werden sich die beiden neben den Bewohnern auch mit den Nachbarn. „Wir hoffen auf ein wirklich gutes Einvernehmen.“ Alle Fragen und mögliche Unsicherheiten zum Wohnhaus will man in persönlichen Gesprächen und mit einer Führung durch das Haus aus dem Weg räumen.

So wird „Meinzuhaus“ finanziert

Etwas mehr als 2, 7 Millionen Euro wird der Bau des Wohnhauses in der Hübnergasse bei Fertigstellung gekostet haben. Der Großteil des Betrages, nämlich rund 1,3 Millionen Euro, übernimmt die Salzburger Wohnbauförderung. 15 Prozent des Betrages kommen von Spenden wie etwa dem Rotary- und Lions Club und von Salzburger Firmen. Stadt und Land Salzburg unterstützen mit je 50.000 Euro. Der Rest wird aus Mitteln eines Sponsordarlehens der Salzburger Sparkasse finanziert, die übrigens mit der „Zweiten Sparkasse“ im Erdgeschoss des Hauses einziehen wird, um den Bewohnern eine Bankverbindung zu ermöglichen.

„Meinzuhaus“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Barmherzigen Schwestern (Grundeigentümer), von Heimat Österreich (Bauträger und Gebäudeeigentümer), dem Salzburger Studentenwerk (Generalmieter, Verwaltung und technische Betreuung) und der Caritas Salzburg (soziale Betreuung).

„Das Haus wird einen Beitrag dazu leisten, dass sich die Situation in Salzburg ein bisschen entspannt – und ich freue mich Teil davon zu sein“, sagt Buggler. Dennoch, die Problematik der Wohnungslosigkeit sei nicht zu unterschätzen und das Thema ist damit nicht einfach weg.

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