11. März 2010 12:09; Akt.: 11.03.2010 12:09

Missbrauch: Telefonseelsorge bietet sich Opfern zum Gespräch an

Missbrauch: Telefonseelsorge bietet sich Opfern zum Gespräch an © Bilderbox
Salzburg-Stadt – Die vertrauliche Gesprächsmöglichkeit bei der Telefonseelsorge wäre eine große Chance, um über das Thema Missbrauch zu reden. Diese Einladung an mögliche Opfer von sexueller Gewalt sprach am Donnerstag der Leiter der Telefonseelsorge Salzburg, Gerhard Darmann, bei einem Pressegespräch im Bildungszentrum St. Virgil aus.

Anlass war ein Treffen von Vertretern der Telefonseelsorgen aus allen Bundesländern, die einen internationalen Kongress im Juli in Wien vorbereiten.

Eine Häufung von Anrufen von Opfern sexuellen Missbrauchs merken die rund 700 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Telefonseelsorge in den Diözesen derzeit nicht. Im Zentrum stehen meist andere Anliegen und Probleme. Dass jemand aus der Kirche in einen Fall involviert gewesen sei, habe sie in ihrer langjährigen Tätigkeit noch nie erlebt, berichtete Marlies Matejka, die Leiterin der Telefonseelsorge Wien. Häufig wären es Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren, die in ihrer Kindheit missbraucht worden seien und erst Jahrzehnte danach über das Thema sprechen könnten, berichtete Matejka. Aufgabe der Telefonseelsorge sei es, die Menschen zu stärken und zu ermutigen, sich jemandem anzuvertrauen oder sich an eine professionelle Hilfseinrichtung zu wenden.

Das Thema sexueller Missbrauch ist nur ein sehr kleiner Teil von Anliegen, mit denen sich die Anrufer an die kostenlose und vertrauliche Telefonhotline, die von der katholischen und evangelischen Kirche getragen wird, wenden. Viel häufiger seien Einsamkeit und Isolation, Beziehungsprobleme, psychische Erkrankungen oder Gewalterlebnisse die Themen der Gespräche. Verschwindend gering sind auch kirchliche Themen oder Glaubensfragen, berichtete Matejka.

In Vorbereitung des internationalen Kongresses, der sich mit Gewalt und Alternativen zur Gewalt befassen wird, hat die Telefonseelsorge Österreich eine Untersuchung durchgeführt. Von den Anrufern, bei denen Gewalt eine Rolle spielte, waren 27 Prozent Männer und 71 Prozent Frauen. Zwei Prozent waren nicht zuordenbar. Etwas mehr als 70 Prozent der Anrufer sahen sich in der Opferrolle, rund 20 Prozent in der Täterrolle, 15 Prozent waren Beobachter von Gewalt. Am stärksten wird Gewalt in Beziehungen wahrgenommen, knapp drei Viertel machten Gewalterfahrungen zwischen Partnern aus, dahinter lagen jene zwischen Erwachsenen und Kindern mit 69 Prozent. Mehrfachnennungen waren möglich. Rund 13 Prozent der Anrufer äußerten Selbstmordabsichten – der Anteil von Männern war dabei dreimal so hoch wie jener von Frauen. Selbstvorwürfe orteten die Mitarbeiter der Telefonseelsorge in der Untersuchung vor allem bei Frauen. Sie würden sich oft die Mitschuld an Gewalt geben, berichtete Gerhard Baldauf, Leiter der Telefonseelsorge Steiermark.

Insgesamt führen die Mitarbeiter in den Telefonseelsorgen rund 150.000 Stunden Gespräche pro Jahr. Die Nachfrage nach diesem Angebot steige seit Jahren an, sagte Darmann.


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