Messerattacke in Wien: 72 Stunden Doppelbewachung angeordnet

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Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) hat Montagnachmittag für die von Bundesheersoldaten bewachten diplomatischen Objekte bis auf Weiteres eine doppelte Besetzung angeordnet. Während der nächsten 72 Stunden sollen nach einer Messerattacke auf einen Soldaten vor der iranischen Botschaft in Wien-Hietzing statt einem nunmehr zwei Wachposten im Einsatz sein, sagte ein Sprecher.

Der Generalstab habe zudem den Auftrag erhalten, den seit August 2016 laufenden Assistenzeinsatz, mit dem das Heer die Polizei beim Objektschutz unterstützt, zu evaluieren, sagte Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums. Das Ziel sei auszuloten, ob noch Verbesserungen bezüglich der Sicherheit der eingesetzten Soldaten, etwa in Bezug auf deren Ausrüstung, möglich seien.

“Wir wollen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, nachdem ein Soldat fast gestorben wäre. Deswegen wird der Fall genau angeschaut”, betonte der Sprecher. Der Vorfall werde vor allem hinsichtlich der Frage analysiert, ob der attackierte Wachposten optimal vorbereitet und ausgerüstet war. Es sei etwa denkbar, die Einsatzkräfte künftig auch mit Kugelschutzwesten oder Helmen auszustatten. Er wolle der Analyse des Generalstabs, deren Ergebnis in den nächsten Tagen vorliegen soll, aber nicht vorgreifen.

Nach Auskunft von Bauer bewacht das Heer in Wien neun Botschaften sowie “viele weitere Schutzobjekte, wie Residenzen und andere Gebäude”. Deren Art und genaue Anzahl solle aber aus Sicherheitsgründen nicht kommuniziert werden.

Wien - Messerangriff auf Wachsoldat

Noch keine Hinweise zu Motiv

Beim Angreifer handelt es sich laut Polizei um den 26-jährigen Mohamed E., ein gebürtiger Österreicher mit familiären Wurzeln in Ägypten. Das Einsatzkommando Cobra und Ermittler des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) durchsuchten am Montag seinen Wohnsitz im Bezirk Penzing. Der 26-Jährige soll dort mit seinen Eltern bzw. seiner Mutter gelebt haben. Die Durchsuchung hat vorerst keine Hinweise auf ein mögliches Motiv des Täters gebracht. Es wurden aber mehrere Datenträger beschlagnahmt, hieß es am Montag vonseiten der Exekutive.

Vorerst könne nichts wirklich ausgeschlossen werden, auch nicht ein terroristischer Hintergrund bzw. religiöse, politische und selbst “sonstige”, völlig anders gelagerte Beweggründe bis hin zu psychischen Problemen, sagte der Polizeisprecher. Das LVT sei dabei, “das gesamte Umfeld zu durchleuchten, Handy- und E-Mailverläufe zu untersuchen, Freunde und Angehörige zu befragen, in der Wohnung gefundene Schriftstücke zu analysieren” sowie festzustellen, ob der Mann Kontakt zu bestimmten Glaubensgemeinschaften gehabt hat und ob sich in seinem Besitz einschlägiges Werkzeug oder Anleitungen befanden.

Bis Montagnachmittag gab es laut Sörös keine Beweise dafür, dass der 26-Jährige in die Residenz eindringen hätte wollen – der Mann sei geradlinig auf den Wachposten zugegangen. Der Verdächtige sei zuvor polizeilich nicht auffällig gewesen.

Soldat setzte zunächst Pfefferspray ein

Der 23-jährige Soldat war allein vor der Residenz postiert, als er den sich verdächtig verhaltenden Mann bemerkte. “Dieser kam wenige Momente später auf ihn zu, zog ein Messer aus dem Inneren seiner Jacke und attackierte den Soldaten”, berichtete der Polizeisprecher. Der Wachposten wich zurück und versuchte erfolglos, den Angreifer mit Pfefferspray außer Gefecht zu setzen. “Angreifer und Soldat kamen gemeinsam zu Sturz, wobei der Tatverdächtige – wie sich auch bei der ersten Sichtung einer Videoauswertung bestätigte – unentwegt auf den Soldaten einstach.”

Der Berufssoldat habe “aus jetziger Sicht alles richtig gemacht”, nämlich zunächst mit dem Pfefferspray das gelindeste Mittel eingesetzt, betonte Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums. Neben der prompten Reaktion sei es der Stichschutzweste zu verdanken, dass der Wachposten “keine weitaus schwereren Verletzungen erlitt”, so Sörös. “Ohne diesen Schutz wäre er tot gewesen, hundertprozentig”, sagte der Polizeisprecher zur APA. Der Angreifer habe “unzählige Male zugestochen”.

Soldat am Montagnachmittag noch im Spital

Der Soldat befand sich am Montag noch im Spital, eine Schnittverletzung am rechten Oberarm wurde als nicht folgenschwer eingestuft. Er sei nach dem Angriff und dem Waffengebrauch “psychologisch natürlich entsprechend herausgefordert. Der heerespsychologische Dienst war bei ihm, er wird betreut”, sagte Bauer. Routinemäßig werde eine interne Untersuchungskommission eingesetzt, wie nach Schusswaffengebrauch im Dienst üblich.

(APA)

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