Melanie Eichhorn im Sonntags-Talk: „Mein Beruf ist Berufung.“

Von Bernadette Mauracher
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"Mein Beruf ist Berufung. Im Puppenspiel gehe voll und ganz auf", erzählt Melanie Eichhorn im Sonntag-Talk.
"Mein Beruf ist Berufung. Im Puppenspiel gehe voll und ganz auf", erzählt Melanie Eichhorn im Sonntag-Talk. - © SALZBURG24/Kichererbsen/Neumayr
2008 hat Melanie Eichhorn das Kichererbsen-Theater gegründet und wurde im Oktober 2016 mit einem Preis für ihre Arbeit ausgezeichnet. Sie ist gelernte Kindergärtnerin und Grafikerin und hat sich mit dem Puppenspiel einen Beruf gefunden, der auch gleichzeitig Berufung ist. Ganz nach dem Motto “Selbst ist die Frau” legt sie auch bei Texten, Puppen und Bühnenbildern selbst Hand an. In unserem Sonntags-Talk erzählt uns die Tennengauerin über ihre Leidenschaft für ihren Beruf, in dem sie endlich all das vereinen kann, was sie auf ihrem Weg gelernt hat.





SALZBURG24: Puppenspieler ist kein alltäglicher Beruf. Wie bist du dazu gekommen, dich mit einem Kasperltheater selbstständig zu machen?

Melanie Eichhorn: Ich bin auf Umwegen dazu gekommen. Eigentlich habe ich schon immer gern Theater gespielt. Durch meinen Papa, der Kinderzauberer ist, bin ich schon während der Kindergartenschule an ein paar Aufträge gekommen. Damals habe ich meine ersten Puppen gebaut und bin mit einer wackeligen Bühne aufgetreten. Mein Papa meinte damals, ich soll nach der Schule damit weitermachen. Das war aber neben 40 Stunden im Hort und in der Krabbelstube unvorstellbar. Am Wochenende wollte ich als Jugendliche dann nicht auch noch zusätzlich arbeiten. Ich habe dann in Linz die Grafikerausbildung gemacht und war bis zu meinem ersten Kind auch in diesem Bereich tätig. Jedoch hat mich weder das eine noch das andere so richtig erfüllt.

Wie ist es dann weiter gegangen?

Mein Papa hat sich in der Zwischenzeit eine Bühne bauen lassen und die nötige Technik gekauft. Er hat das Kasperltheater mit seiner Frau als Zweitschiene zur Zauberei aufgebaut. Als meine Karenz aus war musste ich mich nach einem neuen Job umschauen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mit der Grafik aufhöre, und das obwohl es nie meine Erfüllung war. Ich wollte einfach bei meinen Kindern sein. Zur Überbrückung habe ich mich mit meinem Papa und seiner Frau zusammengetan und wir haben die Kichererbsen gegründet. Wir haben ein buntes Kinderanimationsprogramm angeboten. Leider ist seine Frau krank geworden. Ich habe sie gefragt, was sie davon hält, wenn ich das Kasperltheater übernehme. Sie war heilfroh und ich war überglücklich. Ich habe gemerkt, jetzt bin ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das war 2008.

Sind die Geschäfte gut angelaufen?

Ja! Sie sind immer mehr geworden und ich hab mich und mein Spiel weiterentwickelt. Zu Beginn hab ich noch mit einer Kollegin aus der Kindergartenschule gespielt. Zwischenzeitlich waren wir ein Team von fünf Leuten. Dann kam der große Einbruch. Innerhalb eines Jahres haben vier Spielerinnen aufgehört. Jetzt habe ich eine Hauptspielerin, die das Puppenspiel auch als Beruf sieht, genau wie ich.

Was fasziniert dich an deinem Beruf?

Ich habe einfach gespürt, dass es passt. Ich spiele gerne Theater, ich kann mir meine Bühnenbilder selbst gestalten und Geschichten schreiben. Auch die Werbung mache ich selber. Es hat sich alles gut zusammengefügt, ich kann mein ganzes Wissen aus meinen erlernten Berufen einfließen lassen. Mein Beruf ist Berufung. Im Puppenspiel gehe voll und ganz auf. Auch wenn ich vor einer Vorführung schlecht gelaunt bin, gehe ich nachher gut gelaunt nach Hause. Ich will einfach werken und spielen.

Kannst du vom Kasperltheater leben? Gibt es in Salzburg Stellen, die so kleine Theater unterstützen?

Anfangs hätte ich nicht davon leben können, aber jetzt geht es. Es ist ein hart verdientes Geld. Ich beziehe keine Subventionen. Auch vom Salzburger Amateurtheaterverein gibt es keine finanzielle Unterstützung, aber sich machen Werbung für mich. Heuer hatte ich das stärkste Jahr. Im Frühjahr waren zum Teil drei bis vier Vorstellungstage pro Woche. Aber es ist nicht überall einfach. Jetzt bin ich seit fünf oder sechs Jahren in Hallein. Meine Verpächterin hört jetzt auch auf und die Mieten in den anderen Spielplätzen sind hier sehr hoch. Leider gibt hier kein Kulturhaus oder ähnliches. Kulturschaffende haben es in Hallein extrem schwer. Aber wir kämpfen und kämpfen.

Ist das Interesse von der Halleiner Bevölkerung da?

Jein. Also bei meinem Kasperl merke ich schon, dass viele Leute kommen. Bei den anderen Kulturschaffenden habe ich es leider nicht so mitbekommen, weil ich so mit meinem Kasperl und meinen Kindern beschäftigt war. Die Festwochen laufen gut und auch mein Kasperl wird gut angenommen. Im Schnitt habe ich in Hallein etwa 100 Besucher. Das habe ich mir aufgebaut. Es kommen viele Besucher aus den Umlandgemeinden. Das war wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass ich den Regionalitätspreis bekommen habe.

Du hast vor kurzem den Regionalitätspreis in der Kategorie Kunst, Kultur und Brauchtum bekommen. In welchem Bereich siehst du dein Puppenspiel am ehesten?

Ich würde das Kasperltheater beim Brauchtum ansiedeln. Das Märchentheater eher bei Kunst, es passt aber auch zum Brauchtum. Das Puppenspiel ist eine Kunstform, wie ich gerade bei der dreijährige Ausbildung für Figurentheaterspieler sehe. Ich bin sehr perfektionistisch, ich gehe zu jeder Fortbildung, die ich erwischen kann um besser zu werden. Ich finde das vor allem im Amateurtheaterbereich sehr wichtig.

Du schreibst auch die Stücke selbst, gibt es dabei etwas was du den Kindern vermitteln möchtest?

Kasperltheater besteht aus ganz viel Slapstick, es gibt ein paar ganz klassische Schmähs, die einfach dazugehören. Aber man muss das Stück immer an die eigenen Spieler und auch an das Publikum anpassen. Wenn wir merken, dass etwas nicht gut ankommt, verändern wir es. Wir feilen solange daran, bis es passt. So verändern sich die Stücke. Momentan überlegen wir den Polizisten etwas weniger lethargisch zu machen und überdenken auch die Frauenrolle. Aber insgesamt wollen wir mit den Charakteren bei den Archetypen vom klassischen Kasperltheater bleiben. Kasperl selber ist in meinen Stücken der Angstüberwinder. Die Kinder identifizieren sich doch am ehesten mit seiner Rolle. Der Kasperl übernimmt die Initiative und versucht das Problem zu lösen. Ich möchte mit meinen Stücken aber auch die Erwachsenen erwischen, darum gibt es oft eine zweite Ebene. Das ist ein Wunsch von mir.

Wie erlebst du die Kinder als Zuschauer?

Vor allem Kinder zwischen drei und sieben Jahren sind ganz gefesselt. Sie leben das Stück voll und ganz mit. Die Emotionen gehen richtig hoch. Das ist so schön und erfüllt mich auch sehr. Kinder sind ein sehr ehrliches Publikum, wenn es ihnen nicht gefällt, stehen sie auf und gehen einfach. Die Puppen sind für die Kinder quasi lebendig, sie kommen nach der Aufführung her und packen den Kasperl und schmusen ihn ab, sie sehen mich dahinter gar nicht. Für mich gibt es nichts Schöneres, als die Leute zum Lachen zu bringen.

Was hat das Kichererbsen Theater für die Zukunft geplant?

Momentan ist eine neue Bühne in Auftrag. Endlich eine Stehbühne. Bis jetzt hatte ich eine Sitzbühne und dabei haben wir schon in der Kindergartenschule (BAKIP) gelernt, dass eine Stehbühne das Um und Auf ist. Es ist wahnsinnig Anstrengend, sitzend zu spielen. Kasperltheater ist wirklich ein Knochenjob. Wir sind vier Stunden unterwegs und davon spielen wir 40 Minuten, das geht manchmal schon an die Substanz.

Eigentlich wollten wir im Herbst mit Märchentheater anfangen, das verschiebt sich aber. Wir sind ab November jeden Samstag und Sonntag am Adventmarkt in Hellbrunn. Da muss das Märchentheater etwas warten, aber es wird kommen, das ist ein großer Wunsch von mir. Eine kleine Eigenproduktion gibt es bereits. Ein Stück mit einer Bauchladenbühne, es dauert sechs Minuten. Beim Welser Figurentheaterfestival habe ich es aufgeführt und prompt ein Engagement für ein Puppentheaterfestival in Graz bekommen. Für den Herbst 2017 ist ein kleines Puppentheaterfestival in Hallein geplant.

Das ist für die nähere Zukunft geplant.

Melanie, vielen Dank für das Interview. Zum Abschluss hätte ich noch ein paar Entweder-Oder Fragen:

Stadt oder Land: Land

Krapfen oder Leberkässemmel: Leberkässemmel

Bösewicht oder Held: Bösewicht

Berge oder Strand: Berge

Lederhose oder Dirnd: Dirndl

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