Flexible Arbeitszeit: Heinisch-Hosek kritisiert Karmasin

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Dorothea Schittenhelm sieht keine Notwendigkeit für ein Gesetz
Dorothea Schittenhelm sieht keine Notwendigkeit für ein Gesetz - © APA
SPÖ-Frauenchefin Gabriele Heinisch-Hosek will bei den Sozialpartnerverhandlungen zur Arbeitszeitflexibilisierung die Familien berücksichtigt wissen. Und sie kritisiert im Gespräch mit der APA jüngste Aussagen von Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP), die in der flexiblen Arbeitszeit “Chancen” für Familienfreundlichkeit sieht.

“Wenn ich die Kinderbetreuungssituation nicht vorfinde, brauche ich mir über Flexibilisierung keine Gedanken machen”, stellte Heinisch-Hosek fest und appellierte an Karmasin: “Wenn über die Flexibilisierung von Arbeitszeit gesprochen wird, dürfen wir nicht vergessen, dass es sich nicht jeder so richten kann, wie es von der Familienministerin dargestellt wird.”

Dass eine Frau zwei Tage lang zwölf Stunden arbeitet und danach der Mann das gleiche Pensum – dies sei “nicht die reale Lebenswelt, die sollte sich die Familienministerin auch anschauen”. Man dürfe nicht davon ausgehen, dass sich Elternteile dies “so locker einteilen” können. Karmasin habe jedoch auch diese Eltern zu vertreten, nicht nur jenen kleinen Teil, “der sich’s richten kann”, meinte die SPÖ-Frauenchefin.

Heinisch-Hosek sieht hier auch die Bundesländer gefordert, die Mittel für längere Öffnungszeiten ihrer Kinderbetreuungseinrichtungen vom Bund abzuholen: “Es gibt genug Geld vom Bund, das muss aber abgeholt werden.” Sie ortet aber auch “gesellschaftliche Hindernisse”, denn Frauen würden in ländlichen Gebieten oft noch immer als “schlechte Mutter” angesehen, wenn sie ihre Kinder nicht nur halbtags in die Kinderbetreuung geben.

ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm schlug beim Thema Arbeitszeitflexibilisierung in eine ähnliche Kerbe wie Heinisch-Hosek. Die flexible Arbeitszeit wirke “auf den ersten Blick wunderbar”, es sei jedoch zu beachten, was dies für Frauen und Kinder bedeute. Schittenhelm sieht im Gespräch mit der APA keine Notwendigkeit für ein Gesetz, gebe es doch bereits die Möglichkeit für Betriebsvereinbarungen.

Wenn bei der Arbeitszeitflexibilisierung von einem Zwölf-Stunden-Tag die Rede ist, sei das zu “hinterfragen”: “Ich halte das für bedenklich, im Sinne der Kinderbetreuung”, stellte Schittenhelm fest. “Ich möchte nicht, dass Eltern gezwungen sind, ihre Kinder von 7 bis 19 Uhr in einer Betreuungseinrichtung abzugeben. Das ist nicht Sinn einer flexibleren Arbeitszeit, wo man eigentlich mehr Zeit für die Familie haben möchte”, sah die ÖVP-Frauenchefin auch eine gesellschaftspolitische Komponente.

Karmasin sieht in flexibleren Arbeitszeiten eine “große Chance für mehr Familienfreundlichkeit”. Neben Blockzeiten für die Arbeit könnten auch solche für die Familie reserviert werden, bekräftigte sie am Donnerstag. Damit die Kinder in der Zeit, in der ein Elternteil “in Ausnahmefällen” einen längeren Arbeitszeitblock absolviert, gut versorgt werden, treibe die Bundesregierung den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen weiter voran, erklärte die Ressortchefin. Sie verwies außerdem darauf, dass Unternehmen selbst auch Möglichkeiten haben, wie sie flexible Arbeitszeiten und ein familienfreundliches Arbeitsumfeld in Einklang bringen können. Als Beispiele nannte Karmasin etwa Home-Office-Lösungen, Eltern-Kind-Büros oder Betriebskindergärten und “Flying Nannies” – flexible Kinderbetreuung etwa während eines Events.

Das Thema Arbeitszeitflexibilisierung ist aktuell Gegenstand von Sozialpartnerverhandlungen. Die Bundesregierung hat diese beauftragt, eine Vereinbarung über 1.500 Euro Mindestlohn zu erarbeiten – wofür die Wirtschaft im Gegenzug flexiblere Arbeitszeiten fordert.

(APA)

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