Österreichs Einsparungen für Zinszahlungen gestiegen

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Bundesfinanzierungsagentur-Chef Markus Stix
Bundesfinanzierungsagentur-Chef Markus Stix - © APA
Trotz der auf 207,8 Mrd. Euro gestiegenen Finanzschulden hat sich die Republik Österreich aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes bereits 53 Mrd. Euro an Zinszahlungen erspart. Das sind gut zehn Mrd. Euro mehr als vor einem Jahr. Der Zinsaufwand in Relation zur Wirtschaftsleistung sank per Ende 2016 auf 1,69 Prozent, der jährliche Nettozinsaufwand betrug 5,93 Mrd. Euro bzw. 684 Euro pro Kopf.

2016 nahm die für die Schuldenaufnahme zuständige Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) auf den Kapitalmärkten rund 31 Mrd. Euro auf, darin enthalten waren auch einige Milliarden, die für die Einigung mit den Heta-Gläubigern benötigt werden. Aus diesem Titel sei nun nichts mehr zu erwarten, betonte ÖBFA-Chef Markus Stix am Donnerstag im Klub der Wirtschaftsjournalisten in Wien.

Die Zinsersparnis errechnet sich aus dem unterschiedlichem Zinsniveau von vor und nach der Finanzkrise, hochgerechnet mit dem seither begebenen Emissionen und deren Laufzeiten. Vor der Krise lag das Zinsniveau im Schnitt bei 4,2 Prozent, von 2009 bis 2016 sank es auf 1,8 Prozent.

Auch ohne Sonderfaktor Heta wird das geplante Finanzierungsvolumen 2017 mit 30 bis 33 Mrd. Euro ungefähr gleich hoch bleiben. Grund dafür sind zwei große fällig werdende Bundesanleihen und die Erweiterung des Aufgabenspektrums. So ist die OeBFA nun auch für die Finanzierung der ÖBB-Infrastrukturgesellschaft zuständig, die langfristig einen jährlichen Finanzbedarf von zwei Mrd. Euro habe, so Stix. Das werde wie die Bundesländerfinanzierungen funktionieren, die sich auf rund 3,5 Mrd. Euro jährlich belaufen. Außer Tirol und Vorarlberg würden sich alle Bundesländer über die OeBFA refinanzieren.

2016 hat sich aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes die durchschnittliche jährliche Verzinsung der neu aufgenommenen Staatsschulden weiter von 0,49 auf 0,30 Prozent verringert, die Laufzeit der Neuaufnahmen stieg von 7,86 auf 14,40 Jahre. Die durchschnittliche Effektivverzinsung des Gesamtportfolios ist von 2,97 auf 2,69 Prozent gesunken, die durchschnittliche Restlaufzeit von 8,39 auf 8,77 Jahre gestiegen.

Dafür verantwortlich war nicht zuletzt eine in Europa erstmals begebene Staatsanleihe mit 70-jähriger Laufzeit und einem Kupon von 1,5 Prozent. Statt der 70-jährigen hätte Stix gerne ein 100-jährige Anleihe emittiert, die aber erst heuer gesetzlich erlaubt werden dürfte. Ob diese dann auch sinnvoll sei, hänge von der Zinskurve ab, so Stix. Zu steil dürfe sie nicht sein.

Der Höhepunkt des Niedrigzinsumfeldes wurde 2016 im August erreicht, als die zehnjährige Bundesanleihe mit 0,04 Prozent ihren absoluten Tiefststand erreichte. 80 Prozent der 190 Mrd. schweren Bundesanleihen waren damals laut Stix am Sekundärmarkt im negativen Bereich. Im letzten Jahresquartal 2016 habe es dann eine Umkehr gegeben, die Zinsen seien von 0,1 auf 0,6 Prozent angestiegen. Grund dafür waren der gestiegene Ölpreis, der Trump-Effekt und Gerüchte, wonach die Europäische Zentralbank (EZB) aus ihrem Anleiherückkaufprogramm aussteigen könnte.

“Auch 2017 wird nicht weniger volatil verlaufen wie 2016”, meinte Stix. So wisse man etwa zu wenig über die möglichen Auswirkungen der Präsidentschaft des neuen US-Präsidenten Donald Trump auf die Wirtschaft oder ob die US-Notenbank Fed wirklich die US-Leitzinsen sechs Mal erhöhen werde. Auch die in Europa anstehenden Wahlen würden Auswirkungen haben, und die EZB werde als größter Käufer teilweise wegfallen.

Generell dürften sich die Zinsen im Jahresverlauf erhöhen und die Zinskurve steiler werden, die Zinsen also für längere Laufzeiten stärker steigen als für kürzere. Laut Stix erwarten die Märkte im zehnjährigen Bereich per Jahresende ein Verdoppelung des Zinsniveaus für Österreich auf rund 1,0 Prozent. Derzeit profitiert Österreich nach Deutschland, den Niederlanden und Finnland von den günstigsten Zinsen innerhalb der Eurozone. Obwohl derzeit der Verlust des Triple-A-Ratings irrelevant sei, “wäre es mir natürlich lieber”, so Stix.

Auch die Investorenschicht ändere sich, so Stix. Banken hätten weniger Kapazitäten, dafür würden Fonds, Hedgefonds oder Versicherungen einspringen.

Die OeBFA habe aber eine langfristige Strategie und sei für Veränderungen gut gerüstet. Erst größere Zinsveränderungen würden sich auf die Zinsbelastung auswirken. Zudem könne Österreich mit nur drei Prozent Anteil am gesamten Finanzierungsvolumen der Eurozone maßgeschneiderte Finanzierungen anbieten.

(APA)

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