Österreichs größter Hanfbauer mit dem richtigen Riecher

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Alexander Kristen, Geschäftsführer von Flowery Field.
Alexander Kristen, Geschäftsführer von Flowery Field. - © APA/HELMUT FOHRINGER
Solange eine Hanfpflanze nicht zur Blüte gebracht wird, ist deren Besitz erlaubt. Auf dieser Grundlage hat sich Alexander Kristen aus Wien vor zwölf Jahren sein Unternehmen aufgebaut und ist heute Österreichs größter Hanfbauer. Uns hat der 44-Jährige verraten, was hinter dem Konzept steckt, welche Rolle Salzburg dabei spielt und wie er zu einer Legalisierung von Cannabis steht.




20.000 Hanfstecklinge pro Woche produziert Alexander Kristen mittlerweile mit seinem Team. Die Plantage der Gärtnerei „Flowery Field“ wächst auf 1.000 Quadratmetern in Brunn am Gebirge in Niederösterreich.

Flowery Field: Ein Zierpflanzenshop ohne Beratung

Zu kaufen gibt es die Hanfstecklinge in mittlerweile fünf Filialen in Wien, Brunn am Gebirge und Linz. 100 verschiedene Sorten sind im Angebot. Eine Beratung durch seine Mitarbeiter gibt es aber nicht: „Wir dürfen nicht blütenspezifisch beraten, das heißt: wie ich die Pflanze verarbeite und wie viel Ertrag die Pflanze hat. Da müssen sich auch meine Mitarbeiter daran halten, das ist bei uns vertraglich geregelt“, sagt Kristen im Interview mit SALZBURG24. „Wir sind Zierpflanzenhändler und keine Drogenhändler.“

Kunden, die Beratung wollen, werden auf dieses Schild hingewiesen. So ist Flowery Field abgesichert./APA/HELMUT FOHRINGER Kunden, die Beratung wollen, werden auf dieses Schild hingewiesen. So ist Flowery Field abgesichert./APA/HELMUT FOHRINGER ©

Wird der Missbrauch von Cannabis gefördert?

Dem Unternehmenserfolg – Kristen verzeichnet einen Jahresumsatz von rund vier Millionen Euro – tut das aber keinen Abbruch. „Wir machen die Erfahrung, dass sich die Leute vorab im Internet informieren und genau wissen, was sie wollen.“ Dass seine Kunden die Pflanze nicht als Zierstück in die Wohnung stellen, ist dem Unternehmer natürlich klar, stört ihn aber nicht weiter. Die Frage, ob er mit seinem Unternehmen nicht den Missbrauch von Cannabis fördere, versucht Kristen anhand einer Analogie zu erklären und zieht den Vergleich zu einem Porsche-Händler: Der Händler sagt dem Kunden, dass das Auto bis zu 260 km/h fahren kann. Aber der Kunde darf de facto auf der Autobahn in Österreich nicht schneller als 130 km/h fahren, sonst kassiert er eine Verwaltungsstrafe.

Kristen kämpft für Legalisierung von Cannabis

„Ich sehe nicht ein, dass der Staat den Menschen vorschreibt, welche Drogen sie konsumieren dürfen und welche nicht.“ Eine generelle Legalisierung von Hanf ist für Kristen zwar längst überfällig, aber nicht so schnell zu erwarten. Im Bereich der Medizin sieht er jedoch gute Chancen.

Verboten ist Cannabis seit der UN-Drogenkonvention von 1961. Der völkerrechtliche Vertrag, der heute noch besteht, beinhaltet die Gleichstellung von Hanf mit Opiaten. Die Politik müsse jetzt dringend umdenken, fordert der 44-Jährige. „Nachdem man den Leuten über 40 Jahre lang erklärt hat, wie gefährlich Cannabis ist, muss man sie jetzt wieder verstärkt darauf aufmerksam machen, dass die Pflanze im Vergleich zu Nikotin und Alkohol harmlos ist – solange das Cannabis nicht als Joint mit Tabak geraucht wird“, so Kristen.

Die gezüchteten Hanfstecklinge werden in vier Shops verkauf. Salzburg könnte bald folgen./APA/HELMUT FOHRINGER Die gezüchteten Hanfstecklinge werden in vier Shops verkauf. Salzburg könnte bald folgen./APA/HELMUT FOHRINGER ©

Zukunft von Cannabis liegt im medizinischen Bereich

Der Hanfbauer, der seine Zukunft im medizinischen Bereich sieht, kämpft für eine Regelung, die es Ärzten künftig erlaubt Cannabis in Form von Hanfblüten zu verschreiben. Gegen das AGES-Monopol hat der ehemalige Jus-Student kürzlich eine Verfassungsklage eingereicht. Die staatliche Agentur für Ernährungssicherheit hat in Österreich nämlich das exklusive Recht auf die Produktion von Hanf. Damit bleibt privaten Produzenten der Marktzugang verwehrt. Mit dem Wegfall der Monopol-Stellung wäre für Flowery Field die legale Blütenproduktion zu medizinischen Zwecken in Sichtweite. „Wir haben uns in den letzten elf bis zwölf Jahren ein gewaltiges Know-how angeeignet und sind Vorreiter in der In-Vitro-Vermehrung der Pflanzen“, so Kristen. Bei diesem Verfahren werden die Hanfpflanzen im Glas gezüchtet, damit sind sie steril und es werden keine Pestizide mehr benötigt. Gleichzeitig werde auch jetzt schon im Labor im Bereich der Extraktion geforscht.

Bis es soweit ist, will Kristen seine Shops österreichweit ausbauen. Auch Salzburg ist ein Thema, verrät er im Interview. Zwar sei noch keine passende Location dafür gefunden, doch mit Beginn des nächsten Jahres will er auch in der Mozartstadt durchstarten.

Auch wenn eine Legalisierung von Cannabis in Österreich noch nicht in Sicht ist, ist das Thema heute präsenter denn je. Cannabis als Medizin wird immer intensiver diskutiert und wird definitiv kommen, da sind sich die Experten einig. Kristen hatte schon vor zwölf Jahren also ganz offensichtlich den richtigen Riecher.

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