Neues Erdbeben in Mittelitalien mit Magnitude 6,5

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Retter bergen Verletzte aus den Trümmern.
Retter bergen Verletzte aus den Trümmern. - © APA/AFP

Die Furcht vor Erdbeben nimmt für Mittelitalien kein Ende. Vier Tage nach den schweren Erdstößen vom vergangenen Mittwoch sind die Regionen Marken und Umbrien erneut von einem starken Beben heimgesucht worden. Das Epizentrum des Erdbebens mit der Magnitude 6,5 auf der Richterskala lag unweit der umbrischen Kleinstadt Norcia, Heimat des Heiligen Benedikt, dem Schutzpatron Europas.

Bei dem aktuellen Beben, dem weitere stärkere Nachbeben folgten, handelt es sich um eines der heftigsten, das je in Italien registriert wurde. Wie der Chef des italienischen Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, sagte, soll es das stärkste seit 1980 sein. Die Erschütterung sei eine Folge der verheerenden Erdstöße vom vergangenen Sommer rund um die Bergortschaft Amatrice mit 298 Toten, berichteten Seismologen.

Erdbeben fordert 20 Verletzte

Das Erdbeben, das im betroffenen Gebiet für Panik sorgte, war von Bozen bis Neapel zu spüren. Zunächst gab es keine Informationen über mögliche Todesopfer. Offiziell wurden 20 Personen als verletzt gemeldet, schweben nach Angaben des Zivilschutzes aber nicht in Lebensgefahr.

Enorme Schäden in Norcia

Die Sachschäden sind vor allem in Norcia enorm, berichteten Medien. Die im 14. Jahrhundert errichtete Basilika des Heiligen Benedikt und die Kathedrale von Santa Maria Argentea in Norcia stürzten ein. Lediglich Teile der Fassaden blieben erhalten. “Es ist wie nach einem Bombenangriff”, verlautbarten die Behörden. Die 5.000-Seelen-Gemeinde Norcia, die im Herzen Umbriens nahe den Sybillinischen Berge liegt, war bereits 1979 von einem Erdbeben betroffen, bei dem fünf Personen ums Leben kamen und 2.000 Menschen obdachlos wurden. Langwierige Restaurationsarbeiten seien durch die Erdstöße innerhalb von Sekunden vernichtet worden, berichteten die Behörden.

Arquata komplett zerstört, Amatrice wieder getroffen

Unzählige Gebäude, die bereits bei den Erdstößen am Mittwochabend schwer in Mitleidenschaft gezogen worden waren, stürzten ein. Aleandro Petrucci, Bürgermeister der Ortschaft Arquata, die bereits am 24. August von einem schweren Erdbeben betroffen war, sagte, das ganze Dorf sei zerstört. “Arquata gibt es nicht mehr”, konstatierte Petrucci. Auch die vom Erdbeben am Mittwoch beschädigte Kleinstadt Ussita wurde komplett zerstört. In Amatrice, wo die meisten der 298 Todesopfer des Erdbebens vom 24. August beklagt worden waren, kam es zu weiteren Schäden. So stürzte der Turm der Kirche des Heiligen Augustin ein, der beim ersten Erdbeben im August trotz schwerer Schäden noch erhalten geblieben war. Der Turm war zum Symbol des zerstörten Amatrice geworden.

U-Bahn in Rom vorübergehend gesperrt

Die heftigen Erschütterungen waren auch in Rom zu spüren. Aus Sicherheitsgründen wurden mehrere Sehenswürdigkeiten geschlossen. In mehreren Gebäuden der italienischen Hauptstadt kam es zu Rissen. Das U-Bahn-Netz in Rom blieb am Sonntagvormittag gesperrt. Sicherheitskontrollen auf allfällige Schäden an der Bausubstanz wurden im Kolosseum, im Petersdom und in anderen Basiliken der Stadt durchgeführt.

Erschütterungen auch in Salzburg zu spüren

Das Erdbeben war am Sonntag auch in weiten Teilen Österreichs deutlich bis stark zu spüren, wie der Österreichische Erdbebendienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mitteilte. Die Rückmeldungen stammten “aus Kärnten, dem Inntal, dem Grazer Becken sowie bis hin nach Salzburg und ins Salzkammergut”. Die Auslandsösterreicher, die in der größeren Umgebung des Erdbebengebiets in Mittelitalien leben, sind wohlauf, berichtete die österreichischen Botschaft in Rom, die mit ihnen Kontakt aufgenommen hatte.

Premier Renzi verspricht Unterstützung

Premier Matteo Renzi versprach den betroffenen Gemeinden Hilfe und einen raschen Wiederaufbau. Bei einer Pressekonferenz kündigte Renzi eine Ministerratsitzung am Montag an, bei der Maßnahmen nach der dritte Erdbebenkatastrophe innerhalb von zwei Monaten beschlossen werden sollen. “Niemand wird allein gelassen. Wir werden alles wieder aufbauen: Häuser, Kirchen und Betriebe”, versicherte Renzi. Seine Regierung sei bereit, mehr Ressourcen für den Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen. Die Betroffenen sollen vorübergehend in Hotels an der Adria-Küste untergebracht werden. Auch der Papst drückte den Betroffenen seine Anteilnahme aus.

(APA)

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