9. März 2010 15:16; Akt.: 9.03.2010 15:16

Missbrauch durch Erzabt: Weitere Opfer gesucht

Die Opferschutzeinrichtung "Weißer Ring" sucht nach weiteren Fällen im Umfeld des Stifts St. Peter. Die Opferschutzeinrichtung "Weißer Ring" sucht nach weiteren Fällen im Umfeld des Stifts St. Peter. - © Neumayr/MMV
Salzburg – Die Salzburger Anwältin des 53-Jährigen, Brigitte Forster-Ascher, sucht über die Opferschutzeinrichtung “Weißer Ring” mögliche weitere Opfer von Kindesmissbrauchs-Fällen, die der Erzabt des Stiftes St. Peter und die beiden ehemaligen Patres begangen haben könnten.
Falls neue Fälle ans Tageslicht kämen, könnten die Verjährungsfrist unterbrochen und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden, erklärte die Opfer-Anwältin am Dienstagnachmittag im APA-Gespräch.

Ihr Mandant habe ihr erklärt, dass Erzabt Bruno Becker ihn einmal missbraucht hätte. Die beiden ehemaligen Patres des Stiftes hätten ihn in den 1970er Jahren aber über mehre Jahre sexuell missbraucht, er sei damals zwischen zehn und 15 Jahre alt gewesen. Es sei aber schwierig herauszufinden, ob diese Taten verjährt sind oder nicht. “Deshalb suchen wir weitere Personen, die ab Mitte der Siebziger-Jahre Opfer der Patres wurden. Es wäre sehr hilfreich, wenn sich jemand meldet”, sagte Forster-Ascher.

Wie die Anwältin auch gegenüber “Ö1″ erklärte, konzentriere sich die Suche vor allem auf Opfer des ehemaligen Mönchs mit dem geistlichen Rufnamen “Frater Markus”, der gemeinsam mit dem mittlerweile verstorbenen, ehemaligen Pater B. den heute 53-Jährigen schwer missbraucht haben soll. Im Vorjahr sei gegen den Frater eine Haftstrafe von vier Monaten unbedingt und 22 Monaten bedingt wegen schweren sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen in Marokko rechtskräftig geworden. Abgesessen habe er die Strafe noch nicht.

Als die Ermittler ihren Mandanten aufgrund der im September 2009 eingangenen Anzeige zum Fall Bruno Becker befragten, “war er noch nicht imstande, auszusagen”, so die Anwältin. Er habe Angst gehabt, dass sein Name an die Öffentlichkeit durchsickert. “Ihm ist wesentlich, dass seine persönlichen Verhältnisse anonym bleiben. Für ihn war es schwer, zu dem Punkt zu kommen, alles offen zu legen. Er stand ja unter dem 40-jährigen Druck, nichts sagen zu dürfen.”

Die 5.000 Euro, die ihm der Erzabt mit dem Zusatz geboten habe, nicht darüber zu sprechen, habe er nicht angenommen, sagte Forster-Ascher. Sie könne sich aber vorstellen, dass der 53-Jährige jetzt vor der Staatsanwaltschaft aussagen wird. “Psychisch geht es ihm nicht gut”, eine psychotherapeutische Behandlung habe er aber noch nicht in Anspruch genommen. Dem Weißen Ring sind sonst keine Fälle von Kindesmissbrauch durch Geistliche in Salzburg bekannt, erklärte die Juristin.



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