Nur wenige Salzburger haben Patientenverfügung

Akt.:
1Kommentar
Besonders für ältere Menschen ist es zu teuer eine Patientenverfügung zu errichten (Symbolbild).
Besonders für ältere Menschen ist es zu teuer eine Patientenverfügung zu errichten (Symbolbild).
Seit elf Jahren hat man in Österreich die Möglichkeit im Rahmen einer Patientenverfügung im Vorhinein über die medizinische Behandlung im Falle eines Unfalls oder einer unheilbaren Krankheit zu entscheiden. Doch nur wenige Salzburger machen laut Arbeiterkammer Gebrauch davon.

Wer bis zuletzt selbst über sein Leben bestimmen will, sollte sich früher oder später mit der Patientenverfügung auseinandersetzen. Darin kann jeder schriftlich – eigenständig – festlegen, welche medizinischen Behandlungen im Fall eines Unfalls oder einer unheilbaren Krankheit zu unterlassen sind. Denn für viele ist die Vorstellung, monatelang nur mehr von Maschinen am Leben erhalten zu werden, ein Albtraum.

Hohe Kosten bei Errichtung einer Patientenverfügung

In Österreich ist das Patientenverfügungsgesetz im Jahr 2006 in Kraft getreten. Schätzungen zufolge können nur 2.600 Personen im Bundesland Salzburg ein solches rechtlich verbindliches Dokument vorweisen. Damit eine Verfügung rechtlich bindend ist, muss eine ärztliche und juristische Beratung erfolgen. Die Dienstleistung kostet sowohl beim Rechtsanwalt bzw. Notar als auch beim Arzt Geld.

Ein Beispiel: Eine Patientin mit schwerer Krebserkrankung, die zusätzlich noch Ausgleichszulagenbezieherin ist, kann diese finanzielle Hürde kaum nehmen. „Die Entscheidungsfreiheit über die eigene Gesundheit darf nicht an der Geldfrage scheitern – das entspricht nicht den Vorstellungen einer modernen Gesellschaft, wo eine Zwei-Klassen-Medizin keinen Platz haben darf“, betont Gabi Burgstaller, Gesundheitsreferentin bei der Arbeiterkammer Salzburg (AK).

“Jeder hat das Recht, selbst zu entscheiden”

Derzeit bestehen zwei Register, eines der Notariatskammer in Kooperation mit dem Roten Kreuz und eines der Rechtsanwaltskammer. Die Eintragungen sind mit zusätzlichen Kosten verbunden und es besteht weder eine Registrierungspflicht noch eine Verpflichtung der Gesundheitsdienstleister Einsicht zu nehmen. Selbst die wenigen Menschen, die zurzeit eine verpflichtende Patientenverfügung haben, können nicht sicher sein, dass ihre Patientenverfügung bekannt und beachtet wird, gibt die AK zu bedenken. „Dem Wunsch des oder der Betroffenen muss Folge geleistet werden“, so die AK-Gesundheitsreferentin. „Jeder hat das Recht über das Ausmaß der medizinischen Behandlung selbst zu entscheiden!“

Unbeschränkte Geltungsdauer

Die verbindliche Patientenverfügung ist auf fünf Jahre befristet. Nach Ablauf dieser Zeit muss die Patientenverfügung erneuert werden. Was wieder mit Kosten und bürokratischem Aufwand einhergeht. Für eine kostenfreie Erneuerung kann es zu Wartezeiten von bis zu zwei Jahren kommen. „Aus diesem Grund fordert die AK die Abschaffung der zeitlichen Befristung“, so die AK-Gesundheitsreferentin, die gleichzeitig darauf hinweist: „Eine Befristung darf höchstens vom Patienten festgelegt werden.“

Gesetzesverbesserung gefordert

Die AK fordert nun, dass das Gesetz verbessert wird, denn nur wenige Menschen machen Gebrauch von der Möglichkeit, eine Patientenverfügung zu verfassen. „Strenge Formvorschriften, hohe Anwalts-, Notar- und Arztkosten, lange Wartezeiten sowie der damit einhergehende bürokratische Aufwand wirken für viele abschreckend“, so Burgstaller. Michael Prunbauer von der niederösterreichischen Patientenanwaltschaft gibt zu bedenken, dass es für Bezieherinnen und Bezieher kleiner Pensionen oder niedriger Einkommen eine oft unüberwindbare Hürde darstellt, alle fünf Jahre 250 Euro für eine Aktualisierung zu berappen.

AK unterstützt bei Errichtung von Patientenverfügung

Die Arbeiterkammer Salzburg bietet seit Jahresbeginn Unterstützung bei der Errichtung von Patientenverfügung – für Mitglieder und Pensionisten. Interessierte erhalten eine fundierte Beratung, die Kosten für die Errichtung durch den Rechtsanwalt trägt die AK. „Damit wollen wir einen Beitrag leisten, dass für interessierte Menschen ein niederschwelliger und kostenloser Zugang ermöglicht wird“, erklärt Burgstaller.

Leserreporter
Feedback


Aktuelle News

- Unbekannte räumen Spirituosen-... +++ - Innenstadt: Männer gehen auf P... +++ - Wetter: Auf trüb folgt mild un... +++ - Traktorabstürze: Worin liegen ... +++ - Salzburger Altstadt: Trail-Run... +++ - Seekirchen: 56-Jähriger flücht... +++ - Axel Kiesbye vom Bierkulturhau... +++ - Salzburger Schriftsteller Gauß... +++ - Black and White: Der Maturabal... +++ - Das war der Perchtenflohmarkt ... +++ - Arbeitslosigkeit: Salzburg ste... +++ - Muli-Absturz in Maria Alm: Lan... +++ - Koppl: 24-Jähriger versorgt si... +++ - Motorradfahrer stürzt in Maish... +++ - Rußbach: Landwirt bei Traktor-... +++
1Kommentar

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann.

noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel