Syrische Truppen setzen Vormarsch im umkämpften Aleppo fort

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Die Zerstörung Aleppos ist massiv
Die Zerstörung Aleppos ist massiv - © APA (AFP)
Vor der für Freitag angesetzten Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats zu Syrien haben die Truppen von Staatschef Bashar al-Assad ihren Vormarsch in der syrischen Stadt Aleppo fortgesetzt. Berichtet wird von vier Toten. Zugleich verlassen immer mehr Menschen den von den Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos über sogenannte humanitäre Korridore.

Russland begrüßte unterdessen die Initiative des UNO-Sondergesandten Staffan de Mistura für den Abzug jihadistischer Kämpfer aus Aleppo. Sollten die Kämpfer der bisher als Al-Nusra-Front bekannten Fatah-al-Sham-Front mitsamt ihren Waffen aus Aleppo abziehen, “wären wir bereit, diesen Ansatz zu unterstützen und die syrische Regierung aufzufordern, dies zu akzeptieren”, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow.

Kämpfen in mehreren Stadtvierteln

De Mistura hatte den Kämpfern der Fatah-al-Sham-Front am Donnerstag persönliches Geleit angeboten, sollten sie den umkämpften Osten Aleppos verlassen. Die syrische Regierung forderte er auf, in diesem Fall ihre Bombardierungen der syrischen Großstadt auszusetzen. Die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von Kämpfen in mehreren Stadtvierteln. Im südlichen Stadtteil Scheich Said nahm die Armee demnach einen Hügel ein, doch die Rebellen eroberten andere Teile des Stadtviertels zurück. Die Angaben der den Aufständischen nahe stehenden Beobachtungsstelle, die sich auf Mitarbeiter vor Ort beruft, können von unabhängiger Seite nur schwer überprüft werden.

Über eine Million Menschen betroffen

In dem von den Rebellen mit Raketen beschossenen westlichen Stadtteil Midan wurden vier Menschen getötet, wie das syrische Staatsfernsehen berichtete. Zugleich verließen demnach Menschen den von den Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos über sogenannte humanitäre Korridore. Die Zahl der Menschen im Osten Aleppos wird auf gut 250.000 geschätzt. In dem von der Regierung kontrollierten Westteil sollen sich etwa 1,2 Millionen Menschen befinden.

Beziehungen mehr als angespannt

Angesichts der katastrophalen Lage in Aleppo hat sich der Ton zwischen Washington und Moskau am Freitag weiter verschärft. US-Außenminister John Kerry warf Russland vor, gemeinsam mit der syrischen Führung “gezielt Zivilisten zu terrorisieren”, und forderte eine Untersuchung wegen “Kriegsverbrechen”. Er warf der syrischen Luftwaffe vor, wiederholt Krankenhäuser in Aleppo anzugreifen. Russland und Syrien “schulden der Welt mehr als eine Erklärung für die Gründe, weshalb sie nicht aufhören, Krankenhäuser, medizinische Infrastruktur, Kinder und Frauen zu bombardieren”, sagte Kerry.

Russland drohte im Gegenzug, im UNO-Sicherheitsrat einen von Frankreich eingebrachten Resolutionsentwurf zu blockieren. Der Text sieht neben einem Ende der Kampfhandlungen vor, dass keine Kampfflugzeuge mehr Aleppo überfliegen dürfen. “Ich kann unmöglich erkennen, wie wir diese Resolution durchgehen lassen können”, sagte der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin am Rande einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats in New York. In der Sitzung ging es um die humanitäre Lage in den von Rebellen gehaltenen östlichen Vierteln von Aleppo.

(APA/ag.)

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