Mehr als 100 Tote bei schwerem Zugsunglück in Indien

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Fernzug mit mindestens 14 Waggons entgleiste
Fernzug mit mindestens 14 Waggons entgleiste - © APA (AFP)
Mindestens 116 Tote und mehr als 200 Verletzte: Das ist die vorläufige Bilanz eines Zugunglücks im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh am Sonntag. Über die Unglücksursache rätseln die Behörden noch. Aus dem Bahnministerium hieß es, dass veraltete Schienen den Zug zum Entgleisen gebracht haben könnten.

Der Patna-Indore-Express entgleiste kurz nach 3.00 Uhr Ortszeit in der Nähe der Ortschaft Pukhrayan. Mindestens 14 Waggons sprangen nach Angaben der örtlichen Behörden aus den Schienen. Drei davon wurden völlig zerstört.

Die Retter versuchten, mit Hilfe von Bergegeräten die entgleisten Waggons aufzurichten und zu eingeschlossenen Reisenden zu gelangen, berichtete ein Sprecher der indischen Eisenbahngesellschaft. Er gehe davon aus, dass 100 bis 150 Menschen in den Waggons gewesen seien. “Wir können uns nur langsam in die zerstörten Waggons vorarbeiten. Es könnten noch Überlebende in den Wagen sein.” Seinen Angaben zufolge waren die Rettungsarbeiten am Sonntagabend beinahe abgeschlossen.

Fernsehbilder zeigten entgleiste und teilweise zerstörte Waggons. Die meisten Passagiere wurden vermutlich im Schlaf überrascht. Wie die Polizei mitteilte, wurden 75 Menschen schwer verletzt, 150 weitere erlitten leichte Verletzungen. Am Zielbahnhof in Patna warteten Familien von Reisenden des Unglückszug auf Informationen.

Augenzeugen berichteten, wie sie von einem lauten Knall aus dem Schlaf gerissen und dann durch die Wucht des Unfalls umhergeworfen wurden. “Der Lärm war ohrenbetäubend”, sagte ein Passagier, der an der Unfallstelle mit seiner Familie wartete, zu Journalisten. “Ich bin glücklich, am Leben zu sein. Aber das war für uns schon eine Erfahrung nahe am Tod.”

Bahnminister Suresh Prabhu kündete eine umfassende Untersuchung des Unfalls an. “Wir werden so hart wie möglich gegen diejenigen vorgehen, die für den Unfall verantwortlich sein könnten”, schrieb er auf Twitter. Das Ministerium teilte mit, Prabhu sei auf dem Weg zur Unfallstelle. Premierminister Narendra Modi sprach den Betroffenen sein Beileid aus und kündigte finanzielle Hilfen an.

Der Patna-Indore-Express verunglückte etwa auf der Hälfte seiner mehr als 1.400 Kilometer langen Strecke durch Nordindien, für die er laut Fahrplan 27 Stunden Reisezeit braucht. Regulär hat der Zug 21 Waggons und fasst deutlich mehr als 1.000 Passagiere. Bahnsprecher Saxena zufolge hatte der Unglückszug 23 Waggons. Etwa 2.500 Menschen seien an Bord gewesen.

Indiens Züge transportieren jeden Tag rund 23 Millionen Menschen in etwa 12.000 Zügen. Das gigantische Schienennetz wird oft als “Lebensader der Nation” bezeichnet, da Inder aller Kasten und Klassen es benutzen. Das Netz wurde von den britischen Kolonialherren gebaut, um Handelsgüter wie Baumwolle zu den Häfen zu schaffen. Seit der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 wurden kaum neue Gleise verlegt, da die Bahn damit beschäftigt ist, das vorhandene Netz zu erhalten. Jedes Jahr kommt es bei der indischen Bahn zu zahlreichen Unfällen mit vielen Toten.

(APA/dpa/)

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