Mit frischem Wind wollen Nordische in Heim-WM-Saison

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Mario Stecher und Andreas Felder
Mario Stecher und Andreas Felder - © APA
Ein völlig umgekrempeltes Trainerteam bei den Skispringern auf der einen Seite, eine weitgehend unveränderte Betreuer-Riege bei den Nordischen Kombinierern. Letztlich logische Konsequenzen aus der abgelaufenen Olympia-Saison in Vorbereitung auf die Heim-WM in Seefeld 2019. Mit Mario Stecher und Andreas Felder gibt es zwei neue Entscheidungsträger im ÖSV, die für frische Gedanken sorgen.

Der 40-jährige Stecher hat den amtsmüden Ernst Vettori als Sportlichen Leiter für Skispringen und Nordische Kombination beerbt, der 56-jährige Felder wechselte nach dem Rücktritt von Heinz Kuttin von den Skisprung-Damen im ÖSV zu den Herren.

Frischer Wind im nordischen Skisport

“Ich glaube nicht, dass es wichtig ist, in die Funktionärsriege frischen Wind zu bringen, sondern den frischen Wind zu den Athleten zu bringen”, erklärte Stecher im APA-Interview. “Wir haben sehr viele arrivierte Athleten, besonders jene, die Andi in der Mannschaft hat”, meinte Stecher mit Blick zu seinem neuen Cheftrainer. “Da musst du es schaffen, dass du wieder Begeisterung reinbringst. Das Feuer und das Leuchten in den Augen wieder siehst. Wenn du das einmal hast und Athleten wieder gerne auf Kurse fahren und in der Gemeinschaft drinnen sind, dann können sie sich wieder gegenseitig motivieren und davon profitieren.”

Felder: “Umfeld hat sich extrem verändert”

Natürlich bestand bei den Skispringern Handlungsbedarf. Heinz Kuttin selbst hatte von einer Negativspirale gesprochen, die er selbst nicht mehr aufhalten konnte. Sein Nachfolger Felder, der selbst von 1995 bis 1997 schon einmal ÖSV-Herren-Chefcoach war, sieht über 20 Jahre später weniger den Sport selbst verändert. “Das Umfeld hat sich extrem verändert. Wenn man bedenkt, mit welchem Apparat die Sportler vergangenes Jahr durch die Gegend gefahren sind: Wir waren damals drei Leute. Co-Trainer, Trainer und Masseur. Wir haben nicht einmal einen eigenen Wachsler gehabt. Die Sportart ist immer noch dieselbe. Selbst als ich noch gesprungen bin, da hat sich nicht viel verändert.”

Olympiamedaillen waren “sensationell gut”

Was für Stecher neu ist, ist die Rolle, Entscheidungen nicht nur für sich selbst zu treffen. “Als Athlet in der Spitze hast du auch Entscheidungen treffen müssen. Da gibt es nur Schwarz oder Weiß – alles, was dazwischen drinnen ist, funktioniert eigentlich nicht. Genauso sehe ich es jetzt auch als Funktionär”, erzählt Stecher, der bei den Kombinierern, die er nach wie vor “wie meine Westentasche” kennt, nur in den unteren Ebenen Anlass zur Veränderung gesehen hat. “Da waren nicht alle Entscheidungen leicht und es hat auch das eine oder andere negative Erlebnis gegeben. Das ist menschlich hart. Das kenne ich so nicht, weil ich immer nur Entscheidungen für mich selber getroffen habe.”

Konkret meint er da wohl auch Günther Chromecek, dem er eine übergeordnete Funktion in den Schwerpunkt-Schulen Eisenerz und Stams zugeteilt hat. “Er ist praktisch für den C-Kader verantwortlich.” Die Talente Paul Gerstgraser und Bernhard Flaschberger arbeiten nun neu mit Coach Markus Eggenhofer. “Da erwarte ich mir schon ein bisschen einen neuen Input.” In der Kombination kenne er sich “wirklich extrem gut aus”, schließlich war Stecher mit allen Protagonisten noch selbst aktiv. Christoph Bieler und Co. ist vergangenen Jänner nach einem schwachen Auftritt in der Ramsau die Wende gelungen. “Der Turnaround ist von Ramsau weg Richtung Olympia geschafft worden, wo wir mit zwei Medaillen sensationell gut waren.”

Skispringer mit Saison zum Vergessen

Der gute Teamgeist der Kombinierer könne da durchaus beispielgebend sein. “Gar nicht einmal so auf Athletensicht gesehen, sondern weiter gesponnen auch Richtung Trainer, Serviceleute, Physiotherapeuten – es gehören alle dazu. Jeder ist in dem ganzen Radl gleich viel wert. Der Athlet kann nur gut sein, wenn auch der Physiotherapeut voll und ganz die Schiene mitfährt”, lautet Stechers Credo.

Einig ist sich Stecher mit Felder, dass man die Komplexität des Sports gerade bei den Skispringern wieder etwas vereinfacht, etwas spielerischer macht. “Neu ist, dass wir vielleicht in gewissen Dingen sogar wieder einen Schritt zurückmachen. Dass man sich dem Skispringen vielleicht aus einer kindlichen Sichtweise annähert. Es ist nichts Neues, aber für diese Generation ist es sehr wohl etwas Neues”, glaubt der zweifache Familienvater.

“Man muss immer mit der Zeit gehen”

Felder sieht es ganz ähnlich. “Man muss immer mit der Zeit gehen, die modernen Sachen ausprobieren, aber alte erfolgreiche Sachen soll man, nur weil sie alt sind, nicht über Bord werfen. Die waren deswegen früher auch gut, weil sie Erfolg gebracht haben. Es ist im Grunde die gleiche Sportart geblieben. Man muss wegspringen und gut fliegen. Es ist vielleicht in den letzten Jahren alles ein bisserl extrem ausgereizt worden, speziell die ganze Materialabstimmung.” In vielen Gesprächen mit seinen neuen Schützlingen hat er schon herausgefunden, dass in mancher Hinsicht ein wenig übertrieben worden sei. “Da haben manche den Faden zu ihrem eigenen Sprung verloren. Da verliert man dann das eigene Gefühl. Die Stärken, die man gehabt hat, gehen unter.”

Stecher erwartet vom Tiroler Felder, dass dieser von oben bis ganz unten seine Philosophie durchzieht. “Und es keine Extrawürste innerhalb einer Mannschaft gibt.” Der Steirer ist überzeugt, dass Felder für die Stärkung des Teamspirits ebenso wie vom Fachwissen her der richtige Mann ist.

Kommt Schlierenzauer nochmal zurück?

Felder hat sich eine engere Zusammenarbeit mit den Skispringerinnen ebenso vorgenommen wie beide Funktionäre auch verstärkt Synergie-Effekte beider Herren-Sparten nutzen wollen. Die Rückkehr eines Gregor Schlierenzauer ganz nach oben traut Felder seinem engeren Landsmann auf jeden Fall zu. “Ich kann ihm ja nur Tipps geben und er muss selber das dann vernünftig umsetzen. Wir haben schon sehr gute Gespräche gehabt. Ich kenne mich ein bisserl mit seiner Problematik aus und vielleicht kann man in dem einen oder anderen Bereich helfen, aber marschieren muss er dann selber”, sagte der einstige Skiflug-Weltmeister und 25-fache Weltcupsieger. “Ich glaube, dass einer, der so talentiert ist wie der Schlieri und schon so viel gewonnen hat – wenn der weiter an sich glaubt und kämpft, dann wird er irgendwann den Weg zurück wieder schaffen. Ich würde es ihm sehr gönnen.”

Sowohl Stecher als auch Felder wurde ein Vierjahres-Vertrag angeboten, beide möchten das Amt vorerst bis zu den Olympischen Spielen in Peking machen. Felder: “Für mich wird es wahrscheinlich das letzte Olympia werden”, meinte er in Anspielung auf sein Alter lächelnd.

(APA)

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