22. August 2012 10:55; Akt.: 22.08.2012 11:01

Missbrauch in Tiroler Heimen: Firma belegt Zahlungen

32 Jahre alte Überweisungen bei Firme EGLO-Leuchten gefunden. 32 Jahre alte Überweisungen bei Firme EGLO-Leuchten gefunden. - © EPA
In der Beleuchtungsfirma EGLO mit Sitz in Pill im Bezirk Schwaz – sie soll eine “wenige Wochen” andauernde Zusammenarbeit für die Anfertigung von Lampenschirmen mit dem Kinderheim gehabt haben – sind Überweisungsbelege aus dem Jahr 1980 gefunden worden.

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EGLO wird, wie auch den Firmen Darbo, Swarovski und dem Bundesheer, vorgeworfen in den 60er Jahren Zwangsarbeit von Zöglingen der Schwazer Landeserziehungsanstalt St. Martin durchgeführt haben zu lassen. Dabei wurden in drei Chargen die Löhne für Oktober und November direkt auf das Konto des Landesjugendheimes transferiert. Insgesamt handelte es sich um einen Betrag von rund 20.000 Schilling (1.453 Euro), berichtete das Unternehmen in einer Aussendung. Der Gesellschafter des Leuchtenherstellers, Ludwig Obwieser, kündigte an, dass EGLO in dieser Sache weiter recherchieren werde. Er forderte die Aufklärung darüber, wo die den Heimkindern zustehenden Löhne hingeflossen seien.

Im Hinblick auf die weitere Vorgangsweise im Land solle nach dem OK vonseiten der Regierung die verschiedensten Gesichtspunkte, wie beispielsweise die Prüfung vorhandener historischer Akten, die Rekonstruktion der Heimgeschichte, die Anhörung von Zeitzeugen, die Betrachtung von unterschiedlichen Beschäftigungsaspekten, das Einbringen der historischen Betrachtung, die Einbindung betroffener Firmen und Organisationseinheiten erörtert werden.

Land Tirol stellt Einsatzgruppe zusammen

Das Land Tirol hat nach den am Dienstag vor einer Woche bekanntgewordenen Vorwürfen von Zwangsarbeit für heimische Unternehmen in den 60er Jahren von Zöglingen der Schwazer Landeserziehungsanstalt St. Martin die installierte Einsatzgruppe “Arbeit in Tiroler Heimen” zusammengestellt. Der Vorschlag solle nun bis spätestens Ende der Woche von der Regierung abgesegnet werden, hieß es aus dem Büro des zuständigen Soziallandesrat, Gerhard Reheis (S), auf Anfrage der APA.Am Dienstag seien die Zusammensetzung der Einsatzgruppe und die einzelnen Arbeitsaufgaben ausgearbeitet worden. Auch die Einrichtung einer Anlaufstelle für weitere mögliche Opfer wurde angedacht. Als Koordinator habe man Dietmar Schennach, Vorstand der Gruppe Gesundheit und Soziales, ins Auge gefasst.

“Kurier” berichtet von Zwangsarbeiten

Der “Kurier” hatte vor einer Woche von Arbeitseinsätzen von Jugendlichen bei namhaften, heimischen Unternehmen berichtet. Die für diese Arbeitsleistungen bezahlten Löhne an das Kinderheim sollen den damaligen Insassen vorenthalten worden sein, hatten Betroffene erzählt. Vergangenen Sonntag sprach eine heute 61-jährige Tirolerin davon, damals als 16-Jährige in St. Martin mehrmals von Soldaten des Tiroler Bundesheeres vergewaltigt worden zu sein.

(APA)



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