“Mittelmeerroute schließen wird nicht reichen”

Akt.:
Es braucht legale Migrationsmöglichkeiten
Es braucht legale Migrationsmöglichkeiten - © APA (Archiv/AFP)
Die Experten auf der von “act.now” und dem International Institute for Peace (IIP) in Ugandas Hauptstadt Kampala veranstalteten Konferenz “African Youth and Migration” sind sich einig, restriktive Grenzkontrollen werden den Flüchtlingsstrom nicht beenden. Stattdessen brauche es etwa faire Handelsbeziehungen und legale Migrationsmöglichkeiten, so die Schlussfolgerungen der Teilnehmer am Dienstag.

Europäer würden bei Migration zuerst an die Flüchtlinge im Mittelmeer denken, sagte Noemi Cascone vom European Center for Development Policy Management (ECDPM), einem belgischen Think-Tank. Doch es gebe verschiedene Typen der Migration, die zu unterscheiden seien. “Es wird nicht reichen die Mittelmeerroute zu schließen und in Entwicklungshilfe zu investieren”, zeigte sich Cascone überzeugt. Denn Entwicklung sei langfristig zu betrachten, “Entwicklungshilfe kann erst als zweiter Schritt kommen”, nach akuter Hilfe im Konfliktfall.

Leider würden viele europäische Länder die Gelder aus der Entwicklungshilfe heute verwenden um Flüchtlinge im eigenen Land zu versorgen, anstatt vor Ort, bedauert Cascone. Auch seien europäische Länder zunehmend mehr interessiert an Ländern, die an den Flüchtlingsrouten liegen. Der einzige Weg, um Schlepperei zu bekämpfen, sei es, “legale Wege der Migration zu schaffen”, so Cascone. Visa müssten billiger werden und leichter zu erhalten sein.

An sinkende Migrationszahlen glaubt auch Matthias Esene vom in Wien ansässigen International Centre for Migration Policy Development (ICMPD) nicht. Die afrikanische Bevölkerung wachse sehr stark, und aufgrund der vielen Konflikte würden die Fluchtbewegungen zunehmen. So seien allein in seinem Heimatland Nigeria 2,2 Millionen Menschen auf der Flucht vor der Islamisten-Miliz “Boko Haram”. Dennoch würden über 90 Prozent der Vertriebenen im Land bleiben.

“Afrika ist wie ein kochender Topf voll Wasser, der irgendwann übergehen wird” aufgrund des Bevölkerungswachstums, hielt Esene fest. Doch gebe es mehr europäische Arbeitnehmer, die in Afrika arbeiten, als Afrikaner in einem anderen afrikanischen Land. Daher sei es wichtig, die interregionale Mobilität zu erhöhen, denn für Afrikaner sei es schwieriger innerhalb Afrikas zu reisen als für Europäer.

Jesca Angida von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Kampala fordert indes “eine gesteuerte Migration”. Es gebe Gründe, warum die Leute flüchten. Daher sei es notwendig, diese Ursachen zu bekämpfen “und da muss die Entwicklungshilfe einsetzen”. In den vergangenen Jahren sei zu beobachten gewesen, dass die europäische Migrationspolitik sehr starken Einfluss auf Afrika habe, analysierte Yotam Gidron von der International Refugee Rights Initiative (IRRI). “Wenn wir den Flüchtlingen das Leben erschweren, werden sie zurückgehen”, herrsche als Annahme in vielen Ländern vor.

Dem schloss sich auch der ehemalige SPÖ-Europaabgeordnete Hannes Swoboda an, als er die Ergebnisse der Konferenz zusammenfasst. “In der EU darf man die Migration nicht als Bedrohung, sondern muss sie als Chance sehen”, forderte er. Daher müsse in Afrika investiert werden, um den Agrarsektor und die Industrie zu entwickeln, und vor allem müsse Afrika selber mehr produzieren. Zudem sei es notwendig, Austauschprogramme wie das Erasmus-Programm der EU auch für Afrikaner zu öffnen, denn von einem beiderseitigen Austausch würde sowohl Europa als auch Afrika profitieren.

(APA)

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