Motorrad: MotoGP für KTM-Chef als “größte Herausforderung”

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KTM-CEO Stefan Pierer bei der RC-16-Präsentation in Spielberg.
KTM-CEO Stefan Pierer bei der RC-16-Präsentation in Spielberg. - © APA/Scheriau/Archiv
KTM-CEO Stefan Pierer fiebert dem WM-Debüt in der MotoGP, der Motorrad-Königsklasse entgegen. Es sei ein “historisches Ereignis für uns”, meint Pierer. Hier lest ihr das volle Interview.


APA: Mit welchem Gefühl fliegen Sie zum WM-Start nach Katar, wo KTM mit der RC16 erstmals in eine komplette Saison der Motorrad-Königsklasse MotoGP startet?

Pierer: “Ich freue mich. Es ist ein aufregendes, historisches Ereignis für uns. Auch wenn es womöglich regnen wird. Aber vielleicht ist das eh nicht schlecht für uns.”

APA: KTM hat bereits Riesenerfolge im Offroad-Bereich und den kleineren Straßen-Klassen eingefahren. Ist der Einstieg jetzt in die MotoGP die bisher größte Herausforderung?

Pierer: “Von der jetzigen Situation her sicher. Es ist ein bisschen wie damals, als es das Größte war, an der Dakar teilzunehmen und sie irgendwann auch zu gewinnen. Das hat auch Jahre gedauert.”

“Die ersten drei Jahre werden hart”

APA: Sie haben auch in der MotoGP hochgesetzte Erwartungen, wollen letztlich irgendwann sogar Weltmeister werden. Angeblich, selbst wenn es dafür zehn Jahre brauchen sollte. Stimmt das?

Pierer: “Genau so ist es. Aber die ersten drei Jahre werden hart, vor allem das erste wird ein Lernjahr. Wir beginnen ja überall bei Null, haben keine Referenzpunkte auf den Rennstrecken und müssen überall Daten sammeln, die du erst ein Jahr später referenzieren kannst. Es gibt aber mit Suzuki einen Mitbewerber, der das nicht schlecht gemacht hat. Dort hat man auch im ersten Jahr viel Lehrgeld gezahlt, war im zweiten anspruchsvoll unterwegs und hat im dritten Jahr bereits Podiums produziert. Diese Benchmark gilt auch für uns. Man darf zudem nicht übersehen, dass wir 2017 auch in der Moto2 neu eintreten. Dort geht es aber wegen des Standardmotors schneller, dort sind wir aus dem Stand dabei.”

APA: Warum ist gerade die MotoGP so wichtig, wenn es darum geht, Straßen-Motorräder zu verkaufen?

Pierer: “50 Prozent unserer Absatzes sind Straßenmotorräder, und wir haben ein weiteres, extremes Wachstum geplant. Wir sind beim Sport-Motorrad die Nummer eins in Europa und wollen Nummer drei der Welt werden. Da heißt es, mit den japanischen Mitbewerbern in den Ring zu steigen. Das wird uns auch in den Schwellenmärkten wie Asien oder Lateinamerika extrem helfen. Dort ist die Motorrad-Zielgruppe sehr rennsportaffin.”

APA: Haben Sie bei der Expansion oder dem MotoGP-Abenteuer vor irgendetwas Angst?

Pierer (lacht): “Nach 25 Jahren ‘Ready to Race’ habe ich alles erlebt. Momentan arbeiten 70 Personen an der MotoGP. Wir sind also aufgestellt, nehmen die Herausforderung an. Wir wissen, es wird hart werden. Wir sind Rückschläge gewohnt, aufgeben tun wir nicht.”

APA: Was hat Sie als Sanierer nach der seinerzeitigen KTM-Rettung eigentlich bewogen, nicht wie geplant zu verkaufen, sondern dabei zu bleiben?

Pierer: “Es ist natürlich das Produkt, das einen bindet. Die Emotion, die in diesem Geschäft ist. Vor allem bei so einer Marke, da kommt auch die Liebe dazu. Da bleibst du einfach dabei, es gibt nichts Schöneres.”

Freundschaftliche Unterstützung von Red Bull

APA: Sie sind wie Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz Obersteirer und stark im Motorsport engagiert. Sind diese Parallelen zufällig?

Pierer: “Das ist eher eine Zufälligkeit. Ebenso, dass wir uns beide vor über 30 Jahren unabhängig voneinander selbstständig gemacht haben und Unternehmer geworden sind. Letztlich ist über die Verbindung Heinz Kinigadner eine Freundschaft entstanden. Die beiden Marken ergänzen sich hervorragend, vor allem in der Motorsportwelt. Immer wenn KTM Rennfahren geht, ist Red Bull dabei und umgekehrt. Für uns ist das nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern auch eine freundschaftliche, emotionale Verbindung. Zwei österreichische Marken, die die Welt erobern. Nur dass uns Red Bull eine Spur voraus ist (lacht). Aber wir bleiben dabei.”

APA: Haben Sie einen Plan, wie lange Sie das mit KTM machen werden?

Pierer: “Ich habe noch nie auf zehn Jahre geplant. Aber natürlich ist die nächste Fünfjahresperiode mittelfristig schon ganz klar aufgesetzt. Was danach kommt, wird man sehen. Ich bin als Unternehmer dem Ganzen mehrheitlich verbunden und habe auch eine soziale Verantwortung. Wir haben in der Gruppe 5.000 Mitarbeiter, das ist zu berücksichtigen.”

APA: Es gibt im internationalen Motorsport kaum noch österreichische Fahrer. Warum ist das so, und würden Sie gerne mehr sehen?

Pierer: “Sowohl wir als auch Red Bull haben eine Exportquote von 97 Prozent, davon 50 Prozent außerhalb Europas. Wir müssen in den wichtigen Märkten präsent sein, deshalb haben wir einen Spanier und einen Engländer, weil das traditionelle Motorradländer sind. Natürlich wär’s dennoch super, einen Österreicher zu haben. Deshalb sind wir auch froh, dass wir Matthias Walkner nach dem WM-Titel so gut in der Rallye-Szene integrieren konnten. Aber das sind Einzelfälle, weil bei uns Motorsport nicht die Tradition hat wie in Italien oder Spanien.”

KTM-Chef schraubt Erwartungen vor Saisonstart herab

APA: Was erhoffen oder erwarten Sie beim WM-Auftakt in Doha?

Pierer: “Bei der MotoGP habe ich zunächst keine großen Erwartungen, wir sind wie gesagt bereit für die Lernkurve. Erwartungen habe ich ein bisschen in der Moto2, das geht etwas unter. Dort sind wir aus dem Stand bei den Zeiten ganz vorne dabei und haben einen guten Fahrer zurückgeholt. In der Moto3 sind wir mit Honda sowieso die dominierende Marke, da wird es zur Sache gehen.”

Zur Person: Stefan Pierer, geboren am 25. November 1956 in Etmißl bei Aflenz in der Steiermark. Studium an der Montanuniversität Leoben (Hüttenwesen), danach Tätigkeit beim Heizungshersteller Hoval sowie Erfahrungen bei Firmensanierungen. 1987 gründete der Familienvater die Beteiligungsgesellschaft Cross Industries. Anfang der 1990er-Jahre kaufte Pierer den insolventen Motorradhersteller KTM (Mattighofen). Seit 2012 ist KTM Nummer eins in Europa. Pierer bezeichnet Oberösterreich als seine unternehmerische und persönliche Heimat.

(APA)

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