Mobiltelefone machen asozial

Gefühl der Verbundenheit führt zu Rückgang von Altruismus Gefühl der Verbundenheit führt zu Rückgang von Altruismus - © AP
Zwei Studien der Universität Maryland legen nahe, dass die Nutzung von Mobiltelefonen oder auch nur das Denken ans eigene Handy die Bereitschaft, altruistisch zu handeln, senkt.

Die Forscher haben herausgefunden, dass die Kommunikation mit Telefonen ein starkes Gefühl der Verbundenheit zu anderen Menschen hervorruft. Genau dieses Gefühl machen sie verantwortlich für den Rückgang von prosozialem Verhalten, wie die Huffington Post berichtet. Weitere Forschungen sollen klären, ob es diesen Kausalzusammenhang tatsächlich gibt.”Durch verbale Kommunikation kann das Gefühl von persönlicher Nähe stärker vorhanden sein, als in Medien, in denen rein textlich kommuniziert wird. Mobiltelefone ermöglichen aber nicht zwangsläufig einen “persönlicheren” Kontakt als soziale Netzwerke. Dass die verschiedenen Medien und die Art der Mediennutzung jedoch einen großen Einfluss auf das menschliche Sozialverhalten haben, ist evident. Ob diese Effekte positiv oder negativ sind, sei dahingestellt. Was daher unter “Verbundenheit” verstanden wird, sollte man sich beim Lesen solcher Studien genauer ansehen”, sagt Kommunikations-Experte Andreas Berger im Gespräch mit pressetext.

Schlimmer als Facebook

Die erste Studie aus Maryland hat in einer Vorerhebung festgestellt, dass Studenten sich durch den Kontakt per Mobiltelefon verbundener fühlen, als wenn sie via Facebook kommunizieren. In einer zweiten Stufe wurden die Studenten angehalten, entweder Facebook oder ein Mobiltelefon ohne Zugang zum sozialen Netzwerk zu verwenden. Anschließend wurden die Probanden befragt, wie wahrscheinlich ein freiwilliges Engagement bei einer sozialen Einrichtung wäre. Die Nutzer von Mobiltelefonen zeigten eine deutlich geringere Neigung zu sozialem Engagement. Die Wissenschaftler glauben an einen negativen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der gefühlten Verbundenheit und der Bereitschaft, altruistisch zu handeln.

Studienleiterin Rosellina Ferraro lässt keinen Zweifel daran, dass weitere Untersuchungen nötig sind. Es müsse beispielsweise geklärt werden, ob sozial noch erfüllendere Kommunikationsformern, wie ein Gespräch via Skype, ein weiteres Sinken der Bereitschaft zu prosozialem Verhalten zur Folge hat. Dass Handys Gefühle tiefer Verbundenheit hervorrufen und damit ein menschliches Grundbedürfnis erfüllen können, steht für die Studienautoren außer Frage. In einer zweiten Studie, die allerdings noch nicht veröffentlicht ist und auch noch keine Qualitätskontrolle überstanden hat, fanden die Forscher heraus, dass schon der Gedanke an das eigenen Mobiltelefon ausreicht, um das Verhalten zu beeinflussen.

Drahtloser Einfluss

In der zweiten Untersuchung wurden die Studienteilnehmer aufgefordert, ein Bild ihres Fernsehers oder ihres Mobiltelefons zu zeichnen und dabei an die Nutzung des jeweiligen Gerätes zu denken. Anschließend mussten die Probanden eine Aufgabe lösen. Ihnen wurde gesagt, dass bei Erfolg Geld für eine wohltätige Institution gespendet würde. Die Teilnehmer, die an ihr Handy gedacht hatten, zeigten deutlich weniger Einsatz.

(pte)



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