Menschen werden immer dicker

Menschen werden immer dicker
Die Menschen in den Industriestaaten und in den Schwellenländern werden immer dicker. Laut dem Wiener Sportmediziner Paul Haber gibt es einen einfachen Grund dafür:

Binnen 60 Jahren hat der Grad der täglichen körperlichen Betätigung dramatisch abgenommen. “Körperliche Betätigung ist aber die einzige Variable, die dazu beiträgt, dass (mehr oder weniger, Anm.) Energie verbraucht wird”, sagte der Experte.

Energie-Grundumsatz – bei schlanken Männern eine Kilokalorie pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde, bei Frauen 0,9 kcal -, um die sechs Prozent “Arbeit” von Magen und Darm für die Verdauung und körperliche Aktivität sind die entscheidenden Parameter, wenn es um “fett” oder “schlank” geht. Wobei sich schon beim Grundumsatz – der Energiebedarf bei Ruhe – die sprichwörtliche Katze in den Schwanz beißt. Haber: “Die Formel gilt nur für schlanke Menschen. Fett ‘atmet’ nicht.” – Und verbraucht keine Kalorien, das tut nur die Muskelmasse.

Noch ein Faktum, das von vielen Menschen kaum bedacht wird, durch die altersbedingte Abnahme der Muskelmasse, fällt der Energie-Grundumsatz schon ab. Der Sportmediziner: “Der Grundumsatz nimmt ab dem 30. Lebensjahr alle zehn Jahre um drei Prozent ab.” Gleichzeitig reduziert sich auch der Grad der physischen Aktivität.

Dabei ist der Faktor der körperlichen Betätigung – die Wissenschaft spricht vom Physical Acitivity Level (PAL) – entscheidend. Der PAL ergibt sich aus dem Gesamt-Energieumsatz des Organismus durch den Grundumsatz (in Ruhe). Haber: “Der Mensch mit seinem 40- bis 45-Prozentanteil der Muskelmasse gehört eher zu den athletischen Arten. Die körperliche Aktivität von Säugetieren wird im Wesentlichen von der Nahrungsbeschaffung bestimmt. Die meisten Säugetiere benötigen dazu fünf bis sieben Stunden pro Tag. Der natürliche PAL beträgt deshalb unabhängig vom Körpergewicht der Spezies in etwa 3.” Ganz roh: Unter natürlichen Verhältnissen verbrauchen Säuger pro Tag an Gesamtenergie etwa das Dreifache ihres Grundumsatzes.

Doch das trifft auf den Menschen längst nicht mehr zu. Der Experte: “Der Neandertaler hatte einen PAL zwischen zwei und drei. Der Homo sapiens sapiens noch ohne Hilfsmittel hatte einen PAL von zwei bis zweieinhalb. Beim (heutigen, Anm.) westlichen Lebensstil sind es 1,4 bis 1,8. Körperliche Schwerarbeit it einem PAL zwischen zwei und 2,5 gibt es nicht mehr.”

Die jüngste Historie der Menschheit ist eben nicht mehr der genetischen Ausstattung von Homo sapiens sapiens entsprechend oder umgekehrt. Haber: “Das, was vor 60 Jahren an Lebensweise noch vorgeherrscht hat, war noch natürlich. Und man kann davon ausgehen, dass unser Organismus auf diese natürliche Lebensweise ausgerichtet ist.” Der Mensch funktioniert noch wie der Säuger in der Savanne Afrikas, wo er fünf bis sieben Stunden pro Tag vor allem nach pflanzlicher Nahrung suchte und womöglich nur einmal pro Monat Wild erfolgreich erlegen konnte.

Aktuelle Umfragen aus Österreich zeigen laut dem Experten ein drastisch anderes Bild: “40 Prozent der Oberösterreicher inklusive der Landbevölkerung gaben an, pro Tag Null Minuten körperlich aktiv zu sein.” “Auf den Beinen” sind die Oberösterreicher im Durchschnitt pro Tag nur 40 Minuten, so die Umfrage gemäß Haber.

Freilich, solche Selbsteinschätzungen sind erwiesenermaßen sehr ungenau. Der Sportmediziner: “Da wird der Energieumsatz durch körperliche Aktivität um bis zu 30 Prozent überschätzt und die Nahrungsaufnahme um 30 Prozent zu niedrig angegeben.”

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