Motorrad: KTM macht 2017 in der WM Jagd auf auf MotoGP-Konkurrenz

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Die KTM RC16 bei Demorunden.
Die KTM RC16 bei Demorunden. - © APA/Scheriau/Archiv
Wenn 2017 “Der Doktor” Valentino Rossi in den Rückspiegel blickt, wird es flächendeckend orange. So der Plan einer oberösterreichischen Firma, die vor 82 Jahren als kleine Schlosserei des Hans Trunkenpolz an den Start ging und mittlerweile seit eineinhalb Jahrzehnten die schnellsten Zweiräder bei der Dakar vorfährt – KTM. Nun wollen die Mattighofner auch die Formel 1 des Motorradsports aufmischen – die MotoGP. Am Wochenende gibt es in Valencia ein erstes Kräftemessen.


Bereits beim Saisonfinale von Freitag bis Sonntag in Valencia kommt es zum Königsklassen-Debüt von KTM. “Das ist ein historischer Moment für uns alle”, kommentiert Motocross-Legende Heinz Kinigadner den Einstieg in die MotoGP rund um den italienischen Superstar “VR46” Rossi. Dabei ist “Kini” eigentlich der Spezialist fürs Grobe – der Name des Motocross-Weltmeisters ist in Österreich untrennbar mit der Wüstenrallye Paris-Dakar verbunden, die der Tiroler KTM-Pilot zwar knapp nie gewonnen hat, aber deren Boden einmal heftig von ihm geküsst wurde.

15 Mal en suite haben die Oberösterreicher die legendärste Rallye der Welt mit ihren orangen Motocross-Bikes gewonnen, der jüngste Sieg ist noch taufrisch: Zu Jahresbeginn zeigte der Australier Toby Price in der argentinischen Wüste – zwischen Paris und dem afrikanischen Dakar wurde zuletzt 2001 gefahren, seit 2009 nur noch in Südamerika – allen anderen den Auspuff.

KTM auch jetzt schon auf Asphalt erfolgreich

Ganz neu ist der Asphalt den Mattighofnern mit ihrem Leitspruch “Ready to Race” nicht. 2012 gaben sie nach zwei Jahren Absenz ihr WM-Comeback in der Moto3, die die Klasse bis 125 ccm ablöste – und wie: Gleich im Premierenjahr wurde der Gewinn der Weltmeisterschaft eingefahren und im Folgejahr erfolgreich verteidigt. Auch heuer stellt KTM mit dem Südafrikaner Brad Binder wieder den Moto3-Champion.

RC16 bringt 270 PS auf die Strecke

In die MotoGP starten die Mattighofner mit der orangen RC16, gefahren von Pol Aspargaro aus Spanien und dem Engländer Bradley Smith. Beim Debüt in Valencia kommt allerdings dem finnischen Testpiloten Mika Kallio die Aufgabe zu, das Bike sicher ins Ziel zu bringen. Zumindest 270 PS soll der V4-Motor mit Stahlrohrrahmen leisten.

MotoGP-Abenteuer kostet 15 Millionen Euro

“Als Nummer eins Europas ist es eine Verpflichtung, so einen großen Schritt zu tun”, erklärte KTM-Chef Stefan Pierer bei der Präsentation des Bikes und machte klar, dass man auch in der Motorrad-Königsklasse alle anderen abhängen will. Dafür nehmen die Oberösterreicher gut 15 Millionen Euro für den Rennbetrieb in die Hand.

Das Geld dafür ist da, wie ein Blick in die Jahresbilanz 2015 zeigt: Das Vorsteuerergebnis lag bei 85 Mio. Euro, ein Plus von 21 Prozent gegenüber 2014. Und damit die Motorradschmiede richtig Gas geben kann, sind auch genug flüssige Mittel vorhanden: Der Free Cash Flow explodierte im Vorjahr um 140 Prozent auf 24 Mio. Euro.

Mattighofener wollen weiter wachsen

Ziel ist es laut Pierer, die 300.000 Stück-Marke beim Jahresabsatz zu überwinden, daran arbeiteten zuletzt 2.515 Mitarbeiter (davon 94 Lehrlinge), ein Zuwachs im Jahresabstand von 17 Prozent. 400 davon sind im Ausland beschäftigt. Beim Umsatz wurde im Vorjahr die Ein-Milliarden-Euro-Schwelle überschritten.

Und es wird weiter investiert. Um 25 Mio. Euro wird die Forschung in Mattighofen 2017 ausgebaut, mittelfristig werden rund 100 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Dachmarke des Konzerns ist die KTM AG, die 2003 an die Wiener Börse ging. Zum Konzern gehört auch die traditionsreiche schwedische Marke Husqvarna. Weiters baut KTM auch einen Roadster “X-Bow” und besitzt Immobilien, die in eine eigene Tochter ausgelagert sind. 51 Prozent der “Kronreif, Trunkenpolz, Mattighofen”, so der ursprüngliche Name, befinden sich im Besitz der Cross Industries von Pierer, 48 Prozent hält die indische Bajaj Auto International.

Seit 2007 entwickelt KTM mit Bajaj gemeinsam Straßenmotorrad-Einsteigermodelle mit einem Hubraum von 125 bis 390 ccm, die in Indien produziert und unter dem Markennamen durch beide Unternehmen vertrieben werden. Der asiatische Raum ist für Pierer, neben Nordamerika, der große Hoffnungsmarkt der Zukunft.

(APA)

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