Neuer Bericht der Stadt Salzburg zerfetzt Stadtregionalbahn

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Bürgermeister Heinz Schaden fühlt sich bestätigt. Landesrat Hans Mayr hat bislang noch keine Stellungnahme zum neuen Bericht abgegeben.
Bürgermeister Heinz Schaden fühlt sich bestätigt. Landesrat Hans Mayr hat bislang noch keine Stellungnahme zum neuen Bericht abgegeben. - © APA
Die Mühlen in Salzburg mahlen langsam – vor allem was die seit Jahren diskutierte Stadtregionalbahn betrifft. Verkehrslandesrat Hans Mayr (SBG) bezeichnet das Projekt als „Quantensprung in der Salzburger Verkehrspolitik“. Doch jetzt schmettert ihm die Stadt Salzburg einen eigenen Bericht entgegen – mit neuen Zahlen. Diese sollen belegen, dass Mayrs Vision nicht nur viel teurer kommt, als gedacht, sondern auch das Weltkulturerbe Salzburg möglicherweise zerstören könnte.




Kaum Positives will der Salzburger Stadtbahnbeauftragte Willi Rehberg nach seiner Durchforstung zahlreicher Unterlagen und Studien zum Projekt der Stadtregionalbahn Salzburg finden. Der heute 81-Jährige wurde im Februar 2016 von der Stadt Salzburg beauftragt, ein „realistisches und unabhängig geprüftes Kostenbild für die Errichtung, die laufende Instandhaltung und den Betrieb einer ober- oder unterirdischen Bahn“ zu erstellen. Dieser Bericht wurde am Freitag veröffentlicht und steht für euch HIER zum Download bereit.

Kurz zusammengefasst widerspricht Rehberg in entscheidenden Punkten jener Studie, auf deren Aussagen sich das Land Salzburg, allen voran Mayr, stützt. Damit sieht sich Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) in seiner Haltung – er war nie ein Verfechter der Stadtregionalbahn– bestätigt. „Ich glaube nicht, dass wir da viel weiterdiskutieren müssen“, ist er sich nach der Lektüre des Stadt-Berichts am Freitag sicher.

Wir wollen euch hier die wichtigsten und vermutlich entscheidenden Ergebnisse des neuen Berichts kurz zusammenfassen.

Finanzierung der Stadtregionalbahn

Wie Landesrat Mayr im Jänner dieses Jahres gegenüber SALZBURG24 bestätigte, geht das Land Salzburg von einer Gesamtkostensumme von 870 Millionen Euro aus. Darunter fallen die Baukosten von 530 Millionen Euro, die Inflation über die Jahre der Bauzeit und ein 25-prozentiger Risikozuschlag. Zahlt der Bund die Hälfte, würden bei einer Finanzierung über 35 Jahre jährlich 20 Millionen Euro bleiben, die sich Stadt und Land teilen müssten, sagte Mayr. Der Akt liege zu Zeit noch beim Finanzministerium, eine Entscheidung wurde für dieses Frühjahr angekündigt.

Nicht ganz so einfach sieht das Salzburgs Stadtbahnbeauftragter: Rehberg kritisiert die Schätzung der Baukosten von 148 Millionen Euro für einen Kilometer der benötigten 3.300 Meter langen unterirdischen Trasse. Als Vergleichswerte zieht der Experte die Kosten aus anderen Städten heran. So kam etwa Karlsruhe auf einen Betrag von 250 Millionen, München auf 275 Millionen und Wien auf 240 Millionen Euro pro Tunnelkilometer, heißt es in dem Bericht. Dazu kämen die Instandhaltungskosten von 15,8 Millionen Euro pro Jahr. Diese seien in der vom Land beauftragten Studie (Herbrich-Studie) nicht berücksichtigt worden, lautet die Kritik.

Planungsvarianten der Herbrich-Studie./Stadt Salzburg Planungsvarianten der Herbrich-Studie./Stadt Salzburg ©

Rehberg: Stadtregionalbahn kostet 1,5 Mrd.

Das bedeute, die Errichtungs- sowie Instanthaltungskosten einer Stadtregionalbahn würden Stadt und Land Salzburg während der Jahre 2030 bis 2065 demnach durchschnittlich 42 Millionen Euro jährlich kosten, rechnet Rehberg vor. Er geht von einer Gesamtbelastung von 1,475 Milliarden Euro aus:

  • Kreditbetrag: 624 Millionen Euro
  • Zinsen 281 Millionen Euro
  • Kreditbetrag mit Zinsen 905 Millionen Euro
  • Instandhaltung (indexiert) 570 Millionen Euro

In diesem Zusammenhang verweist der Experte auf weitere Ungereimtheiten in der Herbrich-Studie und listet unter anderem folgende Punkte auf, die offenbar nicht berücksichtigt wurden bzw. nicht mehr aktuell sind:

  1. Angaben über Kosten für Betrieb, Wartung und Instandhaltung fehlen
  2. Verkehrswirtschaftliche Bewertung veraltet
  3. Aussagen oder Berechnungen zu Rettungskonzept, Belüftungskonzept und Barrierefreiheit fehlen
  4. Planungen der unterirdischen Durchqueren basieren auf dem Stand von 1997 mit veralteten Sicherheitsvorschriften
  5. Einschränkungen und Erreichbarkeit der Altstadt während Bauzeit nicht berücksichtigt

Baurisiken in der Stadt Salzburg

Als eines der größten Risiken identifiziert Rehberg den Baugrund im Salzburger Seeton. Der Seeton ist in der gesamten Trassenführung durch die Stadt Salzburg (bis auf den Mönchsberg) anzutreffen. Die Überlagerung mit Kies und Sand beträgt laut Geologen sechs bis acht Meter, wobei die Grundwasserschwankungen mehrere Meter betragen können.

Im Zentrum der Stadt seien die geologischen Verhältnisse für einen Tunnelbau denkbar ungünstig, so der Stadtbahnbeauftragte. „Erfahrene Fachleute weisen auf die Gefahren durch Setzungen und Erschütterungen für historische Gebäude hin“, heißt es in dem aktuellen Bericht. Das Risiko von Setzungen sei nicht abschätzbar und werde daher erst nach fünf bis zehn Jahren sichtbar.

Leben in der Innenstadt während Bauzeit

Die Stadtregionalbahn benötigt eine geschätzte Bauzeit von fünf bis acht Jahren. In dieser Zeit sei mit massiven Verkehrsbehinderungen für Autofahrer, Fahrradfahrer und Öffis zu rechnen – ein wesentlicher Punkt, der vom Land Salzburg so gut wie nicht berücksichtigt wurde, heißt es. „Es ist davon auszugehen, dass manche Betriebe um ihr wirtschaftliches Überleben zu kämpfen hätten“, lautet die Warnung der Stadt Salzburg.

Wird der Verkehr entlastet?

Geht es nach Landesrat Mayr lässt sich das Verkehrsproblem in der Landeshauptstadt mit einer Stadtregionalbahn langfristig lösen. Auch dieser Aussage wiederspricht Willi Rehberg: Durch die Bahn würden nämlich insgesamt nur run 1,5 Millionen Pkw-Fahrten in der Stadt Salzburg pro Jahr vermieden werden, also 5.000 Autofahrten am Tag. Das entspricht der Anzahl der Parkplätze im Europark. Eine deutliche Verkehrsentlastung dürfte damit kaum realisierbar sein, heißt es.

Insgesamt betrachtet kommt die Stadtregionalbahn in dem Rehberg-Bericht auf ein vernichtendes Ergebnis. Für die Stadt Salzburg scheint das Thema somit gegessen: Zu viel Geld für zu wenig Nutzen. Der Bericht wird am Montag dem Stadtsenat vorgelegt und dort diskutiert.

Rehberg soll laut Hans Mayr “Projekt vernichten”

Verkehrslandesrat Hans Mayr konnte sich zum Bericht inhaltlich noch nicht äußern, weil er diesen trotz mehrfacher Anfrage nicht erhalten habe. “Es war von Anfang an klar, dass Rehberg den Auftrag hatte, das Projekt zu vernichten”, so der Landesrat zur APA.

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