Die Zahl der Tonnen entspricht jener Menge an Lebensmitteln, die in der Stadt binnen sechs Stunden weggeworfen werden. - © APA/Gindl
Die Zahl der Tonnen beim Mülltonnenkonvoi entspricht jener Menge an Lebensmitteln, die in der Stadt binnen sechs Stunden weggeworfen werden.
“Jeden einzelnen Tag werden in der Stadt Salzburg rund zwölf Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. Das sind angebrochene, aber noch genussfähige Packungen, noch originalverpackte oder eben erst abgelaufene Lebensmittel”, sagte Walter Galehr vom Abfallservice der Stadt. Mit der Menge an Essbarem, die in der Stadt jedes Jahr in den Mülltonnen verschwindet, ließe sich etwa die 10.000-Einwohner-Stadt Seekirchen komplett versorgen.
Dabei ist das Ergebnis einer Abfallanalyse noch eine vorsichtige Schätzung: Erfasst wurden nämlich nur die Lebensmittel im Restmüll. Alles, was in der Biotonne entsorgt oder über das Klo in den Kanal gespült wird, dürfte diese Menge noch einmal erhöhen.
Zudem hätte sich gezeigt, dass jeder Haushalt im Jahr Lebensmittel im Wert vor 380 bis 390 Euro wegwirft. “Das ist etwa der doppelte Betrag, den Bürger an Müllgebühren zahlen”, so Galehr. Wenn weniger weggeschmissen wird, könnte die Müllabfuhr nur alle 14 Tage und nicht jede Woche ausrücken oder kleinere Tonnen bereitstellen. Die damit verbundene Gebührenersparnis (zwischen 40 und 200 Euro im Jahr) kommt in der Regel aber nicht gegen die Bequemlichkeit an.
Am häufigsten weggeworfen werden übrigens Molkereiprodukte und Eier, Gemüse, Fleisch, Konserven sowie Brot und Gepäck. Das Problem ist dabei keines der Landeshauptstadt alleine, laut der Beantwortung einer Landtagsanfrage im März 2011 dürfte die Wegwerf-Mentalität bei Lebensmitteln am Land aber etwas weniger stark ausgeprägt sein.
Dass Lebensmittel im Restmüll entsorgt werden, dürfte viele Ursachen haben. Gefragt seien in erster Linie die Konsumenten. “Ich kann nur an die Leute appellieren, bewusster einzukaufen. Zu schauen, was noch im Kühlschrank ist, und nur das zu kaufen, was sie brauchen. Man sollte nicht jeder Verlockung, etwa ‘Zahl zwei, nimm drei’-Angeboten, erliegen”, sagte Galehr. Allerdings müsse auch der Handel in die Pflicht genommen werden. “Man muss dem Kunden nicht bis 19.00 Uhr am Abend volle Regale bieten.”
Zugleich machte ein bei der Demonstration ausgeteilter Flyer darauf aufmerksam, dass das auf Verpackungen angegebene Mindesthaltbarkeitsdatum nicht automatisch das Ende der Genießbarkeit bedeutet – es sei nur eine Garantieerklärung des Herstellers. Die meisten Lebensmittel (ausgenommen Fleisch und leicht verderbliche Lebensmittel) blieben länger genussfähig.
Der Mülltonnen-Zug am Donnerstag war der Auftakt zu den Aktionstagen “Lebensmittel sind kostbar”, die noch bis zum 25. Oktober mit Vorträgen, Filmvorführungen und Diskussionsrunden auf das Thema aufmerksam machen. Die Aktion wird von Stadt und Land Salzburg, der Landwirtschaftskammer und einer Reihe von NGOs unterstützt.