Nachhaltigkeitsberichte für Unternehmen ab 2017 Pflicht

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Brandstetter schickte den Gesetzesentwurf in Begutachtung
Brandstetter schickte den Gesetzesentwurf in Begutachtung - © APA
Große Unternehmen müssen bald über ihre Umwelt- und Sozialmaßnahmen, Menschenrechte sowie Korruptionsbekämpfungsmaßnahmen berichten. Das sieht eine EU-Richtlinie vor, in Österreich ist ein Gesetzesentwurf gerade in Begutachtung. Hierzulande gelten die neuen Regeln für 120 Konzerne. Bisher haben die Austro-Firmen mit Nachhaltigkeitsberichten nicht geglänzt. Eine EY-Studie sieht großen Aufholbedarf.

Im Jahr 2015 veröffentlichte nur jedes zweite Börsenschwergewicht (im ATX-Prime notiert) einen Nachhaltigkeitsbericht. Die Hälfte würde also den bereits 2017 in Kraft tretenden Berichtspflichten nicht entsprechen.

Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) hat kürzlich das Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz in Begutachtung geschickt. Damit sollen Konzerne, die im öffentlichen Interesse stehen und über 500 Mitarbeiter beschäftigen, verpflichtet werden, Umwelt- und Sozialstandards sowie Korruptionsbekämpfungsmaßnahmen bekannt zu geben. Bis Montag können Stellungnahmen zu dem Gesetzesentwurf abgegeben werden. Weiters müssen große Aktiengesellschaften, die zur Erstellung eines Corporate-Governance-Berichts verpflichtet sind, ihr Diversitätskonzept genau beschreiben.

Die großen Firmen können ihre “nichtfinanziellen” Informationen entweder im Lagebericht oder in einem separaten Bericht veröffentlichen. Die Abschlussprüfer müssen sich den Nachhaltigkeitsbericht nicht inhaltlich ansehen, sondern nur bestätigen, dass es ihn gibt.

Laut dem Beratungskonzern EY haben in Österreich staatliche und teilstaatliche Unternehmen noch größeren Nachholbedarf als börsennotierte. Die Situation hat sich sogar verschlechtert: Von den 19 Unternehmen, die zu mehr als 50 Prozent in öffentlichem Besitz sind und mehr als 500 Mio. Euro Jahresumsatz machen, haben 2015 nur 32 Prozent einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Im Jahr davor waren es noch 47 Prozent gewesen. Damit fielen Unternehmen in Staatshand erstmals hinter ATX-Prime-Konzerne zurück.

Besonders viel tun muss die Versicherungsbranche, die sich EY genauer angesehen hat. “Die Offenlegung bzw. Berichterstattung über Nachhaltigkeitsthemen scheint noch kein Thema in der Versicherungsbranche zu sein. Kein einziger großer Versicherer hat im letzten Jahr annähernd ausreichend Informationen vorgelegt, die den Anforderungen der NFI-Richtlinie entsprechen”, so EY-Partnerin Brigitte Frey.

Von den Top-100-Unternehmen Österreichs hat 2015 nur jedes vierte einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt.

(APA)

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