Mini-“Ilias” mit Sprachproblemen im Salzburger Landestheater

Die “Ilias”, Homers Bericht vom Trojanischen Krieg in Versform, zählt neben der “Odyssee” zu den ältesten und populärsten Epen der europäischen Kulturgeschichte. Menschen schlachten, leiden, kämpfen und lieben darin zum Gaudium der Götter. Das Salzburger Landestheater hat die “Ilias” in verkürzter und reduzierter Form auf die Bühne gebracht – aber nur bedingt zum Gaudium des Publikums.

Die Premiere am Donnerstagabend war alles andere als ausverkauft. Der Applaus am Ende war höflich bis anständig, begeistert klang er nicht. Das lag weniger am Konzept von Regisseur und Intendant Carl Philip von Maldeghem, sondern am gehetzten, fast atemlosen Tempo und vor allem am Umgang mit der Sprache. Da stieß das Landestheater-Ensemble schmerzhaft an seine Grenzen.

Maldeghem lässt den Theaterabend dort enden, wo Hektor von Achill erschlagen ist und der trojanische Held von den Seinen bestattet wird. Das ist argumentierbar, denn die weitere Handlung bis zum Fall der Stadt ist bekannt und Vollständigkeit daher nicht nötig. Dafür konzentriert sich die Aufführung auf das Götter-Menschen-Gemenge. Dieses einzigartige Geflecht von eitlem, göttlichem Ehrgeiz, in dem Menschen zu ahnungsvoll abhängigen Figuren eines grandiosen Schachspiels der Unsterblichen degradiert sind, erklärt den Lauf der Welt plausibler als alle anderen Göttermodelle. Aber auf der Bühne kam diese “Ilias” nicht wirklich in die Gänge.

Maldeghem besetzte die Pallas Athene mit einer leichtfüßigen Tänzerin (Anastasia Bertinshaw), die ihren Zoff mit Zeus (Christoph Wieschke) in tadellosem Englisch austrug. Apoll (Yevheniy Kapitula) zürnte auf russisch, Hera (Frances Pappas) intrigierte auf griechisch und Aphrodite (Sabrina Amali) verführte auf arabisch. Das hob die Götter ab vom irdischen Getümmel – dort wurde deutsch gesprochen.

So attraktiv die Kostüme (Alois Dollhäubl) und so sinnvoll reduziert der Raum mit seinen Plastikplanen und Traktorreifen (Maldeghem), so verhetzt und undeutlich klangen die Verse selbst. Das überwiegend junge, körperorientierte Schauspielerensemble drückte auf die schwülstig-dramatische Gefühlstube, ohne mit den Worten selbst atmosphärische Dichte erzeugen zu können. Dieses Manko aber ließ sich nicht weg-inszenieren und wirkte den gesamten Abend wie eine Mauer zwischen Bühne und Publikum. So blieb am Ende bloß der Mehrwert von historischer Bildungs-Auffrischung mit ein paar hübschen Regieideen. Ein mitreißender Theaterabend aber ist etwas anderes.

(APA)

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