Nationalfeiertag heuer ohne Bundespräsident

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Doris Bures übernimmt dieses Jahr die Rekruten-Angelobung
Doris Bures übernimmt dieses Jahr die Rekruten-Angelobung - © APA
Der Nationalfeiertag 2016 hat ein paar Besonderheiten geboten, am auffälligsten war wohl die Angelobung der Rekruten am Heldenplatz ohne amtierenden Bundespräsidenten. Eine Neuerung bot sich den wie immer zahlreichen Besuchern auch im Parlament, denn beim vor dem Umbau letzten Tag der Offenen Tür gab es umfangreiches Kulturprogramm im Hohen Haus.

Zwar fanden sich zur Angelobung neben der Bundesregierung mit Heinz Fischer ein Alt-Bundespräsident und mit Alexander Van der Bellen auch ein Präsidentschaftskandidat am Mittwochvormittag am Heldenplatz ein. Dass es derzeit formell kein Staatsoberhaupt gibt, stellte die Hüter des Protokolls allerdings vor so manche Herausforderung. Die Lücke füllten letztlich Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ), die statt des Bundespräsidenten die Festansprache hielt, und Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ), an den der Formalakt der “Meldung” erging.

Kern: Österreichs Erfolg von Gemeinschaft geprägt

Begonnen hat der Nationalfeiertag mit der Kranzniederlegung beim Äußeren Burgtor zum Gedenken an die toten Soldaten und Opfer des Widerstands. Seit vergangenem Jahr werden die Kränze als Teil der neuen Gedenkkultur vor und nicht mehr in der Krypta niedergelegt.

Bundeskanzler Kern sprach sich danach in seiner Rede bei der Rekruten-Angelobung gegen Polarisierung aus: “Wir müssen alle gemeinsam an einem rot-weiß-roten Strang ziehen”, betonte er. “Österreich ist kein Land, in dem der stärkere Ellenbogen zählt, Österreichs Erfolgsgeschichte wird von der Gemeinschaft geschrieben.” Wohl auch in Richtung FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der zuletzt gar vor einem Bürgerkrieg gewarnt hatte, meinte der Kanzler: “Polarisierung wirft uns zurück, Spaltung gefährdet den Zusammenhalt, deshalb müssen wir sie gemeinsam überwinden.” Sonst hätten Demagogen ein leichtes Spiel. “Die Verrohung der Sprache ist ein Zeichen, das wir mit Sorge sehen müssen”, denn der Weg zu einer Gewalt der Taten sei kurz.

Bures ermutigt Frauen zum Heer zu gehen

Bures hob in ihrer Ansprache etwa das Ziel, mehr Frauen zum Militär zu bringen, hervor: “Mögen viele Frauen (…) die Männerbastion Bundesheer erobern.” Und auch Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) zeigte sich stolz, dass unter den knapp 1.200 Rekruten auch 37 Frauen zum Ausbildungsdienst angelobt wurden.

In Aussendungen meldeten sich auch weitere Politiker zu Wort. So sprach sich etwa Vizekanzler und ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner dafür aus, dass die anstehenden Herausforderungen mit “Mut” angegangen werden; FPÖ-Chef hingegen warnte einmal mehr vor den Gefahren des Islamismus. Die Grünen forderten Investitionen in die Bildung.

Auch ein bisschen Wahlkampf am Nationalfeiertag

Die Präsidentschaftskandidaten nutzten den Nationalfeiertag auch für ein bisschen Wahlkampf. So empfing etwa FPÖ-Kandidat Norbert Hofer in seiner Funktion als Dritter Nationalratspräsident Besucher in seinem Büro im Parlament. Die Gespräche drehten sich dabei naturgemäß hauptsächlich um die Wahl am 4. Dezember. Van der Bellen wiederum schaute kurz am Heldenplatz vorbei, weil einer der angelobten Rekruten der Neffe seiner Frau war, und wurde dort ebenfalls von Fans belagert.

1,3 Millionen Besucher bei Leistungsschau des Bundesheeres

Die Leistungsschau fand heuer wegen Bauarbeiten aber nur teilweise am Heldenplatz statt, die Panzer und Hubschrauber konnten in der Innenstadt verteilt angeschaut werden. Im Bundesheer zeigte man sich mit dem neuen Konzept zufrieden, zählte man doch seit Samstag 1,3 Millionen Besucher.

Wie jedes Jahr öffneten zahlreiche Institutionen ihre Pforten, so hatte etwa im Bundeskanzleramt Regierungschef Kern einen “riesen Spaß” beim Empfangen von Besuchern. Beliebt wie immer war auch der Tag der Offenen Tür im Parlament, der aufgrund der bevorstehenden Generalsanierung vorerst zum letzten Mal im Haus am Ring stattfand. Gefeiert wurde mit Schauspiel und Musik zum Thema Demokratie: Neben den Darbietungen etwa im Historischen Sitzungssaal hatten die Besucher wieder die Möglichkeit, mit Abgeordneten zu plaudern oder sich selbst am Rednerpult im Plenum fotografieren zu lassen.

 (APA)

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