Österreicher spenden heuer 625 Millionen Euro

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Österreicher spenden gerne
Österreicher spenden gerne - © APA
Das Spendenvolumen in Österreich wird mit rund 625 Millionen Euro im Jahr 2016 das Rekordniveau des vergangenen Jahres halten können. Das geht aus dem Spendenbericht 2016 hervor, der am Dienstag vom Fundraising Verband Austria bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde.

“2015 und 2016 waren Rekordjahre”, freute sich Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands. Am großzügigsten waren dieses Jahr die Menschen aus der Steiermark und aus Kärnten, sie gaben durchschnittlich 178 Euro. Am spendenfreudigsten sind die Niederösterreicher und Burgenländer, wo rund 74 Prozent der Bevölkerung spenden. Österreich sei traditionell ein Land der Kleinspender, sagt Lutschinger und sieht diesen Umstand durchaus positiv: “Ein breites gesellschaftliches Engagement ist wichtig, um gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen”.

Im Europavergleich liegt das Spendenaufkommen in Österreich mit 72 Euro pro Einwohner deutlich hinter dem Spitzenreiter Großbritannien, wo 260 Euro pro Kopf gespendet werden, und befindet sich somit im europäischen Mittelfeld.

Am liebsten unterstützen die Österreicher nach wie vor Kinder (29 Prozent der Gesamtspenden), Tiere (22 Prozent) und die Katastrophenhilfe im Inland. Stärker in den Vordergrund treten 2016 die Spendenthemen Bettler und Obdachlose sowie sozial benachteiligte Menschen. Für Flüchtlinge und Asylwerber im In- und Ausland spenden die Österreicher seit 2015 vermehrt, was sich auch in einer Erhöhung von Sachspenden niederschlägt. Rund 15 Prozent der Befragten spendeten im vergangenen Jahr Sachwerte. Auffallend ist, dass sich Frauen mit 19 Prozent im Vergleich zu Männern (zehn Prozent) deutlich stärker an Sachspenden beteiligen.

Als spendenbegünstigte Einrichtungen hinzugekommen sind heuer Institutionen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft, für welche die lang geforderte Spendenabsetzbarkeit am 1. Jänner 2016 in Kraft trat.

Die Hauptmotive der österreichischen Spender haben sich nicht verändert: Die Sicherheit, dass die Spende zweckmäßig ankommt, führt vor Sympathie mit der Organisation und Solidarität mit Armen und Schwachen.

Noch zu viel Unwissen und Unsicherheit gebe es über die ab 1. Jänner 2017 geltenden Regelungen der “Spendenabsetzbarkeit neu”, kritisierte Lutschinger. Obwohl die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden im Jahr 2009 einen riesengroßen Schritt dargestellt habe, herrsche bezüglich des neuen Gesetzes ein großes Informationsdefizit.

Aufgrund der Änderungen sind ab nächstem Jahr nicht mehr die Spender selbst, sondern die begünstigten Organisationen für die steuerliche Absetzbarkeit verantwortlich. Dafür müssen sie Namen und Geburtsdatum jedes einzelnen Spenders sammeln und an die Finanzbehörden weiterleiten. Insbesondere für kleinere Organisationen bedeutet dies einen großen und mitunter teuren zusätzlichen Arbeitsaufwand, befürchtet Gabriela Gebhart von der Stiftung Kindertraum. “Das soll nicht auf Kosten der von uns unterstützten Kinder gehen.” Da sich nur 20 Prozent der Befragten ausreichend informiert fühlen, hofft Lutschinger auf verstärkte Informations- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Kostenbeteiligung für nötige Umstellungen vonseiten des Finanzamtes. Zuletzt wurde jeder dritte Spendeneuro steuerlich abgesetzt.

(APA)

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