Häufiger Mopedunfälle bei 15-Jährigen: Diskussion um Alter für Führerschein

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In Österreich dürfen Jugendliche ab 15 Jahren Mopedfahren (Symbolbild).
In Österreich dürfen Jugendliche ab 15 Jahren Mopedfahren (Symbolbild). - © AFP PHOTO / ANP - LEX VAN LIESHOUT
Das Verkehrsministerium lässt derzeit überprüfen, ob eine höhere Altersgrenze für den Mopedführerschein sinnvoll wäre. Anlass sind die aktuellen Unfallzahlen: Laut Statistik verunglücken fast doppelt so viele Mopedlenker im Alter von 15 Jahren, als 16-jährige Lenker. Verkehrsexperten sind skeptisch. Sie sehen die Ursachen für die Unfälle woanders.

Wie das “ZIB-Magazin” am Dienstag berichtete, lässt das Verkehrsministerium überprüfen, ob eine Anhebung des Mindestalters für den Mopedführerschein die Unfallzahlen reduzieren könnte. Dafür untersucht Verkehrspsychologin Bettina Schützenhofer, ob Jugendliche mit 15 Jahren bereits reif genug sind, um sich mit einem Moped im Straßenverkehr zu bewegen.

Psychologin: “Unbalanciertheit im Gehirn bei Jugendlichen”

Im Interview erklärt die Psychologin, dass wesentliche Änderungen im Gehirn die Verkehrsreife der jungen Straßenteilnehmer beeinflussen: “Im Alter zwischen 15 und 16 gibt es eine maximale Unbalanciertheit im Gehirn. Das Belohnungssystem reift schneller als das Kontrollsystem, was dazu führt, dass die Jugendlichen – gerade unter Gleichaltrigen – oft sehr riskant agieren. Logisches Denken und rationale Risikoabwägung spielen wenig Rolle”, erklärt sie im Interview. Deshalb seien auch die Unfallzahlen in diesem Alter besonders hoch.

Mehr 15-Jährige in Salzburg mit Moped verunglückt

Ein erster Blick auf die Statistik scheint dies zu bestätigen. Nicht nur österreichweit, auch in Salzburg ist die Zahl der Mopedunfälle mit Verletzten laut ÖAMTC-Aufzeichnungen in den letzten sechs Jahren bei den 15-Jährigen immer höher, als bei den 16-Jährigen. Im letzten Jahr waren es bei ersteren 111, bei den um ein Jahr Älteren 75.


Minimaler Unterschied bei tödlichen Unfällen

Bei den tödlichen Unfällen zeigt sich aber bereits ein anderes Bild. In Salzburg starben von 2012 bis 2017 zwei Mopedfahrer, jeweils einer in jedem Alter. Auf ganz Österreich ist der Unterschied ebenfalls weniger eklatant: 16 Mopedlenker im Alter von 15 Jahren starben, bei den 16-Jährigen waren es 14.

ÖAMTC: Gründe für Unfälle nicht altersbedingt

Differenzierter sieht den Sachverhalt Aloisia Gurtner vom ÖAMTC-Salzburg im Gespräch mit S24. Sie macht die Ursache für den Unterschied in den Unfallzahlen nicht in der Verkehrsreife, sondern in der Fahrerfahrung aus: “Bei den 15-Jährigen passieren mehr Unfälle, weil es sich dabei um Fahranfänger handelt. Wir sehen das auch bei den Autofahrern.” Sie spricht sich gegen eine Erhöhung des Führerscheinalters aus. “Gerade 15-Jährige müssen mobil sein, wenn sie eine Lehre beginnen und anders nicht an den Arbeitsplatz kommen. Da brauchen sie ein Moped”, betont Gurtner.

Aufklärung und bessere Kontrollen

Sie sieht hier aber vor allem die Eltern und das Umfeld der Teenager in der Verantwortung. So sollten Jugendliche nur dann ein Moped bekommen, wenn sie es auch wirklich für den Schulweg bzw. die Arbeit brauchen. Außerdem muss Bewusstseinsarbeit für die Gefahren im Straßenverkehr geleistet werden, eine gute Ausbildung in der Fahrschule sei ebenfalls ausschlaggebend. Zusätzlich dazu müssten aber ebenso die Behörden ihre Aufgaben erledigen: “Es gibt immer wieder Fälle von wahnsinnig auffrisierten Mopeds. Wenn gut kontrolliert wird, wirkt das auf die Jugendlichen auch abschreckend, das spricht sich herum.”

Eine verkehrspsychologische Untersuchung im Rahmen des Führerscheins, wie es etwa beim L17 für Autofahrer üblich ist, braucht es laut Gurtner nicht. “Das familiäre Umfeld kann hier am besten entscheiden, ob ein 15-Jähriger reif genug fürs Mopedfahren ist oder nicht”, erklärt sie. Gerade in diesem Alter sei der Entwicklungsstand sehr unterschiedlich, da sage das Alter nicht viel aus.

ARBÖ-Trainer: “Es hängt von der Vorbereitung ab”

Günther Frühwirt trainiert im ARBÖ-Sicherheitszentrum in Straßwalchen (Flachgau) selbst angehende Mopedfahrer in seinen Kursen. Sein Eindruck von den Jugendlichen: “Die meisten sind schon sehr reif, es hängt aber von der Vorbereitung ab.” Diese Vorbereitung leisten in seinen Augen Familie und Schule. Je mehr die Jugendlichen bereits über Risiken, Gefahren und Verhalten im Straßenverkehr von ihrem Umfeld mitbekommen haben, desto bewusster würden sie mit dem Risiko umgehen, erklärt Frühwirt. Einen Unterschied bezüglich des Alters seiner Teilnehmer gebe es nicht, sagt er gegenüber S24.

Die Kurse in Straßwalchen sind laut Frühwirt gut besucht: “Die Mopedtrainings werden auch an den Schulen beworben, wir haben oft ganze Schulklassen in unseren Schulungen. Da sind auch immer wieder welche dabei, die durch das Training merken, dass Mopedfahren nichts für sie ist”, weiß der Trainer. Ein Mopedtraining ist für Jugendliche kostenlos, sie werden vom Land Salzburg gefördert.

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