Nitsch-Schau “Leben und Werk” in Mistelbach

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Der bekannte Künstler feiert im August seinen 80. Geburtstag
Der bekannte Künstler feiert im August seinen 80. Geburtstag - © APA
Die Verknüpfung geht auf: Betritt man die große Ausstellungshalle des Nitsch Museums in Mistelbach, so öffnet sich ein vielgestaltiges Kaleidoskop, das den weltbekannten Aktionskünstler in einer für museale Verhältnisse ungewohnten Präsentation zeigt. “Leben und Werk” heißt die Schau, die ab Samstag zwei Stränge parallel führt: biografische Details und kraftvolle Bildkomposition.

Aber natürlich greift diese Beschreibung zu kurz – sowohl was das Leben von Hermann Nitsch betrifft, als auch sein Schaffen. Der am 29. August 1938 in Wien geborene Künstler hat im Laufe seiner Karriere ein derart umfangreiches Oeuvre angehäuft, dass es für die Jubiläumsausstellung zu seinem 80. Geburtstag wahrlich kein Leichtes gewesen sein dürfte, einen Zugang zu finden. Das unterstreicht auch der künstlerische Leiter des Museums, Michael Karrer, bei einem Rundgang wenige Tage vor der Eröffnung.

“Es ist die erste biografische Werkschau”, erläuterte er die zwei Friese, die sich auf 130 Wandmetern ausbreiten. Direkt auf Augenhöhe findet sich das, was gemeinhin als Personale durchgehen würde: Zentrale Arbeiten aus dem Schaffen von Nitsch, jedoch verknüpft mit Informationen zu seinem Werdegang. Gleich zu Beginn begegnet der Besucher nicht nur dem Krieg – Nitsch wurde wenige Monate nach dem “Anschluss” Österreichs an Nazi-Deutschland geboren -, sondern gibt es einen sehr persönlichen Einblick, sind hier doch Kindheitsfotos des Malers zusammengestellt.

Stück für Stück kann man sich in der Folge entlanghanteln, von der frühen Ausbildung über seine Diplomarbeit (ein Bibelumschlag aus dem Jahr 1958) sowie erste Arbeiten, die noch einen figurativen Ansatz verfolgten oder bei denen Nitsch dem Informel verpflichtet war. Doch dann: Erste Schüttbilder, erste Arbeiten mit Blut, die ersten Aktionen breiten sich vor dem Betrachter aus. Und stets läuft der Nitsch, wie man ihn kennt und schätzt, schon parallel mit, hat er selbst doch einen zweiten Fries über den biografischen Details gestaltet – großformatig, sehr direkt im Ausdruck, meist die Farbe Rot nutzend.

Es sind gut 500 Exponate, die das Team um Karrer für “Leben und Werk” zusammengetragen und mit viel Liebe für Details arrangiert hat. Wobei es ihm keineswegs “um eine lückenlose Chronologie” gegangen sei, wie Karrer der APA sagte. Vielmehr biete die Ausstellung einzelne Stationen, die zentrale Ereignisse und Werke vor Augen führen. Und dabei sicherlich auch den ein oder anderen Aha-Moment bereithalten, wie eine Anzeige in einer deutschen Zeitung, mit der Nitsch Kinderporträts um 50 DM angeboten hat, sowie dazugehörige Entwürfe.

Aber genauso nehmen die Anfeindungen, denen er sich schon früh ausgesetzt sah, einen nicht unwesentlichen Teil ein: Zeitungsartikel oder Fernsehausschnitte sind so den Aktionen selbst gegenübergestellt und machen deutlich, wie sehr er für Aufregung sorgen konnte. Die Rezeption von Nitsch und natürlich auch deren Veränderung im Laufe der Zeit wird auf diese Weise gelungen veranschaulicht. “Für mich ist es das außergewöhnlichste Leben und Werk eines bildenden Künstlers in der österreichischen Kunstgeschichte”, betonte Karrer. “Das klingt vielleicht populistisch, aber ich kenne nichts Vergleichbares.”

Trotzdem sei es ein Anliegen gewesen, “neutral zu bleiben. Wir möchten ihn weder heroisieren, noch als Opfer transportieren.” Stattdessen zeige die Ausstellung, die bis 5. Mai kommenden Jahres zu sehen sein wird, ein “Kalt-Warm – so wie sein Leben auch verlaufen ist”, gab Karrer zu bedenken. Wie stark bei Nitsch die verschiedenen Kunstgattungen zusammenlaufen und Hand in Hand gehen, zeigen auch etliche Entwürfe zu Aktionen, die das komplexe Geflecht auf eine strukturelle Ebene bringen.

“Wir sind an Grenzen gegangen”, resümierte Karrer letztlich, und man kann es nachvollziehen. Sowohl in Umfang als auch Qualität wird “Leben und Werk” dem Gesamtkünstler Hermann Nitsch gerecht – soweit eine Ausstellung das überhaupt leisten kann. Der umfassende Gedanke, der auch hinter dem Orgien Mysterien Theater steht, er wird hier in gewisser Weise greifbar. Eröffnet wird die Schau am Samstag im übrigen von Giuseppe Morra, dem Gründer des Museo Nitsch in Neapel.

(APA)

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