Österreichische Unternehmen sehen 2017 stabile Entwicklung

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Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl warnt vor Protektionismus
Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl warnt vor Protektionismus - © APA
Österreichs Unternehmen sehen für 2017 eine stabile Entwicklung: Die Erholung werde sich fortsetzen, die Dynamik aber etwas abflachen, geht aus dem am Donnerstag präsentierten “Wirtschaftsbarometer 2016/17” der Wirtschaftskammer (WKÖ) hervor. Exporteure sind demnach optimistischer als nicht-exportierende Firmen. WKÖ-Präsident Christoph Leitl warnte vor Protektionismus.

Der zunehmende Protektionismus mache schon Sorge. “Ein kleines Land wie Österreich braucht die offenen Türen zur ganzen Welt”, so Leitl am Donnerstag bei der Pressekonferenz. Angesichts der angekündigten Rücknahme des geplanten EU-US-Handelsabkommens TTIP durch den designierten US-Präsidenten Donald Trump werde wohl einigen Bekämpfern klar, was das bedeute: einen schwierigeren Zugang für Österreich zu den Weltmärkten. “Wir müssen kämpfen für einen freien Handel, ein kleines Land wie Österreich hat keine anderen Chancen.” 6 von 10 Euro des heimischen Wohlstandes würden außerhalb der österreichischen Grenzen verdient.

Insgesamt seien die Geschäftsaussichten der mehr als 3.000 befragten Betriebe positiv, die Erwartungen zu Umsätzen und Auftragslage fielen jedoch weniger optimistisch aus als noch im ersten Halbjahr 2016, so Christoph Schneider, Leiter der Abteilung für Wirtschaftspolitik der WKÖ. Größere Unternehmen sind optimistischer als kleinere, Exporteure optimistischer als nicht-exportierende Firmen. Befragt wurden heuer erstmals auch Niederlassungen österreichischer Unternehmen in den 20 wichtigsten Auslandsmärkten. Überdurchschnittlich ist die Zuversicht bei den verarbeitenden Betrieben. Zurückhaltend sind die Unternehmen bei den Investitionen, die Investitionsbereitschaft ist per saldo negativ. Die Beschäftigtenzahl konstant halten wollen rund zwei Drittel, 15 Prozent wollen den Personalstand ausbauen.

2017 werde herausfordernder als 2016, erwartet Schneider unter Hinweis auf politische und geopolitische Risiken oder auch des voraussichtlichen Wegfallens der niedrigen Energiepreise und Inflationsraten. Angesichts des Kostendrucks würden wohl die Preise etwas angehoben werden. Die Unternehmen glaubten aber auch an den Standort Österreich, nur 7 Prozent wollten im Ausland investieren.

Bei den Warenexporten erwartet die Wirtschaftskammer heuer ein Wachstum um etwas über 1 Prozent auf 133 Mrd. Euro, bei den Dienstleistungsexporten ein Plus von 3,8 Prozent auf knapp 55 Mrd. Euro. Mit zusammen fast 190 Mrd. Euro werde damit ein neuer Rekord erzielt.

Mit 80 Prozent der Ausfuhren seien die Exporteure nach wie vor europalastig, so Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Austria. Die Unternehmen müssten aber verstärkt nach Übersee gehen, denn dort liege das größte Potenzial für die heimische Exportwirtschaft. Seit 2000 seien die Ausfuhren innerhalb Europas um 75 Prozent gestiegen. Das Plus nach Afrika habe 112 Prozent betragen, nach Amerika 160 Prozent und nach Asien sogar 198 Prozent. Der Trend gehe auch nach Übersee, aber langsam.

Im wichtigsten Markt Deutschland gehen die Betriebe für das kommende Jahr mehrheitlich von einer gleichbleibenden wirtschaftlichen Entwicklung sowie leichten Steigerungen bei Aufträgen und Umsätzen aus. Auch für die USA ergebe die im Oktober durchgeführte Umfrage positive Entwicklungen bei Umsatz und Aufträgen, so Koren. Die Schweiz werde 2017 positiver gesehen als 2016. In Russland habe eine deutliche Mehrheit der befragten Niederlassungen erklärt, dass ihre Geschäfte durch die EU-Sanktionen beeinträchtigt sind. In der Türkei sieht sich ein Drittel von der zunehmend spannungsgeladenen wirtschaftlichen und politischen Lage betroffen.

Einig seien sich die Firmenvertreter bezüglich ihrer Wünsche: Berechenbare Wirtschaftspolitik verbunden mit politischer Stabilität und Rechtssicherheit, weniger Bürokratie sowie qualifizierte Arbeitskräfte.

(APA)

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