Nachhaltigkeit von E-Autos: Kratzer am Saubermann-Image?

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Tesla ist einer der großen Player am E-Auto-Markt.
Tesla ist einer der großen Player am E-Auto-Markt. - © APA/AFP/Archiv
E-Autos können alles: Schnell sein, stylish und auch noch sauber. So zumindest das Bild, das Hersteller und Politiker im Versuch, möglichst viele dieser Fahrzeuge auf die Straße zu bringen, vermitteln wollen. Eine Suche nach den grauen Flecken auf der weißen Weste.




Martin Kappacher steigt in den Wagen, drückt den Schlüssel ins Zündschloss und – nichts passiert. Ein Tritt aufs Gaspedal lässt das Fahrzeug zum Leben erwecken. Fast lautlos zischt es davon. Nach einem anfangs komischen Gefühl ist der Unternehmer nach seiner ersten Ausfahrt mit einem E-Auto überzeugt: So sieht wohl die Zukunft des Autofahrens aus. In Sachen Fahreigenschaften und Reichweite haben E-Autos in den letzten Jahren Riesenschritte gemacht und werden bei Kunden immer beliebter. Aber sind E-Mobile wirklich so sauber und nachhaltig wie das Image, das ihnen vorauseilt?

„E-Autos lösen nicht alle Probleme“

Knapp 10.800 elektrisch betriebene Vehikel (EV) rollen derzeit durch Österreich. Der Marktanteil ist mit 0,2 bis 0,3 Prozent zwar noch verschwindend gering. Allein von Jänner bis Mai 2017 wurden nach Zahlen der Statistik Austria aber mehr als 2.000 E-Fahrzeuge zugelassen. Die Stromer sind beliebt und haben ein sauberes Image. Aber: „E-Autos lösen nicht alle Probleme“, meint der Umwelttechniker Thomas Brandhuber vom Umwelt Service Salzburg im Gespräch mit SALZBURG24.

Denn auch E-Fahrzeuge produzieren Emissionen. Feinstaub etwa entsteht durch Reifen- und Bremsabrieb, auf der Straße liegende Partikel wirbeln auch EV auf. Auch die Produktion von Elektromobilen läuft nicht, ohne Schadstoffe in die Luft zu blasen. Hier schneiden sie sogar schlechter ab als ihre Kollegen mit Verbrennungsmotor. Der Emissionsausstoß ist fast doppelt so groß wie bei einem Benziner und drei Viertel höher als bei einem Dieselfahrzeug, heißt es in einer Studie der TU Dresden. Muss der Akku nachträglich gewechselt werden, steigt der gesamte Energieaufwand um weitere 43 Prozent.

Der CO2-Rucksack von Elektrofahrzeugen und wie er ausgeglichen wird

Durch den Energieaufwand bei der Herstellung startet ein elektrischer Pkw mit einem CO2-Rucksack in sein Autoleben. Auf der Straße ist das E-Auto effizienter als ein Verbrenner. Es stößt keine Treibhausgase, keine Stickoxide und kein Kohlenmonoxid aus. Wie lange es dauert, den Emissionsrückstand aus der Herstellung aufzuholen, ist stark vom Standort abhängig, wo der Strom getankt wird. In Österreich, wo im Schnitt etwa zwei Drittel Ökostrom aus der Steckdose fließen, ist ein E-Auto nach etwa 30.000 Kilometern sauberer als ein Benziner, nach etwa 60.000 Kilometern ist der Diesel eingeholt. Das lässt sich aus verschiedenen Berechnungen ableiten, die den gesamten Produktzyklus miteinberechnen, rechnet etwa Krautreporter vor. Noch sauberer gehe es in Salzburg, erklärt Brandhuber. Ökostromtarife würden zu hundert Prozent aus erneuerbaren Quellen gespeist – und darauf haben Kunden selbst Einfluss.

Die Sache mit dem Ökostrom

Aus der Steckdose kommt überall der gleiche Strom. Rein physikalisch gesehen sei das jener, der in der Nähe produziert wird, erklärt Brandhuber. Aber: „Wenn ich in Ökostrom-Produkt habe, unterstütze ich keinen Atomstrom“, meint der Techniker. Denn auch Strom muss Kunden finden. Jede Megawattstunde werde an der Börse gehandelt. Wenn alle Kunden grünen Strom kaufen würden, gäbe es für die Energie aus fossilen Quellen oder von Atomkraftwerken keine Abnehmer. Es würde für Produzenten dann auch keinen Sinn mehr machen, ihn weiter herzustellen.

In Summe steigt das Elektroauto in Österreich also gut aus: Bei Treibhausgasen stehen E-Auto mit etwa 80 Gramm pro Kilometer die knapp 200 bzw. mehr als 250 Gramm bei Diesel und Benzinern gegenüber, geht aus einem Bericht des Umweltbundesamtes hervor. Ganz anders würde das etwa in China aussehen. Weil dort der Strom überwiegend aus Kohlekraftwerken kommt, schneiden E-Mobile in der CO2-Bilanz schlechter ab als Fahrzeuge mit konventionellem Motor. In Deutschland, wo viel Kohle für die Stromerzeugung verbrannt wird, würde es zumindest doppelt so lange wie in Österreich dauern, den CO2-Rucksack zu kompensieren. Ob ein E-Auto nachhaltig ist, hängt also wesentlich von der Stromquelle ab.

Recycling: Was passiert nach dem E-Autoleben?

Eine weitere große Frage im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit stellt sich nach dem Lebensende eines Elektrofahrzeugs. Die Emissionen, die beim Recyceln von Fahrzeugen entstehen, seien zu vernachlässigen, auch wesentliche Unterschiede zwischen den Antriebsarten bestünden kaum, berichtet Krautreporter. Die Datenlage sei aber schwierig, Vergleiche daher kaum zulässig, lässt sich aus dem Bericht Umweltbundesamts ergänzen. Eines steht aber fest: E-Autos sind durch den Akku im Nachteil. Bei BMW versucht man daher, den Batterien ein zweites Leben zu geben und nutzt sie etwa als Energiespeicher, wie Sprecher Michael Ebner erklärt. Auch die Rohstoffe sollen sich prinzipiell gut wiederverwerten lassen.

Wie viel Zukunft steckt in den Stromfahrzeugen?

Wie sieht die Zukunft der Elektromobilität aus? „Da wird die nächsten Jahre viel passieren. Aber nicht alle Fahrten werden wir ersetzen können“, so der Energietechniker Brandhuber. Und: „Die E-Mobilität löst unser Verkehrsproblem nicht.“ Hier gibt es sogenannte Rebound-Effekte. Fahrzeuge werden dann etwa häufiger genutzt, wenn die Betriebskosten geringer sind.

Martin Kappacher, der Unternehmer, hat den Umstieg auf ein E-Auto schon geplant. Ein Tesla 3 ist schon vorbestellt. Der Umweltgedanke alleine spielt dabei nicht die vorrangige Rolle. Die Entscheidung brachte eine Excel-Tabelle, bei der unterm Strich ein Vorteil für das Elektrovehikel heraus kam. Und für ihn ist das Fahrerlebnis wichtig: „Niemand will mit einer langsamen Gurke fahren.“ Die Tage seines Dieselwagens sind auf jeden Fall schon gezählt.

 

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