mumok: Feministische Avantgarde, Begehren, Naturgeschichten

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Direktorin Karola Kraus mit abgelaufenem Jahr zufrieden
Direktorin Karola Kraus mit abgelaufenem Jahr zufrieden - © APA
Politische Naturgeschichten, Sinnlichkeit und Begehrensräume sowie Musikalisches im musealen Kontext präsentiert das Wiener mumok 2017. Das Ausstellungsprogramm der kommenden Monate umfasst dabei junge heimische Positionen ebenso wie die feministische Avantgarde der 70er oder die Frage nach der Definition von Leben. Erfreut zeigte sich Direktorin Karola Kraus auch über das abgelaufene Jahr.

“Obwohl sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Museen in den letzten Jahren maßgeblich verändert haben, konnten wir große Erfolge feiern”, erläuterte sie am Donnerstag bei der Jahrespressekonferenz. So wurden die Rekordbesucherzahlen des Jahres 2015 gehalten (es waren rund 210.000) und außerdem die höchsten Ticketeinnahmen seit der Ausgliederung erzielt. Dennoch forderte Kraus zum wiederholten Mal eine Erhöhung der Basisabgeltung und sieht das mumok ansonsten “bedroht”.

Ein Blick in die Sammlung des Museums moderner Kunst Stiftung Ludwig wird in nächster Zeit gleich mehrfach gewährt: So wird die Künstlerin Jakob Lena Knebl für “Oh…” (ab 17. März) eigene Arbeiten mit Werken daraus verschränken und weitere zeitgenössische Positionen einladen. Ihr gehe es allen voran um “Sinnlichkeit und Begehrensräume”, betonte sie. “Es wird Chrom geben und wunderbare Stoffe. Und es wird viel Haut gezeigt werden.” Am selben Tag startet auch eine Personale zur britischen Künstlerin Hannah Black, die sich mit biologischen Zellen sowie dem Unterschied zwischen Leben und Nicht-Leben auseinandersetzt.

Hier finden sich auch Anknüpfungspunkte zur Gruppenausstellung “Woman”, die ab 6. Mai die feministische Avantgarde der 70er Jahre in den Fokus rückt. Dabei seien nicht nur bekannte Vertreterinnen wie Cindy Sherman oder Birgit Jürgenssen, sondern auch “viele Unbekannte zu entdecken”, erklärte Kuratorin und Verbund-Sammlungschefin Gabriele Schor. “Mit dieser Schau wollen wir die Kunstgeschichte umschreiben.” Seit 2010 ist die Ausstellungsreihe bereits unterwegs, das mumok bildet die siebente Station. Aus rund 600 Werken habe man dafür knapp 300 ausgewählt.

Personale und Sammlungspräsentation werden bei Martin Beck verknüpft: Einerseits begegnet man dem Werk des österreichischen Künstlers in “rumors and murmurs”, andererseits wird der gebürtige Vorarlberger für “watching sugar dissolve in a glass of water” selbst als Kurator tätig sein und Sammlungsarbeiten auf sein eigenes Oeuvre beziehen (jeweils ab 6. Mai). Der oft durchlässigen Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem nähert sich das Musik- und Performanceduo Fischerspooner in “Sir” (ab 30. Juni): Die Schau bezieht ihren Titel vom aktuellen vierten Album der New Yorker, die Experimentelles in die Welt des Pop übersetzen und für das mumok eine Rauminstallation anfertigen.

Abgerundet wird das Jahresprogramm mit der Ausstellung “Naturgeschichten” (ab 22. September), die künstlerische (und oft sehr politische) Ansätze jenseits von Geschichtsverklärung oder Naturidylle vor Augen führt, sowie der Schau “Kunst ins Leben!” (ab 10. November), die sich dem Sammler Wolfgang Hahn widmet. Damit gelingt gewissermaßen auch der Sprung in die Gegenwart, wurde doch die Schenkung der Friedrich-Kiesler-Sammlung des Ehepaars Gertraud und Dieter Bogner an das mumok heute bekanntgegeben. Die Werke werden weiterhin in der Kiesler-Privatstiftung als Dauerleihgabe zu sehen sein.

Fortgeführt wird 2017 der “Kapsch Contemporary Art Prize” für junge in Österreich arbeitende Künstler, der heuer damit zum zweiten Mal vergeben wird. Und vor dem mumok Kino finden die Besucher ab dem Frühjahr das “Cafe Hansi” von Hans Schabus, die man 2015 ankaufen konnte. Darin kann man sich künftig bei allerlei Getränken im Anblick von Hans-Devotionalien verlieren.

(APA)

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